Gesichter

Ins Gesicht geschrieben: Sehen Sie die schönsten Fratzen von Sotschi

Olympia zeigt Menschen, wie sie sind. Das ist nicht immer vorteilhaft – aber lustig. Eine Collage der besten Gesichtsausdrücke von Sotschi.

Könnte man Gefühle wiegen, Sotschi wäre übergewichtig. Sotschi machte viele zu Gewinnern und noch mehr zu Verlierern. Sotschi hat jeden einmal berührt. Irgendwie. Auch wenn es nicht alle zugeben würden.

Olympia ist simpel. Verlieren oder gewinnen, Medaille oder keine Medaille. Die Freude des Gewinners multipliziert sich millionenfach weltweit. Am schönsten ist es, wenn es einer von uns war. Ein Schweizer. Wir alle wissen nun, wie der Snowboarder Iouri zum Nachnamen heisst. Es ist neben «Nastrovje» das einzige Wort, das wir auf Russisch beherrschen.

Nicht simpel sind die Gesichter von Sotschi. Nicht traurig oder glücklich, lachen oder nicht lachen. Nein, da gibt es unendlich viele Nuancen. Und genau das ist das Schönste für uns Zuschauer: Da verlieren reihenweise Menschen die Kontrolle über sich selber. Menschen, die sonst jedes Gramm Essen auf ihrer Gabel im Griff haben. Das gibt grossartige Bilder.

Sotschi war das Gegenstück zum Selfie. Zu diesen Fotos, die wir von uns selber machen. Fotos mit Schmollmund, geknipst im richtigen Winkel. Fotos, von denen wir zehn machen, aber nur eines veröffentlichen – das beste. Nicht so in Sotschi. Die Menschen sehen auf den Fotos aus, wie sie aussehen. Das ist nicht immer vorteilhaft. Dafür echt. Danke dafür.

Echt ist auch, was Sieger nach dem Sieg sagen. Egal ob Ski oder Bob. «Eh, eh ... ich kanns eigentlich ... eh gar nicht glauben.» (Dario Cologna nach der zweiten Goldmedaille) Da herrscht Unordnung in diesen Köpfen.

Anders ist das mit den Medaillen. Da ist alles geordnet. Gold ist ein Edelmetall. Im Periodensystem der Elemente hat es seinen festen Platz. Die Bezeichnung für Gold lautet AU und hat die Nummer 79. Silber ist gleich oben am Gold im System. Bronze ist zwar nicht mehr ganz so rein. Aber mindestens 60 Prozent Kupfer müssen drin sein. Im Periodensystem hat Kupfer seinen Platz auf der obersten Zeile. Da herrscht Ordnung. Da weiss man, was man hat. Bei diesen Gesichtern weiss man das nicht immer: Ist das Glück oder Trauer? Helfen würde allerdings auch kein Periodensystem der Gefühle. Da lässt sich kaum etwas zuordnen. Oder welches Element wäre Lara Gut, die auf den dritten Rang fuhr und dann weinte, weil sie nicht Erste wurde, und später trotzdem glücklich war?

Gesichter dieser Art werden wir jetzt nicht mehr so einfach serviert bekommen. Gesichter von Menschen, die sich für einen Moment selber vergessen. Am ehesten zu finden sind sie noch bei Musikern. Oder bei Kindern. Besonders schön anzuschauen sind ihre Gesichter dann, wenn sie konzentriert schreiben und die Bewegung des Stifts mit der Zunge nachmachen. Oder bei Frauen, die Wimperntusche auftragen. Oder bei Männern, die sich rasieren.

Am Sonntag sind die Olympischen Spiele einmal mehr Geschichte. Wir werden dann wieder übers Wetter sprechen, wenn wir nicht wissen, worüber sprechen, morgens im Bus – wenn alle gleich müde aussehen.

Eine Weile werden sie uns in Erinnerung bleiben, die echten Gesichter von Sotschi. Diese Athleten, denen ihr Gesicht entglitten ist.

Nicht vergessen sollten wir Wladimir Putins Gesicht. Er hat zwei.

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