Super League
Ein Rückschritt, der keiner sein soll: Der FC Basel kann zu Hause auch gegen Lugano nicht gewinnen, die Analyse fällt schwer

Der FC Basel rettet gegen Lugano kurz vor Schluss ein 2:2. Die Analyse von Trainer und Eigentümer lässt aufhorchen.

Jakob Weber
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Es ist der Torriecher von Ersatzverteidiger Jasper van der Werff, der den FC Basel an diesem Sonntag rettet. Der als Aussenläufer in der improvisierten Fünferkette eingewechselte van der Werff staubt in der 89. Minute nach einem nach vorne abgewehrten Abschluss von Pajtim Kasami ab und sichert dem FCB so immerhin einen Punkt.

Zwar gewinnt Rotblau auch das vierte Heimspiel in Serie nicht und baut den schlechtesten Saisonstart seit Einführung der Super League weiter aus. Doch weil der FCB trotz doppeltem Rückstand nicht als Verlierer vom Platz geht, fällt die Analyse beim Trainer schwer. «Erst war ich enttäuscht. Doch jetzt bin ich zufrieden», gibt Ciriaco Sforza nach dem Spiel zu Protokoll. Er will von einem neuerlichen Rückschritt nichts wissen und streicht – wie er das gerne macht – lieber das Positive hervor: «Man muss den Gegner respektieren. Wir haben mit Leidenschaft zweimal einen Rückstand aufgeholt. Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Sforza.

Doch in den 90 Minuten vorher tut sich der FCB schwer. «Wir hatten gegen die enge Lugano-Verteidigung die Mittel nicht», erklärt van der Werff. Dass Lugano nach einem Ballverlust von Raoul Petretta durch Asumah Abubakars erstes Super-League-Tor zehn Minuten vor der Pause mit 1:0 in Führung geht, macht die Aufgabe noch schwerer. Bis in die Schlussphase kommt der FCB nicht einmal gefährlich vors Tor. Erst in der 84. Minute wurstelt sich Afimico Pululu über links durch und der ebenfalls eingewechselte Arthur Cabral stochert den Ball im zweiten Anlauf zum 1:1 ins Netz.

Geht da sogar noch mehr? Nein! Quasi mit dem Gegenzug kassiert der FCB das achte Gegentor binnen einer Woche. Timm Klose sieht im Laufduell mit Numa Lavanchy aus wie ein Schuljunge, dem der Bus gerade vor der Nase weggefahren ist. Im Zentrum muss Christopher Lungoyi den Ball nicht mal richtig treffen, um zu treffen. Er geht in der FCB-Abwehr vergessen. «Wir kriegen zu viele Gegentore», erkennt auch Sforza. Doch weil van der Werff zwei Minuten später doch noch das 2:2 macht, gibt es für seinen FCB immerhin einen Punkt. Und dieser bedeutet, dass der FCB Rang 2 verteidigt. Soweit die gute Seite der Medaille.

Auf der Gegenseite bestätigt dieses Spiel, dass der FCB gegen jedes Team der Liga Probleme bekommt und Chancen zulässt. Von Souveränität keine Spur. Kein Wunder, dass der Respekt der Gegner vor dem einstigen Serienmeister schwindet. Die Analyse von Lugano-Trainer Maurizio Jacobacci hört sich diametral anders an: «Wir waren ganz sicherlich gefährlicher als Basel. Sie hatten zwar mehr den Ball, doch entscheidend ist es vor dem Tor», sagt er und dürfte damit näher an der Wahrheit liegen als Kollege Sforza.

Bernhard Burgener bittet um Unterstützung

Sforza muss sich aber auch nach dem neuerlichen Punktverlust keine Sorgen um seinen Job machen. In der Halbzeit des Spiels äussert sich nach langer Abwesenheit Eigentürmer Bernhard Burgener mal wieder. Im SRF sagt er: «Ich habe Vertrauen in Ciri und in die Mannschaft.» Burgener will den eingeschlagenen Kurs nicht korrigieren und sieht den Verein wie Sforza «auf dem richtigen Weg». Das im September ausgerufene Ziel «Meistertitel» relativiert er zu «oben mitspielen». Sowieso sei es in diesen speziellen Zeiten am wichtigsten, «gestärkt aus dieser Coronakrise zu kommen».

Burgener appelliert an den Zusammenhalt: «Es ist genug negative Stimmung da. Jetzt braucht es Unterstützung.» Diese von der eigenen Anhängerschaft zu erhalten, scheint allerdings auch im Jahr 2021 ein Ding der Unmöglichkeit. Und so dreht sich die FCB-Abwärtsspirale weiter. Auf und neben dem Platz.

Die Highlights im Video:

Das Telegramm:

St.-Jakob-Park. – Keine Zuschauer. – SR: Tschudi. – Tore: 36. Abubakar (Kecskes) 0:1. 84. Cabral (Pululu) 1:1. 87. Lungoyi (Lavanchy) 1:2. 89. van der Werff (Kasami) 2:2.
Basel: Lindner; Padula (71. van der Werff), Cömert, Klose, Petretta; Frei, Abrashi (46. Marchand); Zhegrova (60. Cabral), Kasami, Stocker; van Wolfswinkel (71. Pululu).
Lugano: Bauman; Kecskes, Maric (46. Covilo), Daprela; Custodio; Lavanchy, Sabbattini, Lovric (65. Macek), Guerrero (88. Facchinetti); Bottani (65. Lungoyi), Abubakar (77. Gerndt).
Bemerkungen: FCB ohne Jorge, Xhaka (beide verletzt), Zuffi, Widmer (angeschlagen) und Cardoso (noch nicht qualifiziert). – Verwarnungen: 71. Cömert (Foul). 73. Sabbattini (Reklamieren).

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