Eishockey NLA
Sven Leuenberger kommt – es gibt bei den ZSC Lions doch noch eine Leistungskultur

Mit Sven Leuenberger (47) bekommen die ZSC Lions den idealen neuen Sportchef. Übernimmt sein Bruder Lars nun den bisherigen Job beim SC Bern?

Klaus Zaugg
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Sven Leuenberger tauscht die Berner Arena gegen das Hallenstadion ein.

Sven Leuenberger tauscht die Berner Arena gegen das Hallenstadion ein.

Keystone

Sven Leuenberger ist am Dienstagnachmittag zum neuen ZSC-Sportchef ernannt worden. Mit einem Zweijahresvertrag, der sich dann in einen permanenten Anstellungsvertrag verwandelt. Er ist aus zwei Gründen der ideale Sportchef.

Der Sportchef «von aussen»

Erstens wird so der «Filz» wieder aufgelöst, der bei den ZSC Lions in letzter Zeit die Leistungskultur gehemmt hat und an ein «Lugano des Nordens» mahnte. Die «Vertragsverlängerung unter Freunden» mit Mathias Seger, die Arroganz, die in die Selbstüberschätzung mündete, es gehe auch ohne Ersatzausländer sind äussere Zeichen einer innerlichen Genügsamkeit, die sich oft in einem Sportunternehmen nach ruhmreichen Jahren breitmacht.

Schon als Spieler erfolgreich: Sven Leuenberger.

Schon als Spieler erfolgreich: Sven Leuenberger.

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Nun kommt ein Sportchef «von aussen», ohne Verpflichtungen und Verbindungen innerhalb der Organisation. So werden wir wieder das Primat der Leistung über die guten Beziehungen haben.

Mit Sven Leuenberger kommt eine starke Persönlichkeit in die Organisation, die ein Gegengewicht zum machtbewussten ZSC-General Peter Zahner bildet. Seit sich Simon Schenk, der Architekt der ZSC Lions, auf den Posten eines Sportchefs bei den GCK Lions zurückgezogen hatte (nun ist er in Pension gegangen) fehlte mehr und mehr ein Gegengewicht, eine zweite Meinung neben Peter Zahner.

Edgar Salis: Wird beim ZSC neu Chefscout.

Edgar Salis: Wird beim ZSC neu Chefscout.

Keystone

Der bisherige Sportchef Edgar Salis neigt vom Naturell her eher zum Opportunismus. Sven Leuenberger hat hingegen beim SC Bern unter Marc Lüthi gelernt, sich neben einem charismatischen starken Chef zu behaupten.

Ersetzt Lars Leuenberger seinen Bruder in Bern?

Zweitens ist sind Fachkompetenz und Leistungsausweis von Sven Leuenberger unbestritten. Er hat das bessere Beziehungsnetz als sein Vorgänger Edgar Salis und er kann Spieler besser einschätzen.

Sven Leuenberger war beim SC Bern zuletzt «Sportgeneral». Er war für die Entwicklung und Durchsetzung einer einheitlichen sportlichen Philosophie auf allen Stufen von den Junioren bis in die erste Mannschaft verantwortlich. «Dieser Posten ist für uns sehr wichtig» sagt SCB-General Marc Lüthi. «Es ist klar, dass wir diese Stelle wieder besetzen.»

Eigentlich gibt es einen logischen Nachfolger für Sven Leuenberger: sein Bruder Lars, der nach wie vor arbeitslose SCB-Meistertrainer von 2016. Lars Leuenberger kennt den SCB-Fuchsbau aus langjähriger Erfahrung. Er war in diesem Unternehmen einst auch Spieler und erfolgreicher Juniorentrainer.

Marc Lüthi sagt: «Wir haben uns noch keine Gedanken über die Nachfolge gemacht.» Ist es dankbar, dass Lars Leuenberger (41) den Job bekommt? «Wie ich soeben gesagt habe: Wir haben uns noch keine Gedanken über die Nachfolge gemacht.» Mit Sven Leuenberger verliert der SCB so oder so viel Fachkompetenz und Sportchef Alex Chatelain einen kompetenten Gesprächspartner.

Meister-CEO Marc Lüthi verliert mit Leuenberger viel Sportkompetenz.

Meister-CEO Marc Lüthi verliert mit Leuenberger viel Sportkompetenz.

Keystone

Sven Leuenberger freut sich auf die neue Herausforderung. Seine Familie lebt weiterhin im Bernbiet wohnen. Er wird eine Wohnung in Zürich nehmen. «Eine Anfrage einer Organisation wie jener der ZSC Lions bekommt man im Laufe einer Karriere wohl nicht in zweites Mal» sagt er über seine Beweggründe. Es sei die Herausforderung, die er gesucht habe.

Der offizielle Arbeitsbeginn ist der 1. Juni. «Ich werde mich sicher schon vorher einbringen. Aber es mit auch ein Anliegen, nun hier in Bern alles ordentlich zu übergeben.»

Der bisherige ZSC-Sportchef Edgar Salis besetzt künftig bei der Gesamtorganisation der ZSC/GCK Lions die Stabsstelle Scouting (Talentsuche). Sven Leuenberger kann also, so er denn will, auf die Dienste seines Vorgängers zurückgreifen. Er wird nicht den Fehler machen, dessen Empfehlungen blind zu vertrauen.