Manchmal ist es doch ganz wunderbar, einer der besten Tennisprofis der Welt zu sein. Da fliegt man dann wie Stan Wawrinka mal eben im luxuriösen Privatjet – einer seiner neuen Sponsoren – ganz entspannt nach New York ein, steigt dann im besonders edlen 5-Sterne-Hotel zu Füssen des Central Parks ab, schwelgt ausgiebig im exklusiven Spa-Bereich und lässt sich bei seinen Runden im Luxus-Pool unter Wasser von Klängen aus der berühmten Carnegie Hall berieseln. So lässt es sich aushalten.

Und Wawrinka geniesst die sonnige Seite seines Berufs, teilt die Fotos in den sozialen Netzwerken mit seinen Fans. Und das ist keine Angeberei von ihm, er hat sich dieses Leben ins Saus und Braus verdient. Mit harter Arbeit, mit Entbehrungen. Und es ist vor dem Beginn der US Open wohl ein kleines Trostpflaster für ihn, denn in diesem Sommer hatte der 31 Jahre alte Lausanner vor allem wieder die Schattenseite seines Profidaseins durchleben müssen.

Wieder richtig fit

«Ich fühle mich jetzt wieder gut», betonte Wawrinka, bevor das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison morgen losgeht, «ich bin wieder richtig fit und habe in meiner Trainingswoche in New York sehr viele Stunden auf dem Platz und im Fitnessraum gearbeitet. Ich bin bereit fürs Turnier.» In den vergangenen Wochen hatte das noch anders ausgesehen. Seit seinem Halbfinal am French Open, das Wawrinka gegen Andy Murray Anfang Juni verlor, hatte er harte Rückschläge einstecken müssen.

Im Londoner Queen’s Club schied Wawrinka in Runde eins aus, in Wimbledon scheiterte er in der zweiten Runde am wieder erstarkten Argentinier Juan Martin del Potro, und schliesslich verhinderten anhaltende Rückenbeschwerden seinen Antritt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. «Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen», sagte Wawrinka, «Rio war ein sehr wichtiger Termin für mich in meinem Kalender und ich habe alles getan, um dabei sein zu können. Aber ich musste am Ende langfristig denken. Die Absage war richtig, wenn ich noch ein paar Jahre länger spielen will.»

Es wären Wawrinkas dritte Spiele nach Peking 2008 und London 2012 gewesen, die er sich stattdessen als Fernsehzuschauer angucken musste. Auch, wenn es schwerfiel: «Das ging dann schon, ich habe wirklich sehr viel geschaut und fantastisches Tennis von Del Potro gesehen, und auch Murray war klasse.»

Die beiden werden neben dem Weltranglistenersten Novak Djokovic und dem wieder genesenen Spanier Rafael Nadal wohl die ärgsten Konkurrenten um den Titel in Flushing Meadows sein. Aber sieht sich Wawrinka selbst als Titel-Kandidat? Schliesslich ist er durch das Saisonaus von Roger Federer bereits auf Rang drei vorgerückt und hat zudem am US Open selten enttäuscht: siebenmal stand Wawrinka im Achtelfinal, viermal im Viertelfinal und zweimal im Halbfinal – wie auch vor einem Jahr, als er dort Federer unterlag.

Heikle Startaufgabe

«Na ja, wenn ich in zwei Wochen noch hier bin, dann kann man mich gerne zu den Favoriten zählen», sagte Wawrinka augenzwinkernd. Tiefstapeln ist seine Masche, doch dieses Mal vielleicht sogar klug. Denn bei seiner Rückkehr auf die Tour beim Masters in Toronto erreichte er zwar auf Anhieb den Halbfinal, scheiterte im Anschluss beim Masters in Cincinnati jedoch in Runde zwei.

Die Konstanz fehlt Wawrinka noch, aber er ist einer, der sich in Grand Slams hineinspielen kann wie kaum ein Zweiter. Der sich von Match zu Match extrem steigern und auch nach schwachem Start noch zum Titelfavoriten avancieren kann. Aber in New York steht Wawrinka zunächst ein heikles Auftaktlos bevor: Am spanischen Routinier Fernando Verdasco scheiterte er bereits im Queen’s Club. «Verdasco ist einer der ganz gefährlichen Spieler der Tour, besonders in ersten Runden eines Slams», sagte Wawrinka, «wir werden sehen, was passiert.» Und das gilt wohl auch für seine eigene Mission in Flushing Meadows.