Grand-Slam-Turnier
Stahlring gegen den Terror: In Wimbledon herrscht erhöhte Alarmbereitschaft

Weil Grossbritannien zuletzt vermehrt Zielscheibe des Terrorismus geworden ist, herrscht in Wimbledon erhöhte Alarmbereitschaft.

Simon Häring, London
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Die Besucher werden vor Betreten der Anlage durchsucht.

Die Besucher werden vor Betreten der Anlage durchsucht.

Keystone

Nachdem Grossbritannien in den letzten Wochen in Manchester und London von Attentaten erschüttert worden ist, bei denen 31 Menschen ums Leben kamen, haben die Organisatoren der All England Championships die Massnahmen zum Schutz der Besucher noch einmal erhöht. Auf und um die Anlage im Südwesten Londons patrouillieren mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten, allerdings in zivil. Hunde sollen explosive Materialien aufspüren.

Besucher werden vor Betreten der Anlage durchsucht. Neben Messern und anderen scharfen Gegenständen, die als Waffen gebraucht werden können, sind auch Flaschen, Selfie-Sticks sowie Objekte oder Kleidung, die eine politische Botschaft vermitteln, untersagt.

Spürhunde sorgen für Sicherheit.

Spürhunde sorgen für Sicherheit.

KEYSTONE

Um Besucher, die beispielsweise in der weltbekannten «Qeue» zu Tausenden um Tickets bemühen, vor Angreifern mit Fahrzeugen zu schützen, wurde an verkehrstechnischen Knotenpunkten Barrieren aus Stahl und Beton errichtet. Auf der von 1 bis 5 reichenden Skala wird die aktuelle Gefahrenlage mit 4 und damit am zweithöchsten eingestuft. Eine Attacke wird als jederzeit wahrscheinlich, aber als nicht unmittelbar bevorstehend taxiert.

Mit einer halben Million Besuchern verteilt über zwei Wochen gilt Wimbledon als einer der grössten Anlässe Londons. Entsprechend gilt das Turnier auch als mögliche Zielscheibe für Terroristen. «Bereits im letzten Jahr waren zahlreiche sichtbar bewaffnete Polizisten rund um das Gelände und auf der Anlage unterwegs.

Die Menschen haben sich an diese sichtbare Präsenz gewöhnt», sagt Einsatzleiter Jo Edwards. Aus taktischen Gründen bleibt geheim, wie viele Beamte im Einsatz stehen. «Wir haben die erhöhte Gefahrenlage und die Vorkommnisse der letzten Wochen zum Anlass genommen, die getroffenen Massnahmen zur Sicherheit der Besucher noch einmal zu überdenken. Wir möchten den Besuchern ein unbeschwertes und sicheres Erlebnis ermöglichen», sagt Edwards.

Terrorist wollte Steward werden

Erst vor wenigen Tagen hatten britische Medien enthüllt, dass Kuram Butt, der mutmassliche Drahtzieher hinter dem Angriff auf der London Bridge, bei dem acht Menschen ums Leben kamen, sich um eine Stelle bei einer privaten Sicherheits-Firma beworben hatte, welche Stewards in Wimbledon und anderen Sportveranstaltungen stellt.

Um potenzielle Selbstmord-Attentäter im Ernstfall möglichst schnell zu neutralisieren, wurde eine bedingungslose Schussfreigabe, eine «Shoot to Kill»-Policy, erteilt. In Wimbledon sind regelmässig Mitglieder des britischen Königshauses zu Gast. Gestern machte Prinz Williams Frau Kate, die Duchesse of Cambridge, dem Grand-Slam-Turnier ihre Aufwartung.