Sport Schweiz 2020
Mädchen turnen, Buben spielen Fussball: Kinder in der Schweiz treiben immer mehr Sport – trotz eines Stadt-Land-Grabens

Kinder und Jugendliche in der Schweiz treiben mehr Sport als früher. Doch viele hören beim Übergang ins Erwachsenenleben auf. Kinder auf dem Land sind zudem aktiver als jene, die in der Stadt aufwachsen.

Simon Häring
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  • Kinder und Jugendliche in der Schweiz treiben immer mehr Sport
  • Fitnessboom bei Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz
  • Die Gruppe der Jugendlichen, die nur wenig Sport treiben, wächst
  • Kinder und Jugendliche auf dem Land sind aktiver als Stadtkinder
Mädchen und junge Frauen in der Schweiz werden immer sportlicher.

Mädchen und junge Frauen in der Schweiz werden immer sportlicher.

Sandra Ardizzone / LTA

Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren, die in der Schweiz leben, treiben mehr Sport als noch vor 7 Jahren. Zu diesem Schluss kommt die Studie «Sport Schweiz 2020» des Bundesamts für Sport BASPO, die Bundesrätin Viola Amherd am Montag präsentierte. Demnach würden sich knapp 90 Prozent der 15- bis 19-Jährigen mindestens eine Stunde pro Tag bewegen, wie das für Erwachsene empfohlen sei, heisst es. Auch die Zahl der Inaktiven, die gar keinen Sport betreiben, sei rückläufig – bei den Kindern zwischen 10 und 14 Jahren betrage der Anteil 12 Prozent, bei den Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren allerdings bereits 18 Prozent.

Die Hälfte der mehr als 3400 Kinder und Jugendlichen, die an der Umfrage teilnahmen, gaben an, wieder mit sportlichen Aktivitäten beginnen zu wollen. Allerdings wuchs der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die nur wenig Sport treiben, an, heisst es in der Studie des Bundesamts für Sport.

Viele Kinder, vor allem solche mit Migrationshintergrund, bewegen sich viel zu wenig, und ausserhalb des Schulsports fast gar nicht.

Viele Kinder, vor allem solche mit Migrationshintergrund, bewegen sich viel zu wenig, und ausserhalb des Schulsports fast gar nicht.

Benjamin Manser

Die Ergebnisse stehen in einem krassen Widerspruch mit einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die im Winter 2019 im medizinischen Fachblatt «The Lancet» publiziert worden war und zum Schluss kam, dass sich 9 von 10 Kindern und Jugendlichen in der Schweiz weniger als die empfohlene Stunde pro Tag bewegen. Die logische Konsequenz: Jeder Fünfte unter 18-Jährige in der Schweiz ist übergewichtig. Dazu ernähren sich die Betroffenen oft mit überwiegend inhaltsarmen Lebensmitteln. Sie sind deshalb meist nicht nur übergewichtig, sondern auch mangelernährt.

Fitnessboom bei Mädchen und jungen Frauen

Zwar treiben Jugendliche etwas mehr Sport als bei der letzten Erhebung vor sechs Jahren, aber weniger als Kinder. Demnach treibt die Hälfte der Jugendlichen weniger als 3 Stunden Sport pro Woche. Knaben und junge Männer sind zwar sportlich noch aktiver als Mädchen und junge Frauen, doch der Geschlechterunterschied konnte deutlich reduziert werden. Das ist damit zu erklären, dass der Anteil der Mädchen und jungen Frauen, die mehr als 10 Stunden pro Woche Sport treiben, deutlich zugenommen hat.

Bundesrätin Viola Amherd sagt dazu:

«Dass Mädchen und junge Frauen mehr Sport treiben, freut mich besonders. Sportliche Aktivität ist ein wichtiger Grundbaustein für ein gesundes Leben im Erwachsenenalter. Unabhängig vom Talent lernt man, mit Siegen und Niederlagen umzugehen, sich in eine Gruppe zu integrieren und fair zu sein.»

Der Anteil der Mädchen und jungen Frauen, die mehr als 10 Stunden pro Woche Sport treiben, ist gleich um 7 Prozentpunkte angestiegen, von 25 auf 32 Prozent. Zurückzuführen sei dies auf den Fitnessboom der letzten Jahre, zu dem auch junge Migrantinnen beigetragen hätten. Allerdings treiben Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund auch deutlich weniger Sport und sind häufiger sportlich inaktiv. Der Anteil ist fast drei Mal so gross wie bei Kindern und Jugendlichen mit einem Schweizer Pass.

Bundesrätin Viola Amherd, rechts, sowie Rahel Buergi, Schweizer Sportobservatorium, sprechen an einer Medienkonferenz zum Kinder und Jugendbericht der Studie Sport Schweiz 2020, am Montag, 6. September 2021, in Bern.

Bundesrätin Viola Amherd, rechts, sowie Rahel Buergi, Schweizer Sportobservatorium, sprechen an einer Medienkonferenz zum Kinder und Jugendbericht der Studie Sport Schweiz 2020, am Montag, 6. September 2021, in Bern.

Peter Schneider / KEYSTONE

Geringes Einkommen führt zu weniger Sport

Die Studie des Bundesamts für Sport offenbart ein Problem am Übergang ins Erwachsenenleben. Je älter Kinder und Jugendliche werden, desto weniger bewegen sie sich, desto weniger nehmen sie an Wettkämpfen teil und desto seltener beteiligen sie sich aktiv am Vereinsleben. Stattdessen steigt der Stellenwert des ungebundenen Sporttreibens. Bereits im Kinder- und Jugendalter dominieren mit Skifahren, Schwimmen, Velofahren, Wandern und Joggen die Sportarten des «helvetischen Mehrkampfs».

Bei Mädchen besonders beliebt sind Sportarten wie Tanzen und Turnen, bei Knaben und jungen Männern dominiert der Fussball.

Bei Knaben und jungen Männern ist Fussball besonders beliebt.

Bei Knaben und jungen Männern ist Fussball besonders beliebt.

Benjamin Manser

Neben der Herkunft wirken sich auch das soziale Milieu und der Wohnort auf das Sportverhalten aus. Je höher Bildung und Einkommen der Eltern sind, desto stärker sind Kinder in Vereinen eingebunden und desto mehr Sport treiben sie. Zudem ist der Stadt-Land-Graben weiter gewachsen. Heisst: Kinder, die in ländlichen Gegenden aufwachsen, treiben deutlich mehr Sport als jene in der Stadt.

In den Jugendjahren verstärken sich diese Unterschiede noch. Fast die Hälfte der 15- bis 19-Jährigen ohne Schweizer Pass macht keinen oder nur gelegentlich Sport. Hier wirkt sich auch das Wegfallen des Schulsports nach der obligatorischen Schulzeit negativ aus.

Die Befragung fand 2019 im Jahr vor Ausbruch der Coronapandemie statt.

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