Der Fall Wieser

Sven Christ: «Wir schützen Sandro Wieser vor der Hetzjagd»

FC Aarau Trainer Sven Christ.

FC Aarau Trainer Sven Christ.

Aaraus Trainer Sven Christ nervt sich, dass dem Übeltäter Sandro Wieser nach seinem Foul gegen Gilles Yapi Absicht unterstellt wird. Er sagt: «Im Profibereich auf diesem Niveau gibt es keine Fouls, um einen Gegenspieler vorsätzlich zu verletzen.»

Sven Christ, haben Sie sich beim FC Zürich entschuldigt?

Sven Christ: Ich habe mich bei FCZ-Assistenztrainer Massimo Rizzo für meine Reaktion nach dem Foul entschuldigt. Ich habe die Situation nicht klar gesehen und fand Rizzos Wutanfall übertrieben. Nachdem mich Konditionstrainer Reto Jäggi auf das Foul hingewiesen hat, entschuldigte ich mich bei Rizzo. Nach Studium der Videobilder entschuldigte ich mich auch bei FCZ-Cheftrainer Urs Meier und seinem Staff.

Gibt es vonseiten des FC Aarau eine offizielle Entschuldigung?

Der FC Aarau hat ein Statement abgeben. Das geschah vor allem deshalb, weil wir Sandro Wieser schützen wollen. Er hatte nie und nimmer die Absicht, Yapi zu verletzen.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa droht mit einer Strafklage gegen Wieser: Was sagen Sie dazu?

Ich möchte mich dazu nicht gross äussern. Wer die Fernsehbilder anschaut, der sieht zweifellos eine Brutalität. Aber unter Berücksichtigung des Zeitraums vom Spielen des Balles und vom Treffen des Beines wird offensichtlich, dass keine Absicht dahinter steckt.

Haben Sie als Spieler und als Trainer jemals ein so schlimmes Foul miterlebt?

Ja. Das war, als ich mit GC gegen Aarau spielte. Der Aarauer Stürmer Lody Roembiak traf mich voll am Fussgelenk. Ich hatte einen Bänderanriss. Trainer Martin Trümpler nahm Roembiak vom Feld. Bei mir kam das Gefühl des Vorsatzes auf. Ich war wütend und dachte, dass die Attacke gegen meine Gesundheit gerichtet ist. Nach Studium der Fernsehbilder traf ich mich mit Roembiak und akzeptierte seine Entschuldigung.

War bei Wieser Vorsatz im Spiel?

Nein. Glauben Sie mir: Im Profibereich auf diesem Niveau gibt es keine Fouls, um einen Gegenspieler vorsätzlich zu verletzen. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Ist Sandro Wieser ein Rambo?

Absolut nicht. Der FC Aarau und ich als Trainer werden alles daran setzen, Sandro vor dieser Hetzjagd zu schützen. Die Situation für den jungen Spieler ist schwierig genug.

Haben Sie das Gefühl, dass Wieser Hilfe in Anspruch nehmen muss?

Wenn Wieser Hilfe braucht, dann werden wir ihn unterstützen. Das ist aber seine Entscheidung.

Werden Sie den Fall Wieser vor der Mannschaft thematisieren?

Ich bin mir bewusst, dass in dieser Woche einiges auf den FC Aarau zukommt. Ich werde den Fall und die Folgen mit der Mannschaft besprechen. Nach den Gesprächen werden wir entscheiden, wie wir uns in der Öffentlichkeit verhalten werden.

Nervt Sie dieses Interview?

Nein. Mich nervt die Tatsache, dass einige Wieser Absicht unterstellen. Ich bin mir bewusst, was das Ganze für Gilles Yapi bedeutet. Er tut mir unendlich leid. Yapi ist beim FC Aarau kein Unbekannter. Während der Vorbereitung auf diese Saison trainierte er mit uns. Vor dem Anpfiff der Partie kam Yapi zu uns und klatschte mit einigen Spielern ab. Mit dabei war auch Sandro Wieser.

Nur für Hartgesottene: Das Brutalo-Foul von Wieser im Video

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