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Süsse Grüsse aus der Vergangenheit, oder weshalb ein Fundstück von Sofia Kenin aus den Tiefen des Internets durchstartet

Sofia Kenin steht im Final der Australian Open.

Sofia Kenin steht im Final der Australian Open.

Australian-Open-Finalistin Sofia Kenin spielte als als 7-Jährige ein Doppel mit Jim Courier, machte Anna Kournikowa die Haare und erklärte, wie sie den Aufschlag von Andy Roddick retournieren würde.

Das Internet vergisst nicht. Und so kommt es, dass ein Fundstück aus dem Frühjahr 2005 seinen zweiten Frühling erlebt. Das Video zeigt, wie Kim Clijsters, die damalige Nummer 1 im Frauentennis, einer schüchternen 6-Jährigen einen Blick hinter die Kulissen bei den Miami Open. «Vielleicht ist sie ja die Zukunft des Tennis, und ich schaue ihr dereinst zu, wenn ich abgetreten bin», sagt Clijsters. 15 Jahre später steht das Mädchen im Final der Australian Open. Der Name des Mädchens ist Sofia Kenin. Ein anderes Video zeigt, wie sie als 7-Jährige einem Reporter des «Tennis Channel» erklärt, wie sie den Aufschlag der früheren Nummer 1 im Männertennis, Andy Roddick, retournieren würde. Der Amerikaner servierte regelmässig mit über 230 Kilometern pro Stunde.

Sofia Kenins Biografie ist eine, die stellvertretend steht fürs Frauentennis, das immer wieder Kinder aus ärmlichen Verhältnissen an die Spitze spült. Früh aus der damaligen Sowjetunion in die USA emigriert, in Florida gross geworden, mit einem aussergewöhnlichem Talent gesegnet: Die Parallelen zu Maria Scharapowa sind so frappant, dass es wenig überrascht, dass Kenin die fünffache Grand-Slam-Siegerin als Vorbild nennt. Ihr Vater Alexander spielt dabei eine so prominente Rolle wie einst Juri Scharapow und ist noch heute Kenins Trainer. Sie sagt: «Er kennt mich so gut wie kein anderer. Er ist ein toller Trainer und wir sind ein gutes Team.» Ihr Vater habe alles dafür getan, dass sie in ihrer Karriere so weit gekommen sei.

Vergleich mit Martina Hingis

Als Juniorin war Kenin in den USA in allen Altersklassen die Nummer 1 des Landes und bestritt mit 14 Jahren auf tiefer Stufe bereits ihre ersten Profi-Spiele. Ihr erster Trainer, Rick Macci, der mit Jennifer Capriati, Serena und Venus Williams, Maria Scharapowa und Andy Roddick gleich fünf frühere Weltranglistenerste trainierte, schwärmt von ihrer Hand-Auge-Koordination, die er zuvor erst bei einer Spielerin beobachtet habe: Martina Hingis, die mit 16 Jahren die Jüngste Nummer 1 der Welt war. Ganz so schnell ging es bei Kenin nicht. Zwar gewann sie mit 18 Jahren ihre ersten beiden Spiele auf der WTA-Tour, auf ihren Durchbruch musste sie indes länger warten. Dafür startete sie im letzten Jahr richtig durch, gewann den Titel in Hobart, besiegte in Roland Garros Serena Williams, triumphierte in Mallorca (im Final gegen Belinda Bencic) und Guangzhou.

Finalgegnerin von Sofia Kenin: Garbine Muguruza.

Finalgegnerin von Sofia Kenin: Garbine Muguruza.

Dabei schien sie schon früh für Grosses bestimmt. Als 7-Jährige machte sie Anna Kournikowa die Haare, und spielt bei einem Schaukampf mit Jim Courier gegen Venus Williams und Todd Martin. Noch so ein Fundstück, das aus den Tiefen des World Wide Web an die Oberfläche gespült wird. So schüchtern sie wirkt, so selbstbewusst sind ihre Aussagen. Vor den Australian Open sagte die 21-Jährige, ihr Sieg gegen Serena Williams in der dritten Runde von Roland Garros 2019 sei ihr bisher grösster Erfolg. «Und wenn ich Serena schlagen kann, kann ich theoretisch alle schlagen.» Sagte es, besiegte mit der Australierin Ashleigh Barty die Nummer 1 der Welt und trifft im Final auf die 26-jährigge Spanierin Garbine Muguruza (WTA 32), die French-Open-Siegerin 2016 und Wimbledon-Siegerin 2017.

Übrigens: Kim Clijsters ist inzwischen dreifache Mutter, wird im Sommer 37 Jahre alt. Und bereitet sich derzweit auf ihr zweites Comeback vor.

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