Super bowl
Der Star, der fehlt, weil er gegen das Coronavirus kämpft: Diese drei Dinge geben vor dem NFL-Final zu reden

Die Lichtgestalt Tom Brady mag beim Super Bowl alles überstrahlen, aber es mangelt nicht an anderen Geschichten rund um das wichtigste Spiel im American Football. Eine Umschau in drei Akten.

Nicola Berger
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Laurent Duvernay-Tardif läuft beim Super Bowl nicht auf, weil er als Arzt gegen das Coronavirus kämpft.

Laurent Duvernay-Tardif läuft beim Super Bowl nicht auf, weil er als Arzt gegen das Coronavirus kämpft.

Bild: AP

Der grosse Abwesende – weil er gegen das Coronavirus kämpft

Eigentlich würde Laurent Duvernay-Tardif nun für die Kansas City Chiefs blocken und versuchen, die Gesundheit des Quarterbacks Patrick Mahomes zu schützen. Aber der Kanadier Duvernany-Tardif, 30, ist nicht nur Football-Profi - er ist auch Doktor. Und weil gerade eine Pandemie wütet, hat Duvernay-Tardif auf die Saison (und sein Salär von 4,75 Millionen Dollar) verzichtet. Und kämpft stattdessen in der Gertrude-Lafrance-Klinik von Québec gegen das Coronavirus.

Er könne nicht zusehen, wie so viele Menschen leiden, und einfach nichts tun, sagte der Kanadier der «Washington Post». In vielerlei Hinsicht überstrahlt seine Geschichte jene von Brady - das sieht auch die «Sports Illustrated» so. Duvernay-Tardif mag seit Februar 2020 nicht mehr Football gespielt haben. Aber die Zeitschrift ernannte ihn trotzdem zum «Sportler des Jahres». Selten war eine Auszeichnung so verdient.

Der Querulant

Tom Brady (links) und der Querulant Antonio Brown.

Tom Brady (links) und der Querulant Antonio Brown.

Bild: AP

Es mangelt in der NFL nicht an Problemfällen. Seit dem 1. Januar 2000 wird durchschnittlich jeden siebten Tag ein NFL-Profi verhaftet. Mal für Alkohol am Steuer. Und immer wieder aufgrund von häuslicher Gewalt und Vergewaltigungsvorwürfen. Letztere sind auch gegen Antonio Brown vorgebracht worden, den Wide Receiver der Tampa Bay Buccaneers - den wahrscheinlich kontroversesten Spieler der Liga.

Brown war mehr als ein Jahr arbeitslos, ehe er im Oktober 2020 bei Tampa unterschrieb. «USA Today» schrieb zum Engagement, es sei «einmal mehr der Nachweis dafür, wie egal der NFL die Frauen sind». Was stimmt. Brown war in Oakland und New England nach wenigen Tagen entlassen worden, er bedrohte eine Frau per SMS - und erweckte auf den sozialen Medien einen so selbstzerstörerischen Eindruck, dass eifrig über psychische Probleme diskutiert wurde. Rein sportlich gehört Brown auch mit 32 noch zu den besseren Passempfängern der Liga. Aber es lässt tief blicken, dass die Buccaneers und seinen alten Spezi Tom Brady nur das alleine interessiert.

Das Millionengeschäft

Der Superbowl ist die grösste eintägige Sportveranstaltung der Welt. Wobei das nur bedingt korrekt ist: die NFL ist ein Meister der Selbstinszenierung, sie schafft es jeweils, um die knapp drei Stunden Spieldauer ein mehrtägiges Programm zu schustern, das den Besuchern das Geld zielsicher aus der Tasche zieht. In diesem Jahr ist alles anders - nur 25’000 Zuschauer sind in Tampa sind zugelassen, davon gehen 7500 Tickets gratis an geimpfte Menschen aus dem Medizinsektor. Die Halbzeitshow bestreitet «The Weeknd», dessen Überhit «Blinding Lights» zu so etwas wie der NFL-Hymne der Saison geworden ist.

Yotubue

Die 30 Werbespots à 30 Sekunden während der TV-Übertragung kosten durchschnittlich 5,5 Millionen Dollar - 100’000 weniger als im Vorjahr. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass die Werbesekunden nicht teurer wurden - wegen sinkender Nachfrage aufgrund der Coronakrise. Der TV-Rechteinhaber Fox verfügte noch bis Ende Januar über offene Slots.