Kolumne

Spielchen mit dem Spielplan: SCB-Verschwörung oder Ambri-Mafia?

Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Der Spielplan dient immer mal wieder als gute Ausrede für Misserfolg. Aktuell im Fall von Ambri. Dabei dürfte auch der SCB zu Wehklagen ansetzen.

Im Sport (und eigentlich auch im richtigen Leben) ist es wichtig, gute Ausreden zu haben. Deshalb gibt es den Witz, ein umsichtiger Sportchef oder Trainer schliesse sein Abendgebet stets mit dem Satz ab: «Herr, so nimm mir denn alles, aber nicht meine Ausreden». Einen Dummen zu finden, der die Ausreden in den Medien verbreitet und polemisiert, ist nicht schwierig zu finden. Idealerweise lassen sich Ausreden gleich noch zu einer kernigen Verschwörungstheorie veredeln. Wie im Falle von Ambri. Was ist das für ein Wehgeschrei: Ambri musste nach dem Spengler Cup am 2. Januar in Lausanne antreten, zwei Tage später daheim gegen die ZSC Lions und am nächsten Tag in Genf. Was für eine ungeheuerliche Belastung! Was für gewaltige Reisedistanzen! Fünf Stunden im bequemen Reisebus! Unerhört! Kein Wunder, hat es drei Niederlagen nacheinander abgesetzt.

Ganz klar feststellbar: Eine SCB-Verschwörung

Diese himmelschreiende Benachteiligung kann doch kein Zufall sein. Schliesslich ist Liga-Spielplanchef Willi Vögtlin ein ehemaliger SC-Bern-Manager, wohnt im Bernbiet, betreibt im Kanton Bern eine Weinhandlung und hat sicherlich unter der Kundschaft zahlreiche SCB-Anhänger. Und siehe da: Der SCB, der auch schwer um die Playoffs ringt, durfte nach dem Spengler Cup zweimal zu Hause spielen (gegen Biel und Lugano) und musste bloss nach Rapperswil-Jona reisen. Ganz klar eine SCB-Verschwörung.

Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Ein wenig anders. Die Spielpläne werden von den Klubs vor der Saison durch Unterschrift genehmigt. Alle haben schriftlich ihr Einverständnis mit dem aktuellen Spielplan gegeben. Ja, Willi Vögtlin reist zu jedem einzelnen Klub, um den Spielplan durchzugehen und zu erläutern. Mitte Mai reiste er über den Gotthard und sass mit Ambris Geschäftsführer Nicola Mona zusammen. Ob die beiden da was ausgeheckt haben? Dem Spielplan entnehmen wir nämlich, dass Ambri von den letzten drei Partien der Qualifikation zwei daheim spielen darf. Der SCB aber muss drei der letzten vier Spiele auswärts austragen und erst noch nach Davos (!) Lugano (!) und Lausanne reisen. Eine atemberaubende Benachteiligung! Skandal! SCB-Manager Marc Lüthi sollte schon mal eine gehörige Spielplanausreden-Polemik gegen die Ambri-Mafia vorbereiten!

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