Super League
Spielen in der Schweiz nur noch Lottergoalies?

Kaum hat die Super-League-Saison begonnen, schon stehen die Torhüter in der Kritik. Was ist bloss mit unseren Goalies los?

Dean Fuss
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GC-Torhüter Vaso Vasic musste in den ersten beiden Runden insgesamt wohl am meisten Kritik einstecken.

GC-Torhüter Vaso Vasic musste in den ersten beiden Runden insgesamt wohl am meisten Kritik einstecken.

KEYSTONE

Es ist der Albtraum eines jeden Torhüters: GC-Torhüter Vaso Vasic lässt in der Partie vom vergangenen Wochenende einen Weitschuss von Shkelzen Gashi völlig unnötig abprallen, sein ehemaliger Teamkollege Michael Lang kommt so zum Nachschuss und lässt Vasic keine Chance. Es ist der entscheidende Treffer, der Fehler von Vasic kostet die Grasshoppers das Unentschieden. Basel gewinnt im Zürcher Letzigrund mit 3:2.

Auch Mvogo sieht schlecht aus

Noch schlimmer hat es Yvon Mvogo, Torhüter der Young Boys, zum Saisonstart erwischt. Zweimal spielte der selbst ernannte Meisterkandidat aus Bern nur 1:1 Unentschieden. Zweimal sieht der 21-jährige Schlussmann bei den Gegentoren gar nicht gut aus.

Zum Saisonauftakt gegen den FC Zürich lässt er in der Schlussphase einen Weitschuss von Philippe Koch passieren, am vergangenen Wochenende wird er von Luzerns Offensivmann Dario Lezcano aus spitzestem Winkel mit dem Kopf bezwungen. Mvogo kostet YB mit zwei Fehlern zweimal den Sieg, das vermögen auch seine durchaus gezeigten starken Paraden in den beiden Spielen nicht aufzuwiegen.

Insgesamt 35 Tore fielen in den ersten beiden Super-League-Runden zum Saisonstart. Damit mussten die Torhüter in den ersten zehn Partien der Saison so häufig hinter sich greifen wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Bei neun dieser 35 Tore muss den betroffenen Goalies zumindest eine Teilschuld angelastet werden.

Neben Vasic und Mvogo haben sich auch Thuns Guillaume Faivre, Vaduz’ Peter Jehle und Luganos Francesco Russo bei Gegentreffern eine schlechte Note abgeholt. In den Qualifikationspartien im Europacup patzten zudem einmal mehr Mvogo (beim 1:3 gegen Monaco) und auch Faivre (beim 2:1 gegen Hapoel Beer-Sheva).

Noch fehlen die Automatismen

Was also ist bloss mit den Torhütern in der Super League los? «Es ist schwierig, alles auf einen Nenner zu bringen. Ein Gegentor kommt immer durch mehrere Faktoren zustande», sagt der ehemalige GC- und Luzern-Torhüter Patrick Foletti. Seit 2011 ist der 41-Jährige als Torhütertrainer der Schweizer A-Nationalmannschaft tätig.

«Die Saison ist noch jung, es hat viele Wechsel gegeben. Entsprechend sind die Teams noch nicht so eingespielt.» Gerade im Zusammenspiel zwischen der Verteidigung und dem Schlussmann spielen die Automatismen eine wichtige Rolle. Kommt hinzu, dass die Vorbereitung im Sommer in der Schweiz nur wenige Wochen dauert. «Nach der Sommerpause kann einem Goalie etwas das Feeling fehlen, wo und wie er im Tor steht», sagt Foletti.

Obwohl eine starke Konkurrenz immer wieder als belebendes und qualitätssteigerndes Element verkündet wird, kann sie gerade zwischen den Pfosten für Probleme sorgen.

Vor allem, wenn Unklarheit über die Rollenverteilung besteht und die Nummer 1 den Atem der Nummer 2 richtiggehend im Nacken fühlt. So wie es derzeit bei den Grasshoppers der Fall sein dürfte: Mit Joël Mall, der in der Sommerpause vom FC Aarau zu den Zürchern stiess, sitzt eine ambitionierte Nummer 2 auf der Ersatzbank, der Druck auf Vasic steigt mit jedem Fehlgriff.

Auf ein konkretes Beispiel will Foletti nicht eingehen. Er sagt aber generell: «Für einen Torhüter ist es meiner Erfahrung nach nie gut, wenn nicht ganz klar geregelt ist, wer die Nummer 1 ist.»

Kein Qualitätsproblem in der Schweiz

Obwohl die besten Schweizer Torhüter wie Yann Sommer, Diego Benaglio und Co. im Ausland engagiert sind, sieht Foletti keine Qualitätsprobleme bei den Schweizer Torhütern in der heimischen Liga: «Es ist eine Tatsache, dass wir einige junge Schweizer Torhüter haben. Da müssen die Klubs auch mit dem einen oder anderen Fehler mehr leben.»

Er wehrt sich auch dagegen, die jungen Schweizer mit den erfahrenen ausländischen Torhütern in der Schweiz, wie beispielsweise Sions Andris Vanins, zu vergleichen. «Wir haben bei den jungen Schweizern sehr viel Qualität, umso wichtiger ist es, dass sie Erfahrungen sammeln und sich entwickeln können.»

Foletti wünscht sich von den Vereinsverantwortlichen die nötige Geduld, gerade den jungen Torhütern nach Patzern das Vertrauen nicht zu entziehen.

Foletti spricht sich klar dagegen aus, so früh in der Saison schon einen Torhüter zu ersetzen: «Vielleicht fallen schon am nächsten Wochenende weniger Tore, deshalb sollte man nun die ersten beiden Runden nicht überbewerten.» Trotzdem warten mit dem jungen Joël Mall (GC) oder den routinierten Marco Wölfli (YB) und Marcel Herzog (St. Gallen) ambitionierte Torhüter auf der Ersatzbank nur darauf, ihre Chance zu erhalten. Und mit jedem neuen Patzer wird ein solches Szenario wahrscheinlicher.

Die Flops der Saison

Neben GC-Goalie Vaso Vasic und YB-Goalie Yvon Mvogo gehörte auch Thuns Guillaume Faivre zu den Flops. Der 28-Jährige kassierte mit sieben Gegentoren in zwei Partien schlicht zu viele Tore. Zudem leistete er sich im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation bei der zwischenzeitlichen Führung von Hapoel Beer-Sheva bei einem Distanzschuss einen kapitalen Aussetzer. Luganos Francesco Russo zeigte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Thun wenig stilsicher. Bei zwei Gegentoren agierte er zu zögerlich, eines kassierte er sehr zentral. Vaduz’ Peter Jehle liess sich beim Ausgleich zum 2:2 gegen den FC Zürich in der 2. Runde von Franck Etoundi aus sehr spitzem Winkel düpieren.

Die Tops der Saison

Trotz der vielen gefallenen Tore müssen sich sechs Super-League-Torhüter nach den ersten beiden Runden nicht vorwerfen lassen, einen Gegentreffer verschuldet zu haben. Sowohl die Torhüter aus dem Ausland wie Tomas Vaclik (Basel) und Andris Vanins (Sion),als auch die Schweizer Goalies wie David Zibung (Luzern), Daniel Lopar (St. Gallen) und Yanick Brecher (Zürich) konnten sich bezüglich Flops schadlos halten. Mit Ausnahme des 22-jährigen Brechers haben sie vor allem eines gemeinsam:
viel Erfahrung.

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