Gibt es irgendjemanden, der Stucki Chrigu diesen Königstitel nicht gönnt? Gut: Eine Umfrage in der Innerschweiz am Sonntagabend hätte wohl ein etwas gemischteres Feedback produziert. Aber mit ein bisschen Abstand werden sogar die enttäuschten Wicki- und Reichmuth-Fans zugeben müssen, dass hier in Zug etwas zusammengekommen ist, das eigentlich zusammengehört: Christian Stucki und der Titel des Schwingerkönigs.

Mit diesem Triumph hat der Seeländer die letzte grosse Lücke in seinem umfangreichen Palmarès endlich schliessen können. Er gewann die beiden – neben dem Eidgenössischen – wichtigsten Schwingfeste: Unspunnen 2008 und Kilchberg 2017. Er holte seit 2007 an jedem Eidgenössischen den Kranz und stand 2013 in Burgdorf schon einmal im Schlussgang, den er gegen Matthias Sempach verlor. 128 Kränze hat der 1,98 m grosse und etwa 140 kg schwere Athlet im Verlauf seiner langen Karriere errungen.

Schwingerkönig Stucki: "Es ist das Tüpfchen auf dem i"

Schwingerkönig Stucki: "Es ist das Tüpfchen auf dem i"

Dass es ihm im Alter von 34 Jahren doch noch gelingt, diesen unerfüllten Schwingerkönig-Traum in die Realität umzusetzen, daran glaubte nicht mal Stucki selbst so richtig. «Dass es wirklich klappte, kann ich gerade noch nicht fassen. Den Titel in meinem Alter noch zu holen, ist unglaublich», rang Stucki nach seinem Triumph nach Worten. Er weiss, dass es die Schwinger-Götter für einmal gut mit ihm meinten. Das war nicht immer so.

Für Christian Stucki, der auch in diesem Jahr mit Verletzungen zu kämpfen hatte und kraft seines massigen Körpers stets grossen Belastungen ausgesetzt ist, wäre jetzt eigentlich ein idealer Zeitpunkt, von der grossen Bühne abzutreten. Mehr kann er eigentlich nicht mehr gewinnen.

Der Schlussgang des Eidgenössischen

Aber es gibt da natürlich noch einen anderen Aspekt. Als Schwingerkönig eröffnen sich ihm in wirtschaftlicher Hinsicht ganz neue Dimensionen. Wenn er jetzt seine Karriere beenden würde, dann könnte er diesen Titel niemals in derselben Art kapitalisieren, wie wenn er, der populäre und volksnahe Schwinger, weiter schwingt. Die Sponsoren wollen in den Sportler Stucki investieren, nicht in den Vorruheständler.

Auch darum überrascht es nicht, dass der 34-Jährige wenige Stunden nach seinem Triumph in Zug verkündete, dass er mindestens noch bis zum nächsten Eidgenössischen, das 2022 in Pratteln stattfinden wird, weiterschwingen wird. «Sofern es die Gesundheit erlaubt», wie er anfügt.

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