Trainertransfer
Step by step ins Haifischbecken: Der Weg der Fussballtrainer in den Profifussball

Sie sind jung, haben im Ausland gespielt und sich gut auf ihren Trainerjob vorbereitet: Magnin, Seoane und Wicky. Die neuen Trainer des FCZ, FCB und FCL hatten einfachere und schwierigere Wege um bis zum Profifussball zu kommen.

Markus Brütsch
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Der neue FCZ-Trainer Ludovic Magnin.

Der neue FCZ-Trainer Ludovic Magnin.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Ancillo Canepa ist stolz. «Der FCZ ist der einzige Klub, der drei Super-League-Trainer aus den eigenen Reihen rekrutiert hat», sagt der Präsident. Er erklärt, weshalb er Ludovic Magnin auserkoren hat, um Uli Forte abzulösen: «Er wird auf Junge setzen.»

Begonnen hat Canepa mit dieser Strategie im Mai 2010. Da hat er den damals 44-jährigen Interimstrainer Urs Fischer als neuen Chefcoach mit Dreijahresvertrag präsentiert. Unvergessen sein Satz: «Ich war mir noch selten so sicher bei einem Personalentscheid. Urs Fischer ist der richtige Mann für die Zukunft des FC Zürich!» Rekordspieler Fischer (545 NLA-Partien) hatte sich während sieben Jahren als Nachwuchs- und Assistenztrainer auf diesen Job vorbereitet. Er blieb nur knapp zwei Jahre im Amt.

«Die Klubführung sah, wie ich als Trainer arbeite, und schenkte mir das Vertrauen.» Ludovic Magnin (38), Trainer des FC Zürich. 

«Die Klubführung sah, wie ich als Trainer arbeite, und schenkte mir das Vertrauen.» Ludovic Magnin (38), Trainer des FC Zürich. 

Keystone

Nach der missglückten Episode mit Rolf Fringer setzte der FCZ Anfang 2013 mit dem 51-jährigen Urs Meier erneut auf einen eigenen Mann. Einen, der viele Jahre im GC- und FCZ-Nachwuchs gearbeitet hatte und zwischendurch in der 1. Liga und NLB engagiert war. Der 1997 als einer der Ersten die Uefa-Pro-Lizenz erwarb und auf eine bereits über 20-jährige(!) Trainererfahrung zurückblickte, als ihn Canepa aus der U21 des FCZ ins Fanionteam hochzog. Meier durfte zweieinhalb Jahre bleiben.

Keine Eingewöhnungzeit

Jetzt also ist der FCZ überzeugt von Magnins Qualitäten. Der frühere Spieler von Bremen und Stuttgart ist nach Raphael Wicky (FC Basel) und Gerardo Seoane (FC Luzern) der dritte von zehn Super-League-Trainern, den ein Verein im eigenen Nachwuchsstaff entdeckt hat. Dies ist zwar nicht etwas grundsätzlich Revolutionäres, haben doch auch schon GC (Carlos Bernegger), Sion (Sébastien Fournier) und Lugano (Andrea Manzo) einen solchen Weg gewählt.

Beachtlich ist aber, dass ihn nun gleich drei Vereine beschritten haben. «Wenn man weiss, wie der Klub und die Stadt ticken, kann man sofort Einfluss nehmen», sagt Seoane, der einst als Spieler in La Coruña unter Vertrag stand. «Es ist wichtig, die Struktur und die Mitarbeiter zu kennen. Das erleichtert den Einstieg», sagt Meier, heute erfolgreicher Trainer von Rapperswil in der Challenge League.

Der Weg der drei Trainer zu ihren Clubs.

Der Weg der drei Trainer zu ihren Clubs.

AZ

In Deutschland schafften Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Thomas Tuchel und Martin Schmidt (Mainz) den Sprung aus dem Nachwuchs in die Bundesliga.

Gewiss sind solche Lösungen für den Verein auch kostengünstiger. Vor allem aber kennen sich bei einer Vertragsunterzeichnung beide Seiten und es kommt nicht zu falschen Erwartungshaltungen. Wie im vergangenen Sommer bei Sion, als Christian Constantin dem FC Lugano Paolo Tramezzani abwarb, ohne ihn zu kennen. Nach kurzer Zeit war das Missverständnis beendet.

Der FCB und sein Greenhorn

Anders als beim FC Basel, wo die Klubführung haargenau wusste, was sie vom neuen Cheftrainer Raphael Wicky erwarten konnte. Gleichwohl war es ein sehr mutiger Entscheid, den Serienmeister und Champions-League-Teilnehmer einem Greenhorn anzuvertrauen. Selbst wenn der neue Sportdirektor Marco Streller sagte: Wir lernten in den vergangenen Jahren seine hohe soziale Kompetenz kennen und erlebten, wie er Ziele und Werte des FCB verinnerlichte. Wir setzen auf einen internen Mitarbeiter mit glänzenden Qualifikationen.»

Schon ein paar Monate später, nachdem der Walliser (spielte für Bremen, HSV, Atlético Madrid) die erste Krise souverän gemeistert hatte, durften sich die Verantwortlichen in der Wahl bestätigt fühlen.

«Nach sieben Jahren Arbeit im Nachwuchs war ich bereit für den nächsten Schritt.» Raphael Wicky (40), Trainer des FC Basel. 

«Nach sieben Jahren Arbeit im Nachwuchs war ich bereit für den nächsten Schritt.» Raphael Wicky (40), Trainer des FC Basel. 

Daniel Teu

Beim Verband ist man natürlich damit zufrieden, dass derzeit nicht nur neun von zehn Super-League-Trainern Schweizer sind, sondern zu einem guten Teil aus dem eigenen Stall kommen und damit eine Affinität zum Nachwuchs besitzen. Laurent Prince, der Technische Direktor, sagt: «Jetzt ist eine Generation da, die nach der Profikarriere Schritt für Schritt den Trainerberuf erlernt hat und in einem optimalen Umfeld gewachsen ist.» Er betont indes: «Es führen verschiedene Wege in der Super League.»

Sforza und der FCL

Ciriaco Sforza zum Beispiel erarbeitete sich mit einer Ausnahme alle Diplome während seiner Profizeit. Als er bei Kaiserslautern seine Karriere abschloss und eine Offerte des Super-League-Aufsteigers FC Luzern vorlag, griff er beherzt zu und nahm eine immense Doppelbelastung in Kauf. Von Montag bis Mittwoch liess er sich in Köln zum Fussballlehrer (Uefa-Pro-Lizenz) ausbilden, den Rest der Woche kümmerte er sich um den FCL. Das Resultat nach zwei Jahren liess sich mit einem souveränen Klassenerhalt, einem 6. Rang und der Cupfinalteilnahme aber sehen.

«Ich war gut auf die Super League vorbereitet und weiss, wie die Stadt tickt.» Gerardo Seoane (39), Trainer des FC Luzern. 

«Ich war gut auf die Super League vorbereitet und weiss, wie die Stadt tickt.» Gerardo Seoane (39), Trainer des FC Luzern. 

Urs Flueel

Würde Sforza heute einen anderen Weg wählen? «Ich habe mich damals für das Risiko entschieden, und es ist auch nicht schlecht gekommen», sagt der Aargauer. Wenn er höre, der Weg über den Nachwuchs sei der einzig richtige, dann müsse er dies relativieren: «Der Profi- und der Nachwuchsfussball sind zwei verschiedene Paar Schuhe.»

Wäre er nochmals 36 Jahre alt wie damals, als er Luzern übernahm, würde er zwei Dinge anders machen: Zuerst einen Challenge-League-Klub trainieren und Leute mit Qualität in den Staff holen. Aber, so oder so: «Unter dem Strich geht es einfach darum, zu punkten. Manchmal entscheidet ein Schuss an den Innenpfosten, ob man ein guter oder ein schlechter Trainer ist.» Und ob man im Haifischbecken Profifussball weiterschwimmen darf.