Super League
Wichtige Signale vom FC Basel beim 0:0 gegen Lausanne

In Spiel 1 nach der Cup-Blamage erkämpft sich der FCB unter erschwerten Umständen ein 0:0 – und verspricht der Präsident, alles auf den Kopf zu stellen.

Céline Feller
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Der spielverändernde Moment: Eray Cömert fliegt nach einer Tätlichkeit vom Platz. Der FCB spielt ab dann 70 Minuten in Unterzahl.

Der spielverändernde Moment: Eray Cömert fliegt nach einer Tätlichkeit vom Platz. Der FCB spielt ab dann 70 Minuten in Unterzahl.

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Eine perfekte Ausgangslage sieht anders aus. Gleich zwölf Spieler fehlen dem FC Basel an diesem Samstagabend, von denen man sagen könnte, dass sie Startelf-Potenzial hätten. Ungeachtet dessen forderte Präsident Bernhard Burgener, dass die Mannschaft eine deutliche Reaktion auf das blamable Cup-Out gegen Winterthur zeigt. So liess er sich am Donnerstag im Communiqué zitieren. Vor dem Spiel stand er ebenfalls Rede und Antwort. Nur dem Bezahlsender «blue» zwar, aber immerhin fand er verhältnismässig deutliche Worte:

«Dieses 2:6 hat ein Erdbeben ausgelöst. Es war ein totaler Schock.»

Dass es nicht mehr schlimmer werden könne, man das nicht schönreden könne. Vor allem aber kündigte der Präsident eine tiefgründige Analyse an, und, dass man die richtigen Schlüsse daraus ziehen werde. «Wir werden alles auf den Kopf stellen.» Wann man mit dem Fazit rechnen könne? Das werde man mitteilen, sobald man so weit sei.

Nun, die grossen Schlüsse können zumindest aus dem ersten Spiel nach dem grossen Debakel nicht gezogen werden. Denn nach nur 20 Minuten lässt sich Eray Cömert zu einer Tätlichkeit hinreissen, für die er mit Rot vom Platz fliegt und für die er sich später noch bei der Mannschaft entschuldigen sollte. Vor allem aber verzerrt sein Platzverweis den folgenden Spielverlauf komplett. Die Basler müssen 70 Minuten in Unterzahl agieren. Luca Zuffi gibt zu:

«Wir dachten in dem Moment, dass jetzt alles zusammen kommt.»

Den erschwerten Umständen entsprechend liefert der FCB ein gutes Spiel ab. Die Spieler kämpfen, sie werfen sich in Bälle und Zweikämpfe, sie laufen, zeigen Leidenschaft. Attribute, die allesamt am Mittwoch fehlten und für das Lausanne-Spiel von Trainer Ciriaco gefordert worden waren. Stellvertretend dafür sind Momente, in denen sich Albian Hajdari bereits unter Schmerzen in einen Konter wirft. Oder als Arthur Cabral in der 96. Minute über den halben Platz sprintet und das Spiel entscheiden könnte. Zwar setzt er den Ball neben das Tor, aber der Einsatz: er stimmt.

Mental Gold wert, tabellarisch mit wenig Ertrag

Das am Ende dennoch nur ein 0:0 aus dieser Partie, die lange arm an Highlights ist, aber immerhin eine furiose Schlussphase hat, ist korrekt. Zwar ist Lausanne spätestens ab dem Platzverweis von Cömert zwingender und spielbestimmend. Aber auch die Gäste wissen ihre Chancen – gerade die zwei hochkarätigen nach Wiederanpfiff – nicht zu nutzen. Ebenso wie der FCB, der jedoch bis zu Cabrals Sprint mit letzten Kräften warten muss, bis er eine Top-Möglichkeit verzeichnen kann. So resultiert am Ende ein torloses Unentschieden, mit dem Lausanne nicht gut leben kann, zu dem Zuffi aber sagt:

«Wir nehmen diesen Punkt sehr gerne mit. Auch wenn wir vor dem Spiel drei wollten. Aber in dieser Situation ist es wichtig für die Mannschaft.»

Sein Trainer spricht gar davon, «dass dieser Punkt im mentalen Gold wert ist.» Damit hat er wohl recht. Es ist die Belohnung für einen schweren Kampf einer angeschlagenen Mannschaft, die im Laufe des Spiels auch noch zwei weitere Akteure verletzt verliert. So dennoch ein Spiel zu Null – erst das dritte in dieser Saison – zu erspielen, ist sicherlich gut. Gerade auch, wenn man sieht, wie dünn die Basler Bank besetzt war.

Dass Sforza seinem Team nach dem Spiel in einer Ansprache ein Kompliment macht, ist verständlich. Weil es nicht einfach war die letzten Tage. Aber auch er wird wissen, dass dieser Punkt in der Summe wenig bringt. Dennoch ist es für ihn das Zeichen, das er wollte und brauchte von seinen Spielern. Sforza sagt etwas bedeutungsschwanger:

«Das ist ein Neustart für die Mannschaft. Sie haben gezeigt, was sie können. Diese Mannschaft wird in Zukunft noch mehr bringen.»

Ob dieses Unentschieden, dieser Fight, am Ende wirklich der so ersehnte Neustart ist – man wird es sehen. Aktuell ist es nicht mehr als ein kleines Schrittchen.

Ob wirklich ein Ruck durch die Mannschaft und den Verein gegangen ist, wird sich weisen müssen. Die Herausforderungen, die kommen, gleichen Herkules-Aufgaben: St.Gallen auswärts und YB zu Hause. Mit einem Kader, dessen Situation mit den Sperren Cömerts und Fabian Freis (vierte gelbe Karte) nicht besser geworden ist. Gelingt in diesen Spielen eine Reaktion, dann darf man eventuell von einem Neustart reden. Oder wie sagte es Burgener: So etwas wie das Spiel am Mittwoch kann auch ein Katalysator sein. Wie bei einem Erdbeben.

Telegramm

Basel – Lausanne 0:0 (0:0)

St.Jakob-Park. – Keine Zuschauer. – SR Fedayi San. – Tore: Keine.
FCB: Lindner; van der Werff, Cömert, Klose, Hajdari (78. Males); Frei, Zuffi; Zhegrova (23. Cardoso), Kasami, Kalulu (72. Chiappetta); Cabral.
Lausanne: Diaw; Jenz, Loosli, Nanizayamo; Schmidt (46. Bolingi), Kukuruzovic, Bares (67. da Cunha), Flo; Puertas (83. Brazão); Mahou, Guessand.
Bemerkungen: FCB ohne Abrashi, Jorge, Isufi, Marchand, Padula, Petretta, Sene, von Moos, Stevanovic, Widmer, Xhaka (alle verletzt), Pululu, van Wolfswinkel und Stocker (angeschlagen). – 20. Rote Karte: Cömert (Tätlichkeit). Verwarnungen: 20. Mahou (Unsportlichkeit). 27. Frei (Foul, im nächsten Spiel gesperrt). 58. Bares (Foul). 75. Bolingi (Foul). 86. Lindner (Zeitspiel).