Fussball-Nati
Steven Zuber und die Schweizer Nati: wenn nicht jetzt, wann dann?

Steven Zuber ist einer der wenigen Schweizer, die vor dem Spiel gegen Lettland in einer guten Form sind. Vielleicht kommt er doch noch zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft

Markus Brütsch
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Steven Zuber (r.) trainierte bereits mit der Schweizer Nati, lief aber noch nie für sie auf.

Steven Zuber (r.) trainierte bereits mit der Schweizer Nati, lief aber noch nie für sie auf.

Keystone

Wie ein Schnellzug flitzt Steven Zuber an den überforderten Leverkusenern vorbei. Weder Roberto Hilbert noch Ömer Toprak können verhindern, dass der entfesselte Schweizer den entscheidenden Pass auf Sandro Wagner spielt. 1:0 − Hoffenheim ist auf Kurs in Richtung Champions League. Und Flügel Zuber zu einem wichtigen Faktor des Erfolgs geworden.

Dabei war er erst am achten Spieltag zur Saisonpremiere gekommen, nachdem er sich im April bei einem Zusammenstoss im Training mit Landsmann Fabian Schär einen Schädelbruch zugezogen hatte. Danach aber startete er durch, und seit der Winterpause hat er in neun Bundesligaspielen noch keine einzige Minute verpasst.

Ja, nachdem Zuber im Sommer 2014 für 3,5 Millionen Euro als russischer Meister von ZSKA Moskau zu Hoffenheim transferiert worden war, tritt der 25-Jährige in seiner dritten Saison im Kraichgau so stark auf, dass der Verein seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2020 verlängert hat. «Hoffenheim macht am meisten Sinn für mich. Ich habe mich hier speziell im vergangenen Jahr noch einmal deutlich weiterentwickelt, bin aber noch lange nicht am Ende», sagte Zuber. «Zudem hat sich auch bei der TSG im vergangenen Jahr viel getan, und ich will ein Teil des Weges sein, den der Klub aktuell beschreitet.»

Zurückhaltung gelernt

Und ganz sicher möchte der Winterthurer auch ein Teil des Weges sein, den die Schweizer Nationalmannschaft unter Coach Vladimir Petkovic geht. Dass dieser Zubers starke Vorstellungen in Deutschland jetzt mit dem Aufgebot für das WM-Qualifikationsspiel gegen Lettland belohnte, war absehbar gewesen.

Noch Ende November, bei unserem Besuch in Hoffenheim, hatte sich Zuber sehr zugeknöpft gezeigt, als das Thema auf die Nati kam. «Jeder Spieler will dort hin. Ich möchte jetzt aber nicht darüber reden, sondern auf dem Platz Taten sprechen lassen», sagte Zuber. Vielleicht ist seine Zurückhaltung damit zu erklären, dass er sich vor viereinhalb Jahren, damals noch im Dress der Grasshoppers, gegenüber dieser Zeitung zur Aussage hinreissen liess, er habe doch mehr Qualität als ein Barnetta und ein Stocker. Was bei Naticoach Ottmar Hitzfeld nicht gut ankam, weil es doch sehr grossmäulig klang.

Steven Zuber liess als junger Spieler oft die Zurückhaltung vermissen.

Steven Zuber liess als junger Spieler oft die Zurückhaltung vermissen.

Keystone

Ein Jahr später, Steven Zuber hatte inzwischen nach 127 Spielen in der Super League GC verlassen und in Moskau einen hoch dotierten Fünfjahresvertrag unterschrieben, erhielt dieser dann für die WM-Ausscheidungsspiele gegen Norwegen und Island zwar ein Aufgebot, sass dann aber nur auf der Bank.

So wartet Zuber nach 48 Länderspielen für den Nachwuchs und Einsätzen bei den Olympischen Spielen 2012 noch immer auf sein A-Nati-Debüt. Die Chance, dass es dreieinhalb Jahre nach seinem letzten Aufgebot am Samstag nun endlich so weit ist, scheint intakt. Zuber ist einer von nur ganz wenigen Schweizer Kaderspielern, die derzeit von sich behaupten dürfen, in Hochform zu sein.

Der Formcheck der Schweizer Nati-Spieler in der Bildergalerie:

Granit Xhaka (Arsenal) Hat seinen Stammplatz auch in der grossen Arsenal-Krise auf sicher.
22 Bilder
Haris Seferovic (Eintracht Frankfurt) Sass gegen den HSV die dritte Rotsperre ab.
Josip Drmic (Mönchengladbach) Kam gegen die Bayern eine Viertelstunde vor Schluss und machte etwas Betrieb.
Valentin Stocker (Hertha Berlin) Sass in Köln zum fünften Mal in Folge ohne Einsatz auf der Ersatzbank.
Xherdan Shaqiri (Stoke City) Das Comeback war angekündigt, aber gegen Chelsea war er nicht mal im Kader.
Admir Mehmedi (Bayer Leverkusen) Durfte in Hoffenheim erstmals seit Mitte Dezember 90 Minuten spielen.
Remo Freuler (Atalanta Bergamo) Spielte beim 3:0-Sieg gegen Pescara zum 12. Mal in Folge durch. Stark!
Gelson Fernandes (Rennes) Sass in Toulouse während 90 Minuten auf der Ersatzbank.
Edimilson Fernandes (West Ham) Kam gegen Leicester zu einem 23-Minuten-Einsatz.
Blerim Dzemaili (Bologna) Erzielte beim 4:1 gegen Chievo seine Saisontreffer sieben und acht. Stark!
Valon Behrami (Watford) Musste gegen Crystal Palace in der Pause mit Oberschenkelproblemen raus.
Silvan Widmer (Udinese) Hat seinen Stammplatz auf sicher. Spielt eine sehr überzeugende Saison. Stark!
Fabian Schär (Hoffenheim) Was für eine Seuchensaison. Letzte Woche nach Verletzung im Training zurück.
François Moubandje (Toulouse) Spielt eine konstant gute Saison. Sass nie auf der Ersatzbank. Stark!
Stephan Lichtsteiner (Juventus) Beim 1:0 gegen Sampdoria erst fünf Minuten vor Schluss eingewechselt.
Michael Lang (Basel) Präsentierte sich auch gegen GC auf einem guten Niveau. In Topform.
Léo Lacroix (Saint-Etienne) Spielt nicht mehr so oft wie im Herbst, aber immer mal wieder.
Nico Elvedi (Mönchengladbach) Sass nach dem missglückten Comeback gegen den HSV wieder auf der Bank.
Johan Djourou (Hamburger SV) Ist bei HSV-Trainer Gisdol untendurch und nur noch Innenverteidiger Nr. 4.
Yann Sommer (Mönchengladbach) Gute Form auch gegen die Bayern, beim entscheidenden 0:1 ohne Chance.
Marwin Hitz (Augsburg) War Captain, verursachte aber den Penalty, den Freiburg zum 1:1 nützte.
Roman Bürki (Borussia Dortmund) Spielte gegen Ingolstadt (1:0) überragend. Bewahrte den BVB vor der Pleite.

Granit Xhaka (Arsenal) Hat seinen Stammplatz auch in der grossen Arsenal-Krise auf sicher.

KEYSTONE/AP/RUI VIEIRA

Dass ihn Nationaltrainer Vladimir Petkovic für den verletzten Linksverteidiger Ricardo Rodriguez aufstellen wird, ist nicht zu erwarten. Bei Hoffenheim muss Rechtsfuss Zuber im 3-5-2-System zwar auf dem linken Flügel auch viel Defensivarbeit verrichten, doch ein klassischer Aussenverteidiger ist er nicht. Eher würde sich anbieten, für Valentin Stocker am Flügel zum Einsatz zu kommen, der bei Hertha Berlin wieder einmal aus den Traktanden gefallen ist.

So oder so: Angesichts der vielen Schweizer Probleme − am Samstag ist mit Valon Behrami ein weiteres dazugekommen − muss sich Zuber betreffend seiner Nati-Premiere fragen: «Wenn nicht jetzt, wann dann?»

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