Tennis

Stan Wawrinka ist ein Champion ohne Wenn und Aber

Stan Wawrinka posiert mit der «Coupe de Mousquetaires» vor dem Pariser Eiffelturm.

Stan Wawrinka posiert mit der «Coupe de Mousquetaires» vor dem Pariser Eiffelturm.

Mit dem Sieg an den French Open bestätigt Stan Wawrinka seinen Triumph vom vergangenen Jahr in Australien. Wawrinka ist zurück bei den Grossen – obwohl ihm das selbst gar nicht sonderlich liegt.

Es gehört schon einiges dazu, um Roger Federer von einem Spiel seines Lieblingsclubs FC Basel abzulenken. Federer war am Sonntag beim Pokalspiel gegen den FC Sion sogar auf der Tribüne im St. Jakob-Park dabei, und doch starrte er eigentlich mehr auf das Display seines Smartphones vor sich. Dort lief der Final von Roland Garros, und den schaute Federer nicht nur wegen der 0:3-Niederlage seines FCB lieber, sondern wegen der furiosen Leistung von Stan Wawrinka. Etwas später gratulierte der Baselbieter seinem Kumpel begeistert via Twitter und brachte es schlicht auf den Punkt: «CHAMP».

Doch diese dick gedruckte Anerkennung des 17-maligen Grand-Slam-Siegers sagte noch viel mehr. Sie betonte, dass Wawrinka wirklich ein wahrer Champion ist. Federer selbst hatte nie daran gezweifelt, doch in der Szene haftete Wawrinkas erstem Triumph bei den Australian Open 2014 bei allem Respekt für die Leistung des inzwischen 30-jährigen Lausanners immer ein kleiner Makel an. Denn so mancher glaubt, Wawrinka hätte ja bloss von der Rückenverletzung von Rafael Nadal profitiert. In diesem Final nun gab es keinerlei Zweifel mehr. Wawrinka hatte Novak Djokovic auf beeindruckende Weise bezwungen – und das hochverdient. Der Schweizer, mit der wohl besten einhändigen Rückhand, hatte allen bewiesen, dass er keine Eintagsfliege in den Siegerlisten ist. «Ich habe die Australian Open gewonnen, nun das French Open», sagte Wawrinka, «das ist sehr befriedigend für mich.»

Entscheidender Unterschied

Obwohl er auch am Tag danach noch immer nicht realisiert hatte, welcher Coup ihm da auf dem Court Philipp Chatrier gelungen war. «Dieser Titel ist etwas ganz Besonderes für mich», meinte Wawrinka, «Novak, die Nummer eins, in einem Final zu schlagen, das ist unglaublich.» Mit dem Triumph schiebt er sich erneut auf Platz vier der Rangliste, an seinem Status ändere das aber nichts. «Ich bin nicht so stark wie die ‹Fab Four›. Die gewinnen alles», sagte Wawrinka in Bezug auf die Ausnahmestellung von Federer, Djokovic, Nadal und Murray.

Doch dort steht er nun, hat den Davis-Cup, olympisches Gold und zwei Grand-Slam-Pokale gewonnen. Verrückt sei das, meinte Wawrinka. Und nicht doch der «Fab Four» würdig? «Ich bin nicht so gut wie die vier, aber gut genug, um sie bei Majors zu schlagen – wenn ich mein bestes Tennis spiele.» Und das ist vielleicht das Einzige, das ihn vom Ausnahmequartett noch unterscheidet: die Konstanz. Bei Wawrinka wechseln sich Hochs und Tiefs immer munter ab.

Djokovic’ Trainer Boris Becker analysierte das richtig: «Bei Stan ist es ein bisschen von der Wochenform abhängig. Entweder er verliert in der ersten Runde oder er kommt ins Finale und gewinnt das Turnier.» Vor einem Jahr war er in Paris als Melbourne-Champion zum Auftakt gescheitert, nun gewann er den Titel als Nummer neun der Welt. «Mir ist es einfach lieber, wenn ich nicht zu den Favoriten gehöre», erklärte Wawrinka.

Doch die Zeiten sind nach seinem zweiten Streich wohl endgültig vorbei, mit dem Erwartungsdruck muss er umgehen lernen. Und auch Federer dürfte es lieber sein, wenn er schlagkräftige Unterstützung dabei hat, wenn es darum geht, den Dauergewinner Djokovic beim Grand-Slam-Siege-Sammeln auf Distanz zu halten.

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