Super League
Der FCZ bleibt nach dem 1:0-Sieg im Spitzenspiel gegen YB Leader: Breitenreiter hat im Homeoffice ein goldenes Händchen

André Breitenreiter coacht aus dem Homeoffice seinen FC Zürich zum Sieg im Spitzenspiel gegen die Young Boys. Das Tor des Spiels erzielt ein 18-jähriger Einwechselspieler.

Raphael Gutzwiller
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28.11.2021; Zuerich; FUSSBALL SUPER LEAGUE - FC Zuerich - BSC Young Boys, Blerim Dzemaili (Zuerich) mit Wilfried Gnonto (Zuerich) ; (Claudio Thoma/freshfocus)

28.11.2021; Zuerich; FUSSBALL SUPER LEAGUE - FC Zuerich - BSC Young Boys, Blerim Dzemaili (Zuerich) mit Wilfried Gnonto (Zuerich) ;
(Claudio Thoma/freshfocus)

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Beim FC Zürich brechen nach dem Abpfiff alle Dämme. Die Freude bei den Spielern, beim Staff und in der stimmungsvollen Südkurve ist riesig. Den Meister geschlagen, weiter Leader. Der FC Zürich reitet nach einem 1:0-Sieg gegen die Young Boys auf der Erfolgswelle weiter.

Der 18-jährige Wilfried Gnonto ist zwar nur 1,69m gross, aber an diesem Nachmittag in Zürich der grösste. In der 83. Spielminute köpfelt der Italiener den FCZ zum umjubelten Siegtreffer. Nach einer guten Balleroberung im Mittelfeld lanciert Tosin den Angriff, Boranijasevic lässt auf der Seite Gegenspieler Macerias aussteigen. Seine mustergültige Flanke findet den Kopf von Gnonto, der vor YB-Goalie Faivre am Ball ist. Es ist der Lucky Punch für den FC Zürich in diesem hart umkämpften Spitzenspiel. Der FCZ bleibt dank des Sieges weiterhin Leader der Super League.

28.11.2021; Zuerich; FUSSBALL SUPER LEAGUE - FC Zuerich - BSC Young Boys, Wilfried Gnonto (Zuerich) trifft gegen Torhueter Guillaume Faivre (YB) zum 1:0; (Claudio Thoma/freshfocus)

28.11.2021; Zuerich; FUSSBALL SUPER LEAGUE - FC Zuerich - BSC Young Boys, Wilfried Gnonto (Zuerich) trifft gegen Torhueter Guillaume Faivre (YB) zum 1:0;
(Claudio Thoma/freshfocus)

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YB ist das aktivere Team, der FCZ will den Sieg mehr

Gnonto und Tosin sorgen für den Lucky Punch. Es sind kluge Einwechslung, weil beide nochmals Schwung in das Spiel bringen. Die Wechsel tätigt diesmal aber nicht FCZ-Trainer André Breitenreiter, sondern dessen Assistent Darius Scholtysik. Wegen einer Corona-Erkrankung ist Breitenreiter in Isolation. Dennoch steht er während des Spiels im stetigen Austausch mit Videoanalyst Fabian Sander, der die Anweisungen an Scholtysik weiterleitet.

Jubel bei FCZ-Assistenztrainer Darius Scholtysik (links), YB-Trainer David Wagner ist konsterniert.

Jubel bei FCZ-Assistenztrainer Darius Scholtysik (links), YB-Trainer David Wagner ist konsterniert.

Andy Mueller / freshfocus

Der FC Zürich in der aktuellen Ausgabe steht für Spektakel. Seit Breitenreiter im Sommer das Team übernommen hat, ist der biedere Fussball von Vorgänger Massimo Rizzo vergessen. Schnelle Umschaltsituationen, gezielte Pässe in die Tiefe und entschlossene willige Zürcher sind das Markenzeichen des Bundesligaerfahrenen Trainers. Gegen die Young Boys aber agiert der FCZ anders: defensiver und weniger die Initiative ergreifend. Die Berner sind aktiver, zumindest optisch sieht es bei den Young Boys deutlich besser aus als beim FC Zürich.

Es gibt Perioden in der Partie, in denen die Druckphasen der Young Boys Powerplay-Situationen aus dem Eishockey gleichen. Spielerisch vermögen die Zürcher zwar nicht immer mitzuhalten, doch sie wehren sich umso mehr. Sie werfen sich in Zweikämpfe, in Schüsse und vereiteln Offensivaktionen noch bevor sie gefährlich werden können. Darum kommt YB ausser einem Pfostenschuss in der Nachspielzeit zu keiner zwingenden Torchance. «Wir wollten diesen Sieg unbedingt», sagt Scholtysik nach der Partie.

YB ist jetzt in der Resultatkrise

Umkämpftes Spiel: Marc Hornschuh (unten) gegen Quentin Maceiras.

Umkämpftes Spiel: Marc Hornschuh (unten) gegen Quentin Maceiras.

Andy Mueller / freshfocus

Die Young Boys zeigen zwar eine gute Leistung, befinden sich nach der Niederlage im Spitzenspiel aber in einer Resultatkrise. Seit sieben Pflichtspielen haben die Berner nicht mehr gewonnen. Für den Serienmeister eine ungewohnte Situation. Fabian Lustenberger, der nach schwerer Verletzung wieder zurückgekehrt ist, fordert mehr Durchschlagskraft: «Defensiv machen wir es gut, doch in der Offensive sind unsere Aktionen zu wenig zwingend. Daran müssen wir arbeiten.»

Mit ein bisschen Glück hätte die Partie aus Berner Sicht auch eine andere Richtung nehmen können. Innert kürzester Zeit trifft FCZ-Mittelfeldspieler Antonio Marchesano zweimal Gegenspieler Martins mittels eines hohen Beins. Er hat Glück, dass er nur in der ersten Aktion dafür Gelb sieht. Stark rotgefährdet wird er noch in der ersten Hälfte ausgewechselt. «In dieser Aktion hatten wir grosses Glück», sagt später Scholtysik.

Ist der FCZ jetzt ein Meisterkandidat?

Michel Aebischer und Fabian Lustenberger ärgern sich, daneben freuen sich Yanick Brecher und Mirlind Kryeziu.

Michel Aebischer und Fabian Lustenberger ärgern sich, daneben freuen sich Yanick Brecher und Mirlind Kryeziu.

Andy Mueller / freshfocus

Es sind Situationen wie diese, die derzeit nicht im Sinne der Young Boys verlaufen, dafür umso mehr für Zürich. «Es ist unglaublich, wie es im Moment bei uns läuft», sagt Torhüter Yanik Brecher. «Wir reiten auf der Erfolgswelle, weil wir den unbedingten Willen haben.» Es läuft beim FCZ gar so gut, dass man mit YB endlich auch mal wieder den Angstgegner bezwingen konnte. In den letzten 12 Duellen konnten die Zürcher gegen YB nie gewinnen. «Einen so grossen Sieg hatten wir schon lange nicht mehr», sagt Brecher.

Wird der FC Zürich nun tatsächlich zu einem Meisterkandidaten? Im Moment will man sich beim FCZ nicht damit beschäftigen. Präsident Ancillo Canepa warnt weiterhin, man müsse den Rückspiegel im Auge behalten. Doch der Sieg gegen den Meister Young Boys gibt dem FC Zürich auf alle Fälle weiter Selbstvertrauen.

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