Ski alpin
Supermänner: Beat Feuz will in den Kreis derer aufsteigen, die in Wengen und Kitzbühel siegten

Wann ist ein Mann ein Mann? Die Frage ist aktueller denn je und in Kitzbühel glauben einige, die Antwort gefunden zu haben.

Martin Probst aus Kitzbühel
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Beat Feuz auf dem Weg zu seinem besten Super-G-Ergebnis des Winters

Beat Feuz auf dem Weg zu seinem besten Super-G-Ergebnis des Winters

KEYSTONE/APA/APA/EXPA/HANS GRODER

Peter Schröcksnadel, 76-jähriger Präsident des österreichischen Skiverbands, erklärte der Zeitung «Standard», was er von Lindsey Vonns Traum, gegen Männer zu fahren, hält: «Lake Louise ist ihre Lieblingsstrecke, aber keine Herausforderung. Dort fahre auch ich runter. Sie soll in Kitzbühel fahren, das wäre ein richtiger Vergleich.» Ganz nach dem Motto: Abfahrt kann jeder (und jede). Die Abfahrt auf der Streif können nur echte Männer.

Wann ist ein Mann ein Mann? Marcel Hirscher hat sechsmal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen. Siegt er am Sonntag im Slalom in Kitzbühel, wäre es sein 54. Weltcupsieg. Damit würde er zu Hermann Maier aufschliessen. Österreichs Ski-Held stichelt in der «Sportbild»: «Zu einer perfekten Karriere gehört ein Abfahrtssieg. Wenn man in Kitz gewinnt, sollte man auch Olympiasieger werden. Zum guten Ton gehört eigentlich die komplette Sammlung.»

Ganz nach dem Motto: Slalom, Riesenslalom und Super-G kann jeder (und jede). Die Abfahrt auf der Streif können nur echte Männer. Und Supermänner gewinnen in Kitzbühel. Maier gelang das 2001.

Wird Feuz zum Supermann?

Beat Feuz kann am Samstag zum Supermann werden. 2016 war er auf der Streif in der Abfahrt schon Zweiter. Im Jahr 2017 stürzte er mit Bestzeit in der Traverse vor dem Ziel. Doch einstimmen in die Diskussionen will er nicht. Er sagt einzig: «Kitzbühel ist die schwierigste Strecke der Welt, neben dem Lauberhorn der Klassiker schlechthin.» Kurz: Natürlich will Feuz gewinnen. Nicht aber um sich maskuliner zu fühlen, sondern «weil es ein super Rennen ist, das jeder Abfahrer sehr gerne gewinnen würde».

Beat Feuz ärgerte sich im Training über die Bedingungen in Kitzbühel

Beat Feuz ärgerte sich im Training über die Bedingungen in Kitzbühel

KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA

In Wengen hat Feuz vor einer Woche zum zweiten Mal nach 2012 triumphiert, nun hat er in Kitzbühel die Chance auf das Double. Der 30-Jährige wäre nach Roland Collombin 1974, Franz Heinzer 1992 und Didier Défago 2009 der vierte Schweizer, dem dies gelingen würde. Doch auch auf Statistik-Disskussionen lässt sich Feuz erst gar nicht ein. «Natürlich sind solche Dinge schön zu lesen. Aber für mich spielen sie keine Rolle. Mit dem Sieg in Wengen habe ich mir einen Traum erfüllt, nun kommt das nächste Rennen.»

Geburtstag oder nicht

Trotzdem: Schon vor der Saison hat Beat Feuz drei Ziele formuliert: die Abfahrten in Wengen und Kitzbühel sowie die Winterspiele in Südkorea. Die Olympia-Abfahrt ist auf seinen Geburtstag am 11. Februar terminiert. Das war auch die WM-Abfahrt in St. Moritz. Und Feuz wurde Weltmeister.

«Ich habe das Datum gesehen und musste schmunzeln. Allerdings können Abfahrten ja verschoben werden», sagt er. Wie jene in St. Moritz, wo das Wetter am Samstag kein Rennen zuliess und Feuz einen Tag nach seinem 30. Geburtstag Weltmeister wurde. «Darum sehe ich das jetzt nicht als Omen.»

Vorbei ist vorbei

Es sind alles Antworten so typisch für den Mann aus dem Emmental. Hier entspricht Feuz dem Klischee des Mannes: Nicht zu viel denken. Auf der Piste funktioniert bei ihm vieles instinktiv. Der Sturz in Kitzbühel aus dem Vorjahr ist längst abgehakt. «Als ich im ersten Training zur Hausbergkante kam, hatte ich alles im Kopf, nur nicht die Fahrt aus dem Vorjahr.» Vorbei ist für ihn vorbei.

Beat Feuz will erstmals in Kitzbühel von zuoberst jubeln

Beat Feuz will erstmals in Kitzbühel von zuoberst jubeln

KEYSTONE/AP/GABRIELE FACCIOTTI

So lässt er auch Gedanken an ein Was-wäre-wenn nicht zu. Was wäre, wenn es 2012 nicht zu einem Infekt im Knie von Feuz gekommen wäre? Die Saison damals hatte er im Gesamtweltcup nur 25 Punkte hinter Sieger Hirscher beendet.

Wären es ohne den Infekt und die Folgen davon spannende Jahre im Kampf um die grosse Kristallkugel geworden und nicht sechs Mal Hirscher in Serie? «Damals war ich im Flow. Es lief wie von alleine», sagt Feuz. Im Winter 2011/12 stand er 13 Mal auf dem Podest und konnte drei Rennen gewinnen. «Eine solche Serie ist seit der Infektion nie mehr möglich.»

Wie an der WM

Feuz sagt es ganz ohne Bedauern und man glaubt ihm, wenn er erklärt: «Ich kann mir immer noch viele Träume erfüllen und habe Chancen auf grosse Siege.» Und vor allem nutzt er sie. Wie in Wengen oder an der WM.

Nur wie macht er das? «Ganz ehrlich», sagt Feuz: «Ich bin selbst fasziniert, dass es so gut läuft.» In Kitzbühel zählt er natürlich zu den Favoriten. Gestern nach dem Super-G, den Feuz als bester Schweizer auf Rang sechs beendete, gratulierte ihm Schröcksnadel nachträglich zum Sieg in Wengen.

Einen Mann Beat Feuz würde der ÖSV-Präsident sofort nehmen – auf der Streif und überall. Nach der WM sagte er: «Ich würde sofort alle unsere Medaillen gegen sein WM-Abfahrtsgold tauschen.» Dreimal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze gewannen Österreichs Athletinnen und Athleten.

Und was sagt Beat Feuz dazu: «Ich finde, wir Schweizer sollten den Österreichern den Kitzbühel-Sieg stehlen.» Wann ist ein Mann ein Mann? Beat Feuz ist die Antwort egal. Er will einfach gewinnen.