FC Basel
Stürmer Mohamed Elyounoussi: Vom Fussball ausgewählt

Vom Chancentod zum Torgarant. Mohamed Elyounoussi ist, vor allem nach seinem lupenreinen Hattrick gegen Lugano, so richtig in Basel angekommen. Das Tore schiessen war aber nicht immer sein Hauptberuf, sondern eher genau diese zu verhindern.

Céline Feller
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FCB-Norweger Mohamed Elyounoussi startete beim 4:0-Sieg gegen Lugano mit einem lupenreinen Hattrick in die Rückrunde.

FCB-Norweger Mohamed Elyounoussi startete beim 4:0-Sieg gegen Lugano mit einem lupenreinen Hattrick in die Rückrunde.

Keystone

«Hallo, ich bin Moi», stellt sich Mohamed Elyounoussi vor, als er die «Rotblau-Bar» betritt. Zurückhaltend, mit einem Lächeln. Bescheiden, als wüsste sein Gegenüber nicht, wer er ist. Und er sagt es auf Deutsch. Ein bisschen könne er es sprechen, aber die Grammatik sei schlecht und die Worte würden ihm fehlen.

Aber Deutsch verstehen, das ist kein Problem. Dem Fussball sei Dank. «Als Kind habe ich die ganze Zeit die Sendung ‹Tsubasa› geschaut. Auf RTL, weil mir das norwegische Programm nicht gefiel. Ich fand diese Sendung fantastisch. Ich wollte immer wie er werden.»

Aber die japanische Manga-Figur ist nicht sein einziges Vorbild. In frühen Jahren, als Elyounoussi noch als defensiver Mittelfeldspieler auflief, waren es die Eleganz und die Ruhe eines Zinédine Zidane, die ihn faszinierten. Heute als Flügelspieler nennt er Cristiano Ronaldo. «Für mich ist er der weltbeste Spieler.»

Elyounoussi sagt, dass er sein Vorbild ist. Und schiebt gleich einen Grund nach: «Er wurde dank hartem Training zu diesem Spieler, der er heute ist. Das bewundere ich an ihm.» Viel mehr aber noch bewundert der 22-Jährige seinen sechs Jahr älterer Cousin Tarik.

Der Cousin wie ein älterer Bruder

«Er ist wie ein älterer Bruder für mich – und mein grösstes Idol.» Und wohl auch der grösste Förderer von Mohamed, der erst im Alter von 9 Jahren einem Verein beitrat, dessen Leben aber schon damals von Fussball geprägt war. «Seit ich laufen kann, hat Tarik mir immer einen Ball gegeben und mit mir gespielt.» Mit Erfolg.

Heute sind sie beide Fussballprofis, Mohamed beim FC Basel und Tarik, der drei Jahre in der Bundesliga bei Hoffenheim spielte und mittlerweile für Olympiakos Piräus aufläuft. Tarik war es auch, der bei Mohameds Wechsel zum FCB grossen Einfluss hatte: «Er spielte bei Hoffenheim mit Fabian Schär zusammen und hat sich bei ihm über den FCB erkundigt.»

Heute, ein gutes halbes Jahr später, bezeichnet der 22-jährige Rechtsfuss Basel und den FCB schon als sein Zuhause. «Mittlerweile ist meine Wohnung auch ganz möbliert, das hat etwas gedauert», erzählt er lachend. Es sei nicht schwierig gewesen, sich an die hiesige Kultur anzupassen. Und dennoch wirkte Elyounoussi – zumindest auf dem Platz – in der ersten Saisonhälfte lange, als wäre er noch nicht ganz angekommen.

«Für mich ist er der weltbeste Spieler», Mohamed Elyounoussi über Cristiano Ronaldo.

«Für mich ist er der weltbeste Spieler», Mohamed Elyounoussi über Cristiano Ronaldo.

Keystone

Als wäre er noch nicht ganz eingebunden. Selten kam er über die gesamte Dauer zum Zug. Oft bekam sein guter Freund Birkir Bjarnason den Vorzug, Elyounoussi musste oft mit Joker-Einsätzen vorliebnehmen. Und auch wenn er drei Tore erzielte in der Hinrunde, ist es vielmehr das Tor gegen Ludogorets Rasgrad, das er eben nicht erzielt hat, das mit ihm verbunden wird. «Darüber habe ich damals die ganze Nacht nachgedacht», sagt er.

Er, der von sich sagt, dass er das Verlieren hasst. Und der nach Spielen immer schlechter schläft als sonst. «Ich denke immer über verpasste Chancen nach. Ich will es nicht, aber es hört nicht auf. Vielleicht ist Philosophie ja mein Ding», sagt er und lacht wieder.

Viel lieber würde er immer alles Schlechte vergessen, auf den Platz stürmen und 100 Prozent geben. So, wie er das im ersten Spiel der Rückrunde getan hat. Drei Tore hat er gegen Lugano erzielt, einen lupenreinen Hattrick. Und sein Torkonto damit kurzerhand verdoppelt. «Ich brauchte ein halbes Jahr, um mich auf dem Platz anzupassen.

Der Spielstil hier ist anders, die Gegner ebenfalls.» Seine Leistungen seien okay gewesen, aber nicht berauschend. «Ich wusste immer, dass ich auf dem Platz mehr kann. Mittlerweile fühle ich mich sicherer und mehr als Teil des Teams. Jetzt bin ich wirklich angekommen.» An seinem Ziel, das sich der gebürtige Marokkaner, der mit zwei Jahren mit seiner Familie seinem Vater nach Norwegen folgte, selber gesetzt hat, ist er aber noch nicht ganz angekommen. «Ich habe mir gesagt, dass ich zehn Tore schiessen will.» Vier fehlen noch.

Mohamed Elyounoussi

«Ich denke immer über verpasste Chancen nach. Ich will es nicht, aber es hört nicht auf.»

Helfen könnten ihm dabei die Gebete, die er jeweils vor den Spielen spricht. Elyounoussi ist gläubiger Muslim. Aber auch wenn er sagt, dass die Religion in seinen Alltag gehöre, mag er nicht gross darüber sprechen. Er sei hier, um Fussball zu spielen. Und für den Moment ist er in Basel glücklich. Hier konnte er zum ersten Mal Champions League spielen, hier könnte er im Sommer den zweiten Meistertitel seiner Karriere und den dritten Titel insgesamt gewinnen.

Aber auch wenn er glücklich ist hier, kann er nicht leugnen, dass ihn der spanische Fussball fasziniert – genauso wie der mögliche ferne Traum der englischen Premier League. «Sie ist das Grösste in Norwegen.» Neben dem Wintersport natürlich. Elyounoussi aber hat sich dem Fussball verschrieben. Während auf den Fernsehern im Hintergrund die Ski-WM läuft, achtet er nicht einmal darauf. «Ich habe in der Schule Skifahren gelernt, aber ich war nie wirklich gut.» Skifahrer, das hätte er, anders als viele Norweger, daher auch nie werden wollen.

Ohnehin sei es schwierig, zu sagen, welchen anderen Sport als Fussball er sonst noch gerne ausgeübt hätte. «Ich sehe mich nicht im Basketball oder sonst wo. Es war immer der Fussball. Immer. Es ist, als hätte der Fussball mich ausgewählt.»

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