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Stan Wawrinka klont sich, Tom Lüthi vermisst, Yann Sommer singt – wie die Schweizer Sportstars in den sozialen Medien punkten

Stan Wawrinka war sehr aktiv in den sozialen Medien.

Stan Wawrinka war sehr aktiv in den sozialen Medien.

In der Zwangspause inszenieren sich die Sportler im Internet – dort trifft man dann auf geklonte Tennisspieler und tanzende Philosophinnen.

Die Schweizer Sportwelt stand wochenlang still. Statt sich in Arenen oder Stadien zu messen, blieben die Sportler zu Hause. Sie hatten Zeit, nachzudenken. Und Zeit, kreativ zu sein. Vieles fand in den sozialen Medien statt. Ein Überblick.

Der Einsame

Die Quarantäne verhindert das Feiern von Festen. Egal, wie sie fallen. Ende März wurde Stan Wawrinka 35 Jahre alt. Der Romand konnte mit niemandem feiern. Wobei: Wawrinka entdeckte Photoshop für sich und kopierte für ein Video gleich sechs weitere Wawrinkas an den Esstisch. Sechs Wawrinkas klatschten, als der siebte die Geburtstagskerze ausblies. Es folgten weitere Videos und Bilder mit mehreren Wawrinkas drauf. Auf einem Bild gamen zwei Wawrinkas, ein anderer schläft am Boden, einer schlürft an einem Drink. Der Weltranglisten-17. ist offenbar einsam, aber kreativ. Und beherrscht das Klonen.

Die Nachdenkliche

Die Coronakrise und der damit verbundene Lockdown hat den Sport hart getroffen. Weil den Sportlerinnen und Sportler damit der Sinn des Alltags genommen wurde. Man wetteifert nicht auf Rasen, Sand oder Tartanbahn, sitzt nicht im Flieger oder Hotelzimmer. Dafür haben sie Zeit. Auch zum Nachdenken. Die Volleyballspielerin Anouk Vergé-Dépré lässt die Follower an ihren Gedanken teilhaben. Sie postete etwa ein Bild mit den Worten: «Wenn sich die Dinge in dir drin ändern, ändern sich die Dinge um dich herum.» Die 28-Jährige kann aber auch anders: Sie postete ein Video davon, wie sie Salsa tanzt – mit ihrem Spiegelbild.

Die Sehnsüchtigen

Tom Lüthi kann derzeit nicht mit seiner Maschine Runden drehen. Der Motorradrennfahrer postete ein Video aus sorgloseren Tagen. Zu sehen ist Tom Lüthi, wie er sein Motorrad startet. Dazu schrieb der 33-jährige Berner sehnsüchtig: «Ich vermisse es. Diesen Sound! Dieses Gefühl! Die Suche nach Perfektion! Hoffentlich können wir bald wieder Rennen fahren.» Ähnliches fühlt der St.Galler Stürmer Jérémy Guillemenot. Der U21-Nationalspieler postete ein Bild von sich im vollen Stadion. Dazu die Worte: «Der Fussball fehlt.»

Die Meinungsstarken

Für gewöhnlich halten sich die hiesigen Profisportler mit allzu forschen Statements zurück. Auch während der Coronakrise sind kaum einmal kritische Stimmen zu vernehmen. Doch es gibt Ausnahmen. Ramona Bachmann vom FC Chelsea sprach sich in einem längeren Post gegen die Wiederaufnahme des Fussballbetriebs in Grossbritannien aus. Sie fragte sich, ob man damit das richtige Signal sende. Eishockeyspieler Eric Blum vom SC Bern tat seine Meinung auf Instagram ebenfalls kund. Er richtet einen eindringlichen Appell an seine Fans. Es sei «eminent wichtig», zu Hause zu bleiben. Eine Diskussion löste derweil Roger Federer aus. Der 38-Jährige regte auf Twitter an, ATP und WTA, also die jeweiligen Tennisverbände von Männern und Frauen, unter einem Dach zu vereinen.

Die Neugierigen

Beachvolleyballspielerin Tanja Hüberli stellte auf Instagram den Start eines Skirennens nach. Inklusive Rennanzug und Interview nach dem Lauf. Inspiriert wurde sie von Freund Ramon Zenhäusern, der als Kameramann fungierte. Slalomcrack Zenhäusern liess sich dafür vor dem Laptop ablichten. Und vermerkte, dass ein Fernstudium auch jetzt möglich sei.

Die Musiker

Yann Sommer steht früh am Morgen mit seiner Tochter Mila auf, trainiert, kocht und spielt Gitarre und Klavier. Er bedient das Klischee des Fussballers, der PlayStation spielt, so gar nicht. Auf Instagram zeigte der Torhüter von Borussia Mönchengladbach seine Gesangskünste, sang «Hero» von «Family of the Year» mit beeindruckender Sicherheit. Schon als die Spieler der Fussballnati zusammen John Lennons «Imagine» sangen, machte Sommer eine gute Figur. Snowboarder und Musiker Pat Burgener schrieb derweil sogar einen Coronasong.

Die Gamer

Die Sportler sind zu Hause. Auch in den USA. Der Genfer Clint Capela, Basketballer bei den Atlanta Hawks, lenkte sich mit der PlayStation ab. In einem virtuellen Fussballturnier bildete er mit dem Kameruner Allan Nyom, Verteidiger beim FC Getafe, ein Team. Sie spielten gegen Alvaro Morata, spanischer Stürmer von Atlético Madrid, und Chad Johnson, ehemaliger Football-Profi aus den USA. Morata und Johnson setzten sich durch. Auch Fussballer Granit Xhaka zockte. Er spielte für die Schweiz und traf auf Romelu Lukaku, der Belgien vertrat. Seltsamerweise wählte Xhaka Manchester City als Team. Und verlor. Doch nicht nur Fussball wurde online gezockt, auch Tennis. Belinda Bencic nahm ihr Spiel ernst und schritt mit Sporttasche und Tenü vor den Fernseher.

Die Fleissigen

Corona hin oder her: Daniela Ryf lässt sich nicht von ihrem Training abbringen. Die Triathletin stellte einen Pool in den Garten. Das Radfahren übt sie auf dem Hometrainer. Ebenfalls fleissig ist Fussballerin Alisha Lehmann. Die Spielerin von West Ham United postet regelmässig Videos von Trainingssessions auf dem Rasen.

Die Selbstständige

Obschon der Lockdown ein Training auf dem Tenniscourt bisher verunmöglichte, trainiert die 13-jährige Jalena Meier hart. Weil sie sich zu helfen weiss. Das Trampolin im Garten stellte sie kurzerhand auf die Terrasse. Und kippte es, um Bälle auf die Hüpffläche schlagen zu können. Im Garten baute sie zusammen mit ihrem Vater einen Tennisplatz. Sie mähten den Rasen, zogen Linien, bastelten einen Punktezähler und montierten ein Netz. Auf der Strasse vor ihrem zu Hause wurde aus zwei Stühlen und einem Besen ein Tennisnetz gebaut. Ein paar Meter weiter vorne fing ein Fussballtor ihre Aufschläge ab. Es blieb sogar noch Zeit, Roger Federer zu kontern. Dessen Tennis-at-Home-Challenge mit einem Schläger beantwortete Meier mit gleich vier Schlägern – je zwei an Händen und Füssen.

Der Kreative

Andri Ragettlis Instagram-Videos sind schon fast Kult. Obschon auch der Freestyle-Skifahrer zu Hause sitzt, findet er Wege, seine spektakulären Übungen zu machen. In einem Video balanciert, fährt, jongliert, hüpft und klettert der 21-Jährige durch sein Zuhause. Am Schluss macht Ragettli einen Salto und desinfiziert seine Hände.

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