Lauberhorn
Superstarbonus für Bode Miller in Wengen?

Bode Miller wollte in Wengen sein Comeback nach einer Rückenoperation geben. Daraus wird nichts. Jetzt startet er am Freitag in der Kombiabfahrt als Vorfahrer. Das ärgert die Trainer. Profitiert der Amerikaner von einem Superstarbonus?

Martin Probst, Wengen
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Bode Miller darf trotz Verletzung in Wengen starten - als Vorfahrer.

Bode Miller darf trotz Verletzung in Wengen starten - als Vorfahrer.

Keystone

Bode Miller ist wichtig für den Skisport. Und Bode Miller ist wichtig für Wengen. So lautete, kurz zusammengefasst, die Kernaussage der Befürworter eines Starts des 37-jährigen Amerikaners als Vorfahrer. Miller wollte in Wengen eigentlich sein Comeback nach einer Rückenoperation geben. Doch nach den Trainings sagte er: „Ich bin definitiv noch nicht in Rennverfassung.“ Darum sagte er seinen Start am Lauberhorn ab. Seine Alternative: Vorfahrer in der Kombiabfahrt – als Training.

Kein Problem also. Von wegen: Millers Begehren sorgte bei den Trainern für heftige Diskussionen. Der Hintergrund: Miller bekommt ein zusätzliches Training, ohne seinen Verletztenstatus zu verlieren. Dieser ermöglicht dem Amerikaner, in den Startlisten nicht nach hinten durchgereicht zu werden. Mit einem offiziellen Start in der Kombi hätte er dieses Privileg verloren. Er hätte fortan seine Position in der Weltrangliste verteidigen müssen, auch wenn sein Comeback nicht nach Wunsch verlaufen wäre. Dieses Risiko wollte Miller nicht eingehen. Zusätzliche Trainings aber kommen ihm entgegen.

Miller wird zum Sonderfall

Hier beginnt das Problem. Lässt man Miller als Vorfahrer starten, möchten eventuell auch andere Athleten, die am Comeback arbeiten, ähnliche Möglichkeiten erhalten. Nur: Die Plätze für Vorfahrer sind begrenzt. Und sie werden in aller Regel an junge Athleten vergeben. Besonders das Team der Kanadier ärgerte sich über die geplante Sonderregelung für Miller.

Die Nachfrage der Kanadier, ob diese Vorfahrerregelung in Zukunft für alle möglich sein werde, wurde vom Weltverband FIS verneint. Somit wird Miller zum Sonderfall und das störte die Kanadier. Sie bemängelten einen Superstarbonus, der dem Amerikaner in Wengen zu Teil kommt.

Die Diskussion unter den Trainern war lang und intensiv. Nach mehr als 30 Minuten einigten sich alle Beteiligten: Miller darf als Vorfahrer starten. Er wird den zweiten Teil der Kombiabfahrt eröffnen. Im zweiten Teil starten Fahrer, die die Kombiabfahrt als Training für die Spezialabfahrt am Sonntag nutzen und auf einen Start im Kombislalom verzichten. Dieser Kompromiss wurde von den Kanadiern akzeptiert. Richtig glücklich waren sie damit aber nicht. Spannend wird, was passiert, wenn in den nächsten Rennen andere Athleten den gleichen Vorteil wollen.