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Stan Wawrinka und Rafael Nadal zeigen New York die kalte Schulter und bereiten sich bereits auf die French Open vor

2015 gewann Stan Wawrinka in seinen berühmten Shorts die French Open.

2015 gewann Stan Wawrinka in seinen berühmten Shorts die French Open.

Stan Wawrinka und Rafael Nadal trainieren bereits auf Sand und bereiten sich auf die French Open vor. Und das, obschon zunächst auf Hartplatz gespielt wird und davor auch die US Open in New York stattfinden sollen.

Öffentlich über seine Pläne reden will Stan Wawrinka seit Wochen nicht, er blockt sämtliche Anfragen ab und liess auch einen Termin Mitte Juli verstreichen, an dem er über seine Planung hätte informieren wollen. Auch bei den Schaukämpfen auf dem Balkan oder in Frankreich wäre er ein gern gesehener Gast gewesen, blieb diesen aber ebenfalls fern. Das Signal, das er dieser Tage aussendet, ist gleichwohl unmissverständlich. Seit rund zwei Wochen befindet sich der 35-jährige Romand wieder an seinem Zweitwohnsitz in Monte Carlo und trainiert auf Sandplätzen und mit den neuen Bällen der French Open 2020 (ab 27. September).

Das ist insofern erstaunlich, weil der Tennis-Zirkus Anfang Augst den Spielbetrieb auf Hartplätzen wieder aufnehmen will und ab dem 31. August die US Open in New York stattfinden sollen. Dort gewann Wawrinka 2016 seinen dritten Grand-Slam-Titel. Zwei Wochen später, ab dem 27. September, stehen die French Open auf dem Programm, in den beiden Wochen davor sollen die im Frühling auf den Herbst verschobenen Turniere in Rom und Madrid nachgeholt werden. Offenbar glaubt Wawrinka nicht daran, dass die US Open stattfinden, oder spielt mit dem Gedanken, nicht anzutreten.

2016 triumphierte Wawrinka bei den US Open in New York.

2016 triumphierte Wawrinka bei den US Open in New York.

Zweite Coronawelle kündigt sich bereits an

Er ist damit in bester Gesellschaft. Auch Rafael Nadal, der sowohl in New York als auch in Paris und auch in Rom Titelverteidiger ist, legt seinen Fokus bereits jetzt auf die Sandsaison, trainiert auf Mallorca auf seinem bevorzugten Belag. Wer auf eine Reise in die weltweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene USA verzichtet, umgeht die Gefahr, nicht in Paris antreten zu können. Wer derzeit aus den USA nach Europa reist, muss sich 14 Tage in Quarantäne begeben. Allerdings gelten Sportler und Sportlerinnen als «hoch qualifizierte Angestellte» und dürften deshalb ohne Einschränkungen in den Schengen-Raum einreisen.

Zwar planen die Veranstalter der French Open, vor einer auf die Hälfte der Kapazität reduzierten Zuschauerkulisse spielen zu lassen, allerdings zählten die Gesundheitsbehörden zuletzt 400 aktive Cluster im ganzen Land und führten deshalb in geschlossenen Räumen die Maskenpflicht wieder ein. Auch in Spanien, wo in der Woche nach den US Open in der Hauptstadt Madrid gespielt werden soll, steigen die Infektionsraten seit einigen Tagen wieder. Als Ursache wird eine voreilige Öffnung der Grenzen vermutet, um die Einnahmen aus dem Tourismus zu sichern. Frankreich erwägt bereits, die Grenze zu Spanien wieder zu schliessen.

Angesichts des dichten Programms ist davon auszugehen, dass die Besten mit dem Gedanken spielen, entweder auf die US Open oder die French Open zu verzichten. Und weil eine Reise in die USA derzeit mit zu vielen Unabwägbarkeiten verbunden ist, fokussieren sich Rafael Nadal und Stan Wawrinka wohl auf die Sandsaison. Bis Ende Juli wollen die Organisatoren über die Durchführung der US Open entscheiden. Wawrinka und Nadal haben bereits Stellung bezogen, wo das Turnier in ihrer Prioritätenliste steht: nicht weit oben. Sie zeigen New York die kalte Schulter.

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