Eishockey
Taktik, Talent und Tempo für den Eishockey-Final, aber …

Endlich startet der Männer-Eishockey-Wettbewerb in Sotschi. Am ersten Olympia-Eishockeytag startet die Schweiz sogleich gegen Lettland. Sie startet als das teuerste Nati-Team der Geschichte. Ob das nützt? Eine Analyse von Klaus Zaugg.

Klaus Zaugg, Sotschi
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Die Eishockey-Cracks beim Training
9 Bilder
Sean Simpson gibt Anweisungen
Damien Brunner (rechts) von den New Jersey Devils
Jonas Hiller, wohl der aktuell beste Eishockey-Goalie der Welt, von Anaheim Ducks
Roman Josi von den Nashville Predators
Der Schweizer Trainer Sean Simpson und NHL Star Mark Streit Philadelphia Flyers (rechts) nach dem Training
Die Schweizer Auswahl beim Training
Die Schweizer Eishockey-Cracks bereiten sich auf ihr erstes Spiel vor
Auf dem Weg zurück ins Camp Ryan Gardner

Die Eishockey-Cracks beim Training

Keystone

Stellen Sie sich vor, wir verlieren in Sotschi mit der teuersten und besten Nationalmannschaft zum Auftakt dreimal hintereinander - und niemand ist beunruhigt. So lassen sich in einem Satz die Besonderheiten des olympischen Turniers zusammenfassen.

In Sotschi betritt heute das teuerste und beste Schweizer Nationalteam aller Zeiten die olympische Bühne.

Neun Spieler aus der NHL mit einer Gesamtlohnsumme von fast neun Millionen Dollar. So teuer und auf dem Papier so gut waren wir im internationalen Vergleich noch nie.

Nicht einmal in den 1920er-, 1930er- und 1950er-Jahren. Die selbstsichere Gelassenheit hier in Sotschi - wie können auch sagen: die Schweizer sind cool - lässt sogar Medaillenhoffnungen keimen. Aber beim olympischen Turnier gilt mehr denn je: Eishockey ist ein unberechenbares Spiel.

Ein «versprungener» Puck, eine kleine Unaufmerksamkeit - und die ganze Herrlichkeit stürzt zusammen wie ein Kartenhaus.

Es ist ein verrückter Modus: In den drei Gruppenspielen (Lettland, Tschechien, Schweden) geht es nur darum, als Gruppensieger oder bester Gruppenzweiter direkt in den Viertelfinal zu kommen. Ansonsten wartet der Umweg über den Achtelfinal.

Will heissen: Wir können gegen Lettland, Tschechien und Schweden sang- und klanglos verlieren und anschliessend mit drei Siegen in den Final einziehen. Wir können also zum Auftakt tatsächlich dreimal in Serie verlieren - und niemand muss sich Sorgen machen.

Sotschi 2014 ist nicht Stockholm 2013. Oder etwa doch? Anders als in Stockholm können die Grossen alle NHL-Stars einsetzen. Aber wir auch.

Macht das wirklich eine so grosse Differenz? Nein.

Wir besiegten in Stockholm auf dem Weg in den Final die Tschechen und die Amerikaner. Das ist auch hier mit allen NHL-Titanen möglich. Weil wir mit Jonas Hiller einen der besten Torhüter der Welt haben.

Und Reto Berra, die Nummer 2, hat uns in Stockholm in den WM-Final gehext.

2010 in Vancouver haben die Kanadier im Gruppenspiel gegen uns erst im Penaltyschiessen gewonnen.

Und die Amerikaner standen gegen uns im Viertelfinal am Rande einer Niederlage. Seither sind die Kanadier und die Amerikaner nicht besser geworden. Wir aber schon.

Die Schweizer haben die Taktik, das Talent und das Tempo fürs olympische Endspiel. Das haben mindestens sechs andere Teams auch. Also werden andere Faktoren die Differenz machen. Für die Schweizer in allererster Linie der Zusammenhalt des Teams.

Wenn der «Geist von Stockholm» auch in Sotschi die Spieler befeuert, und wenn der Puck unseren Weg geht, dann gibt es nach oben keine Grenze.

Taktik, Talent und Tempo sind in einem hohen Masse berechenbar. Die Beschwörung des «Geistes von Stockholm» ist hingegen so schwierig wie Alchemie, und das Glück verteilen die Hockeygötter, ohne uns zu fragen.

Deshalb gibt es auch nach unten keine Grenzen. Ein Ausscheiden im Achtelfinal ist ebenso möglich. In diesem Falle die Position von «Silberschmied» Sean Simpson infrage zu stellen, wäre zwar unsinnig. Aber natürlich würde genau das passieren.

«Die Nordwestschweiz» berichtet ab 18 Uhr im Liveticker über das Spiel der Schweizer Eishockey-Nati gegen Lettland