Tennis
Stan the Man: «Für die Schweiz zu spielen ist mein Traum»

Stanislas Wawrinka bestreitet heute gegen Ecuadors Emilio Gomez seine 41. Partie für die Schweiz im Davis-Cup. Trotz Müdigkeit vom Halbfinal beim US-Open ist er topmotiviert.

Michael Wehrle, Neuchâtel
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Für Spässe nie zu müde: Marco Chiudinelli und Stan Wawrinka.Keystone

Für Spässe nie zu müde: Marco Chiudinelli und Stan Wawrinka.Keystone

Zehn Jahre ist es her. Da tauchte er beim French Open in Paris aus dem Nichts auf. Hoffnungsträger Roger Federer war in der ersten Runde sang- und klanglos gegen Luis Horna ausgeschieden. Doch nun holte ein Schweizer Junior den Titel.

Kein Schweizer Journalist hatte den damals 18-Jährigen auf dem Radar. Wawrinka stand in der Weltrangliste der Junioren weit unten. Auf der Profitour machte er damals seine ersten Schritte, hatte sich auf Rang 387 vorgearbeitet und so den Sprung ins Turnier geschafft. Schüchtern sass er da, brachte kaum den Mund auf und erzählte nach dem Triumph seine Geschichte.

Die Mutter eine Schweizerin, der Vater ein Deutsch-Schweizer Doppelbürger, dessen Familie aus Tschechien gekommen war. Wawrinka ist Lausanner mit Leib und Seele.

Die Eltern führen in St. Barthélémy bei Lausanne einen Bauernhof und betreuen dabei behinderte Menschen. Das prägte Wawrinka ebenso wie die Rudolf-Steiner-Schule, die er besuchte. «Davis-Cup für die Schweiz zu spielen, ist mein Traum», sagte er nach dem Erfolg in Paris.

Schon ein knappes Jahr später war es so weit. Er spielte in Rumänien das letzte, bedeutungslose Einzel und gewann einen Satz.

Zwei Monate später brach für ihn fast eine Welt zusammen. Captain Marc Rosset setzte ausgerechnet in Lausanne gegen Frankreich auf Ivo Heuberger statt den Nachwuchsmann. Rosset lag völlig daneben, wie sich später herausstellte.

«Ich bin immer motiviert»

«Im Davis-Cup kannst du immer auf mich zählen, du musst gar nicht fragen», hat Wawrinka René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis, mal versprochen.

«Der Gegner spielt keine Rolle, ich bin immer motiviert, für mein Land zu spielen», betont er jetzt. Natürlich sei er müde, physisch und mental, nach dem Halbfinal beim US Open. «Viel geschlafen habe ich nicht, der Jetlag macht mir zu schaffen», gibt er zu. Doch heute spielt er.

Zwei Tage genoss er bei Frau Ilham und Tochter Alexia, dann stiess er zum Team. Für ein Jahr lang hatte Wawrinka mal Frau und Kind verlassen, jetzt schöpft er wieder Kraft aus der Beziehung.

Der Halbfinal ist Wawrinkas grösster Erfolg. Lange musste er darauf warten. «Stan hat viel Selbstvertrauen gewonnen, er traut sich jetzt, der Champion zu sein, was er sich lange nicht traute, weil er sich selbst schlecht machte», charakterisiert ihn seine Frau im «Le Matin.» Er sei sehr scheu und introvertiert.

Stan ist ein Kampftier

«Er ist sehr emotional und tiefgründig», beschreibt ihn Erik Keller, Vizepräsident von Swiss Tennis. Er habe ihm erzählt, dass er nach Wawrinkas Pleite gegen Novak Djokovic eine Träne verdrückt habe. «Darauf hat mich Stan und in den Arm genommen und ‹danke› gesagt», erzählt Keller. Wawrinka höre genau zu und mache sich viele Gedanken.

«Sehr aufmerksam und gradlinig, herzlich, voller Emotionen», sagt Fabienne Benoit, PR- und Marketingmanagerin auf der Profitour ATP über ihn. «Er ist verschmitzt, macht einen Scherz, wenns keiner erwartet». Auch mal über sich selbst.

«Ein Kampftier auf dem Platz», lobt Davis-Cup-Captain Severin Lüthi und «ein positiver Typ, auf den man zählen kann.» Kollege Marco Chiudinelli findet: «Er hat zwei Seiten – scheu gegenüber Fremden, sehr lustig, fast ein bisschen verrückt mit Freunden und sehr loyal.»

Halbfinal-Krimi am US Open zwischen Wawrinka und Djokovic
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Keystone

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