Olympische Spiele
Mit Roger Federer, Nicola Spirig und Nino Schurter: Swiss Olympic will Schallmauer von 200 Olympia-Medaillen durchbrechen

116 Athletinnen und Athleten und so viele Frauen wie noch nie zuvor vertreten die Schweiz bei den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August). Das Ziel: 7 Medaillen und damit gleich viele wie 2016.

Dan Urner, Simon Häring
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Ralph Stöckli, Chef de Mission bei Swiss Olympic, formuliert für die Schweizer Delegation das Mindestziel von 7 Medaillen.

Ralph Stöckli, Chef de Mission bei Swiss Olympic, formuliert für die Schweizer Delegation das Mindestziel von 7 Medaillen.

Urs Lindt / freshfocus

Strenges Testregime, Quarantäne, nur wenige Zuschauer: Die Olympischen Spiele in Tokio, die vom 23. Juli bis 8. August stattfinden, stehen ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. «Sind die Voraussetzungen gut? Nein, das sind sie sicher nicht», sagt der Schweizer Delegationsleiter Ralph Stöckli am Tag seiner Abreise. «Aber sie sind für alle gleich.»

116 Schweizerinnen und Schweizer gehen auf Medaillenjagd, in Rio de Janeiro waren es noch 105 gewesen, in London 102, in Peking 85. Gestiegen ist der Frauenanteil - von 44 auf 47 Prozent (55 Frauen). Die grösste Delegation entsendet der Leichtathletik-Verband mit 30 Nominierten, unter ihnen Kariem Hussein, Mujinga Kambundji, Ajla del Ponte oder Alex Wilson.

«Unser Team ist gross und stark»: Ralph Stöckli, Chef de Mission, im Video-Interview.

Keystone-SDA

In Rio de Janeiro 2016 hatten nur 17 Leichtathletinnen und Leichtathleten teilgenommen. Das zeige die gute Arbeit in diesem Bereich, befand Stöckli.

Am 23. Juli werden in Tokio die Olympischen Spiele eröffnet.

Am 23. Juli werden in Tokio die Olympischen Spiele eröffnet.

Kiichiro Sato / AP

7 Olympia-Medaillengewinner am Start

192 Medaillen hat die Schweiz seit 1896 bei Olympischen Sommerspielen gewonnen, in Tokio, so die Vorgabe von Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl, soll die Schallmauer von 200 Medaillen durchbrochen werden, wie er am Montagmorgen im Haus des Sports in Ittigen bei Bern sagte: «Wir brennen darauf, dass wir die herausragende Arbeit der letzten fünf Jahre umsetzen dürfen.» Er wünsche der Delegation alles Gute, «dass sie ihre Bestleistungen abrufen kann». Das Wichtigste sei aber, dass alle wieder gesund zurückkehrten. Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, gab 7 Medaillen als Mindestziel vor - gleich viele wie in Rio de Janeiro.

Die 116 Selektionierten

Badminton (1): Sabrina Jaquet

Beachvolleyball (6): Nina Betschart, Joana Heidrich, Tanja Hüberli, Anouk Vergé-Dépré, Mirco Gerson, Adrian Heidrich

Fechten (3): Max Heinzer, Michele Niggeler, Benjamin Steffen (alle Einzel & Team)

Golf (1): Albane Valenzuela

Judo (2): Fabienne Kocher, Nils Stump

Kanu (3): Naemi Brändle (Slalom), Martin Dougoud (Slalom), Thomas Köchlin (Slalom)

Karate (1): Elena Quirici

Kunstturnen (5): Giulia Steingruber, Christian Baumann, Pablo Brägger, Benjamin Gischard, Eddy Yusof

Leichtathletik (30): Sarah Atcho, Riccarda Dietsche, Annina Fahr, Yasmin Giger, Andrina Hodel, Lore Hoffmann, Ditaji Kambundji, Mujinga Kambundji, Sarah King, Salomé Kora, Salome Lang, Silke Lemmens, Angelica Moser, Rachel Pellaud, Ajla Del Ponte, Cynthia Reinle, Fabienne Schlumpf, Delia Sclabas, Lea Sprunger, Martina Strähl, Tadesse Abraham, Loïc Gasch, Kariem Hussein, Jason Joseph, Ricky Petrucciani, Jonas Raess, William Reais, Julien Wanders, Silvan Wicki, Alex Wilson

Mountainbike (6): Sina Frei, Linda Indergand, Jolanda Neff, Filippo Colombo, Mathias Flückiger, Nino Schurter

Rad/Bahn (6): Stefan Bissegger, Robin Froidevaux, Mauro Schmid, Théry Schir, Valère Thiébaud, Cyrille Thièry – der Ersatzathlet wird noch bestimmt

Rad/BMX (4): Zoé Claessens, David Graf, Simon Marquart, Nikita Ducarroz

Rad/Strasse (5): Marlen Reusser, Marc Hirschi, Stefan Küng, Gino Mäder, Michael Schär

Reiten (8): Bryan Balsiger, Martin Fuchs, Steve Guerdat, Beat Mändli (alle Springen), Mélody Johner, Robin Godel, Felix Vogg (alle Eventing), Estelle Wettstein (Dressur)

Ringen (1): Stefan Reichmuth

Rudern (9): Jeannine Gmelin (Skiff), Frédérique Rol und Patricia Merz (Leichtgewichts-Doppelzweier), Barnabé Delarze und Roman Röösli (Doppelzweier), Andrin Gulich, Joel Schürch, Paul Jacquot, Markus Kessler (Vierer ohne Steuermann)

Schwimmen (7): Lisa Mamié, Maria Ugolkova, Jérémy Desplanches, Antonio Djakovic, Nils Liess, Roman Mityukov, Noé Ponti

Segeln/Windsurfen (6): Linda Fahrni, Maja Siegenthaler, Lucien Cujean, Maud Jayet, Mateo Sanz Lanz, Sébastien Schneiter

Sportklettern (1): Petra Klingler

Sportschiessen (2): Nina Christen, Heidi Diethelm Gerber

Tennis (3): Belinda Bencic, Viktorija Golubic, Roger Federer
Tischtennis (1): Rachel Moret

Triathlon (4): Jolanda Annen, Nicola Spirig, Andrea Salvisberg, Max Studer

Wasserspringen (1): Michelle Heimberg

Das scheint realistisch: mit Steve Guerdat, Heidi Diethelm Gerber, Giulia Steingruber, Nino Schurter, Beat Mändli, Nicola Spirig und Roger Federer, die bereits ihre jeweils fünften Olympischen Spiele bestreiten, haben 7 der 116 Nominierten bereits Olympia-Medaillen gewonnen haben. Stöckli sagt:

«Wir hätten das Ziel auch höher stecken können. Doch mit Blick auf die schwierigen 15 Monate, die hinter uns liegen und die uns gezeigt haben, wo die Prioritäten liegen, ist es richtig, zu sagen, dass wir in erster Linie die sieben Medaillen von 2016 übertreffen wollen.»
Nino Schurter ist einer von sieben Teilnehmenden, die schon mindestens eine Olympia-Medaille gewonnen haben.

Nino Schurter ist einer von sieben Teilnehmenden, die schon mindestens eine Olympia-Medaille gewonnen haben.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Die Fussball-Nationalmannschaft als Vorbild

Zu den heissesten Medaillenanwärtern zählen die Springreiter, wo die Schweiz mit Steve Guerdat, für den Olympia-Sieger 2012 in London sind es ebenfalls die fünften Spiele, und Martin Fuchs die Nummer zwei und drei der Weltrangliste stellen. Gross sind die Chancen auch im Zeitfahren (Stefan Küng und Marlen Reusser), in den Raddisziplinen Strasse (Marc Hirschi) und Mountainbike (Nino Schurter und Mathias Flückiger). Als Vorbild nannte Stöckli die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, die an den Europameisterschaften die Viertelfinals erreicht hatte. «Sie hat ein starkes Zeichen für die Kraft des Sports gesetzt. Nur der Sport kann eine Nation so vereinen und der Jugend solche Momente vermitteln.»

Vorbild für die Olympia-Delegation: Die Schweizer Fussball-Nati.

Vorbild für die Olympia-Delegation: Die Schweizer Fussball-Nati.

Urs Lindt / freshfocus

Neben der Medaillenjagd steht die Gesundheit der Teilnehmenden und der Respekt gegenüber der japanischen Bevölkerung im Vordergrund, die den Wettkämpfen angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie mit grosser Skepsis begegnet. «Wir können die Skepsis sehr gut nachvollziehen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Verhaltensregeln und die entsprechenden Schutzmassnahmen für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen werden», sagte Stöckli. «Aber es ist leider eine Tatsache, dass der olympische Geist eingeschränkt sein wird. Es wird nicht einfach, aber wir und die Athleten und Athletinnen sind darauf vorbereitet.» Auch die Hitze werde ein entscheidender Faktor sein, der sich im Training kaum simulieren lasse.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio werden in 51 Disziplinen insgesamt 339 Wettbewerbe ausgetragen. Das sind 9 Disziplinen und 33 Wettkämpfe mehr als noch bei den letzten Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro.

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