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Marc Hirschi ist im Hoch vor dem WM-Strassenrennen, der Capitain de Route Stefan Küng soll ihm zur Medaille verhelfen

Mit Marc Hirschi und Stefan Küng gewann die Schweiz bei den letzten Strassen-Weltmeisterschaften jeweils Bronze. Auch in Flandern dürften Hirschi und Küng um die Medaillen fahren können

Simon Häring
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Mit Stefan Küng 2019 und Marc Hirschi 2020 sicherte sich die Schweiz zuletzt zwei Mal Bronze bei WM-Strassenrennen.

Mit Stefan Küng 2019 und Marc Hirschi 2020 sicherte sich die Schweiz zuletzt zwei Mal Bronze bei WM-Strassenrennen.

Keystone / CH Media

Wout van Aert ist der Tausendsassa im Radsport: Drei Mal war er schon Weltmeister im Radquer, in diesem Sommer gewann er bei der Tour de France ein Zeitfahren, eine Hochgebirgsetappe und die Schlussetappe auf der Avenue des Champs-Élysées im Sprint. Auch bei den Olympischen und bei den Weltmeisterschaften mischte der Belgier vorne mit, gewann aber in Tokio im Strassenrennen und in Flandern im Zeitfahren «nur» Silber. Nun ist van Aert Favorit, die Strecke ist ihm wie auf den Leib geschneidert: Auf den langen 268,3 Kilometern sind 2500 Höhenmeter zu bewältigen.

Nach dem Start in Antwerpen geht es nach Leuven, wo anderthalb Runden auf einer Zielschlaufe absolviert werden, dann geht es Richtung Süden und eine Runde über den Flandern-Circuit, der es mit zahlreichen Kurven und vielen kürzeren, aber zum Teil steilen Rampen in sich hat. Es folgen vier Runden in Leuven, ehe auf dem äusserst selektiven Flandern-Circuit die Entscheidung fallen dürfte, bevor in Leuven der Weltmeister gekürt wird.

Die Strecke des WM-Strassernrennens (l.) sowie die Stadtschlaufe in Leuven (mitte) und der selektive Flandern-Circuit.

Die Strecke des WM-Strassernrennens (l.) sowie die Stadtschlaufe in Leuven (mitte) und der selektive Flandern-Circuit.

Dort eine Rolle spielen will auch das sechsköpfige Schweizer Team um Stefan Bissegger, Fabian Lienhard, Silvan Dillier, Michael Schär, Stefan Küng und Marc Hirschi, der im Vorjahr in Imola WM-Bronze gewann und auch diesmal der grösste Schweizer Trumpf sein dürfte. Nach einer von Wechselgeräuschen, Verletzungen und einer Formbaisse geprägten Saison hat der Berner den Tritt wieder gefunden, bei der Luxemburg-Rundfahrt feierte er seinen ersten Sieg seit Flèche Wallonne im September 2020.

2020 holte Marc Hirschi im WM-Strassenrennen Bronze.

2020 holte Marc Hirschi im WM-Strassenrennen Bronze.

Andrew Medichini / AP

Eine Erlösung, wie Hirschi zugibt: «Es gibt schon dem Ende der Saison zu und ich war noch ohne Sieg, deshalb war der Druck schon da. Dass es nun endlich geklappt hat, war für mich persönlich ein Befreiungsschlag, der mit Aufschwung und Zuversicht für das Strassenrennen gibt», sagt der 23-Jährige, der 2018 Junioren-Weltmeister geworden war und bei der Elite bereits bei der zweiten Teilnahme eine Medaille gewinnen konnte.

Rennen über eine so lange Distanz wie am Sonntag gibt es nur wenige, der immer noch sehr junge Hirschi bringt entsprechend wenig Erfahrung mit, sagt aber, er habe bisher gute Erfahrungen gemacht. «Wichtig ist, dass du bereits drei Tage davor sehr viele Kohlenhydrate zu dir nimmst, dich auch im Rennen klug ernährst und dich in der Startphase des Rennens schonen kannst.» Selber sieht sich Hirschi im Schweizer Team nicht in der klaren Leaderrolle, diese dürfte er sich mit Stefan Küng teilen, der als Capitain de Route der verlängerte Arm von Teamchef Michael Albasini fungiert.

Wout van Aert ist Favorit auf den WM-Titel im Strassenrennen.

Wout van Aert ist Favorit auf den WM-Titel im Strassenrennen.

Guillaume Horcajuelo / EPA

Stefan Küng wie an der WM 2019?

Stefan Küng, dessen Familie ihn an der Strecke anfeuern wird, steht vor einer ähnlichen Ausgangslage wie bei den Weltmeisterschaften 2019 in Yorkshire, als er im Zeitfahren Rang 10 belegt hatte, im Strassenrennen danach aber Bronze gewann. Der Thurgauer rechnet mit einem harten Rennen, in dem er Hirschi mehr zutraut als sich selbst. Zudem gibt Küng zu, dass er nach einem langen und intensiven Sommer, in dem er wenig Zeit Zuhause verbracht hat, auf der letzten Rille fährt. Zudem dürfte es am Sonntag ungewöhnlich warm werden, was Küng wenig entspricht.

In Gedanken ist Stefan Küng schon eine Woche weiter: Für Paris-Roubaix rechnet er sich Siegchancen aus. Dort soll es deutlich kühler werden.

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