Es gebe Hinweise darauf, dass Attentäter Sprengstoff in Zahnpasta-Tuben in die Flugzeuge schmuggeln und in der Luft zu Bomben zusammensetzen könnten, hiess es am Donnerstag aus US-Sicherheitskreisen.

Ob der Warnung konkrete Hinweise der Geheimdienste zugrunde lagen, blieb zunächst offen. Die russische Regierung erklärte umgehend, für die Sicherheit der Spiele, die am Freitag in Sotschi beginnen, sei gesorgt. Die Winterspiele gelten als Prestige-Projekt von Präsident Wladimir Putin.

Überwachungsdrohnen und Kriegsschiffe

Einen Schatten auf die mit einem Finanzvolumen von geschätzten 50 Milliarden Dollar teuersten Spiele aller Zeiten werfen jedoch Anschlags-Drohungen muslimischer Extremisten aus dem Nordkaukasus. Sie kämpfen für einen eigenen Staat und haben angekündigt, Olympia zu stören.

Damit es nicht dazu kommt, sind 37'000 Sondereinsatzkräfte im Einsatz. Über den Sportstätten schweben Überwachungsdrohnen und Kriegsschiffe kreuzen im Schwarzen Meer. Nach zwei Selbstmordanschlägen mit mindestens 34 Toten im südrussischen Wolgograd im Dezember wurden die Sicherheitsvorkehrungen landesweit abermals erhöht.

Per E-Mail gingen auch Drohungen an die Olympischen Komitees verschiedener Länder. Auch wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) Entwarnung gab, zeigten die Reaktionen, wie gross die Verunsicherung ist. Viele Länder haben beschlossen, ihre eigenen Sicherheitskräfte nach Russland zu schicken, um die Athleten zu schützen.

UNO und EU verurteilen Diskriminierung von Homosexuellen

Russland steht auch wegen des Umgangs mit Menschenrechten und besonders mit Homosexuellen in der Kritik. Putin hatte im vorigen Jahr ein Gesetz in Kraft gesetzt, das die sogenannte homosexuelle Propaganda vor Minderjährigen verbietet.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte am Donnerstag auf einer Sitzung des IOC in Sotschi die Diskriminierung von Homosexuellen. Alle müssten ihre Stimme erheben gegen Angriffe auf Lesben und Schwule, forderte Ban, jedoch ohne direkt auf das neue Gesetz zu verweisen. Das EU-Parlament forderte Moskau am Donnerstag in einem Beschluss auf, das umstrittene Gesetz aufzuheben.

Im britischen "Guardian" verurteilten mehr als 200 Autoren in einem offenen Brief die russischen Homosexuellen- und Blasphemiegesetze Unterzeichnet wurde der Appell unter anderem von den Nobelpreisträgern Günter Grass, Elfriede Jelinek und Orhan Pamuk.

Demonstrationen gegen Demokratiedefizite in Russland während der Olympischen Spiele gelten als wahrscheinlich. Sie dürfen nur in speziell dafür ausgewiesenen Zonen stattfinden. Ein scharfes Vorgehen gegen Proteste dürfte Putins Ansehen schaden.