Regionalfussball

Warum und wie wir Matchberichte von Fussballspielen veröffentlichen, die wir nicht gesehen haben

Seit Mitte August finden Sie auf den CH-Media-Onlineseiten kurze Spielberichte zu den meisten Fussballspielen der regionalen 2. und 3. Liga. Diese erstellen wir automatisiert. Ein paar Worte zum Wie und Warum.

Jedes Wochenende treffen auf den Schweizer Fussballplätzen Hunderte Teams aufeinander. Viele unserer Leserinnen und Leser interessieren sich dafür, ob der Dorfclub seine Siegesserie fortgesetzt, ob der Neffe wieder ein Tor erzielt oder wie viele Tore der Bürokollege und Goalie kassiert hat. Das lesen wir an unseren Leserzahlen ab.

CH Media bietet einen neuen Service an, um diesem Interesse entgegenzukommen: Ein sogenannter Textroboter verfasst kurze Matchberichte zu möglichst vielen Spielen im Regionalfussball. Diese Texte ersetzen nicht die Arbeit unserer Journalistinnen und Journalisten, sondern ergänzen sie. Weiterhin beobachten wir das Geschehen im Regionalfussball, auf und neben den Plätzen.

Automatisierte Texterstellung ist in anderen Ländern weit verbreitet, beispielsweise in Skandinavien, Deutschland oder den USA. Dazu werden ausgeklügelte Algorithmen programmiert, die selbstständig aus Daten zu Torschützen, Verwarnungen, Tabellensituation oder Saisonverlauf Texte schreiben.

Unsere Journalistinnen und Journalisten besuchen auch weiterhin Fussballspiele der unteren Ligen: Szene aus dem Aargauer 2.-Liga-Match zwischen Wettingen und Lenzburg (28. August 2020).

Unsere Journalistinnen und Journalisten besuchen auch weiterhin Fussballspiele der unteren Ligen: Szene aus dem Aargauer 2.-Liga-Match zwischen Wettingen und Lenzburg (28. August 2020).

Roboter setzt Textvorlagen zusammen

Wenn beispielsweise ein Team aus dem hinteren Tabellenbereich den Leader schlägt, dann erkennt der Algorithmus das und titelt vielleicht: «Überraschungssieg für Team A gegen Team B». Die Vorlagen für diese und andere Textpassagen schreibt nach wie vor ein Journalist, der Roboter setzt sie nur zusammen.

Solche Informationen in Textform ergänzen das Matchtelegramm, was den Leserinnen und Lesern zusätzliche Informationen liefern soll und für manche auch angenehmer zum Lesen ist. Und wir erweitern so unsere Berichterstattung, denn wir können nicht einen Journalisten an jedes Fussballspiel schicken. Das wäre zu teuer.

Dieser Ansatz hat natürlich auch Grenzen: Stimmen von Trainern und Spielern einholen und über Ereignisse wie verpasste Chancen, taktische Finessen oder umstrittene Szenen schreiben, das kann der Textroboter nicht. Deshalb werden unsere Journalistinnen und Journalisten auch weiterhin Fussballspiele der unteren Ligen besuchen.

Jede Woche rund 120 Texte

Wir arbeiten für unser Projekt mit den regionalen Fussballverbänden zusammen, da wir ein gemeinsames Ziel verfolgen: den Sport in den Regionen einem grösseren Publikum zugänglich zu machen. Mit den Daten der Verbänden schreibt unser Roboter jede Woche 100 bis 120 neue Spielberichte.

Gelingt dieser Test, überlegen wir uns, mithilfe unseres Textroboters auch über weitere Ligen, den Frauenfussball sowie andere Sportarten als Fussball zu berichten. Auch für Themen ausserhalb des Sports haben wir Ideen.

Ob Sie einen Robotertext lesen, erkennen Sie übrigens an einem Hinweis am Textende. Finden Sie einen Fehler oder haben eine Bemerkung, dann melden Sie sich bei uns: community@chmedia.ch

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