Ambri
Sport als Nebensache: Wie Ambri durch Missmanagement ruiniert wird

Dem HC Ambri-Piotta droht der Abstieg in die NLB. Die Ausrede, ein solch kleiner Verein, könne im Profisport nicht überleben, greifen zu kurz. Die Probleme in der Leventina sind hausgemacht.

Klaus Zaugg
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Bald Lichterlöschen angesagt? Der HC Ambri-Piotta ist in Not.

Bald Lichterlöschen angesagt? Der HC Ambri-Piotta ist in Not.

Keystone

Ambri steht mit einem Bein in der NLB. Nach dem 1:6 gegen Gottéron ist die Liga-Qualifikation kaum mehr abzuwenden. Und dort warten möglicherweise die Lakers. Ein Angstgegner. Wie konnte es bloss so weit kommen? Gerne reden sich die Verantwortlichen mit den Veränderungen der Zeit aus der Verantwortung. Und sehen sich als Opfer von Entwicklungen, die sie nicht zu beeinflussen vermögen.

Nur noch Geldsammel-Vehikel

Aber die Ausrede, Ambri könne im Profisport des 21. Jahrhunderts nicht mehr überleben, ist billig. Die Voraussetzungen sind nicht schlechter als beispielsweise in Langnau. Das obere Emmental gilt als «Leventina der Deutschschweiz». Und trotzdem haben es die SCL Tigers geschafft, ihren Hockey-Tempel rundum zu erneuern und ein Hockeyunternehmen aufzubauen, das schwarze Zahlen schreibt und den Liga-Erhalt vorzeitig gesichert hat.

Nein, Ambri ist nicht das Opfer der Zeiten und Umstände. Die Krise ist hausgemacht, und Ambri hat durch Führungsfehler seine Identität, seine Seele verloren. Unter Präsident Filippo Lombardi ist das Sportunternehmen zu einer PR-Maschine, zu einer Bühne für seine Selbstdarstellung und zu einem Geldsammel-Vehikel verkommen.

Der Sport ist nur noch Nebensache und kann sich selbst überlassen werden. Wir können die Erklärung, warum Ambri in diese Lage geraten ist, auf drei Punkte reduzieren.

Erstens

Die Entlassung von Trainer Hans Kossmann. Sie ist der Anfang vom sportlichen Ende. Er hatte erkannt, dass der Mangel an Talent nur durch Disziplin in allen Bereichen zu kompensieren ist.

Ist Gordie Dwyer der richtige Trainer für Ambri?

Ist Gordie Dwyer der richtige Trainer für Ambri?

Keystone

Und Disziplin lässt sich nun mal nicht mit gnädigem Training und ein bisschen «Voodoo» durchsetzen. Die Spieler wollten den gestrengen Zuchtmeister nicht mehr, und nun steht der freundliche, antiautoritäre Spielerversteher Gordie Dwyer an der Bande. Der sportliche Zerfall hat unter seinem Kommando besorgniserregende Dimensionen angenommen.

Zweitens

Keine Leistungskultur. Inti Pestoni, der König der Leventina, wechselte im letzten Sommer zu den ZSC Lions. Bereits nach ein paar Spielen wird er in Zürich aus der Mannschaft genommen und zum Konditionstraining abkommandiert. Ambris bester Spieler ist in einer so miserablen Verfassung, dass er erst einmal die konditionellen Hausaufgaben nachholen muss.

Inti Pestoni war zu wenig fit für den ZSC.

Inti Pestoni war zu wenig fit für den ZSC.

Keystone

Spektakulär wird bestätigt, was kluge Mahner wie der legendäre Roland von Mentlen (in den 1980er-Jahren Trainer im Ambri) seit langer Zeit monieren: der Trainingsbetrieb ist nicht mehr zeitgemäss, es gibt keine Leistungskultur.

Gerade ein Team mit so wenig Talent müsste zumindest konditionell zu den besten der Liga gehören. Aber die Führung lässt es zu, dass zu viele im Sommertraining zu sich selber zu gnädig sind.

Drittens

Das Versagen des Sportchefs. Ambri hatte einst das beste internationale Beziehungsnetz aller Schweizer Hockeyunternehmen und oft die besten Ausländer der Liga. Heute ist Ambri nicht mehr am Stromkreis des Hockeys angeschlossen, die während Jahrzehnten sorgsam gepflegte Kultur des Bewahrens des Hockeywissens ist unter Filippo Lombardi verloren gegangen.

Ivano Zanatta konnte das internationale Beziehungsnetz nicht bewahren.

Ivano Zanatta konnte das internationale Beziehungsnetz nicht bewahren.

Keystone

Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten leistet sich das Unternehmen mit Ivano Zanatta den schwächsten Sportchef seiner Geschichte. So ist es nur logisch, dass Ambris Ausländer inzwischen die schwächsten der Liga sind.

Langnau des Südens

Richtig geführt und gemanagt hätte Ambri in der NLA keine existenziellen Sorgen. Richtig geführt und gemanagt kann Ambri das Langnau des Südens sein. Richtig geführt und gemanagt könnte Ambri selbst nach einem Abstieg geläutert in die NLA zurückkehren.

Ist Ambri unter Präsident Filippo Lombardi richtig geführt und gemanagt? Nein. Er riskiert, als Ruinierer Ambris in die helvetische Hockeygeschichte einzugehen.