Mit Eveline Bhend und Camillia Berra schafften es zwei Schweizer Ski-Freestylerinnen in den Slopestyle-Final. Akzente setzten dort aber andere wie die souveräne Olympiasiegerin Dara Howell aus Kanada. Dafür zeigte Berra das Manöver des Tages.

Die ersten olympischen Flugstunden der weltbesten Freeski-Professionals lösten beim Publikum auch ohne Animations-DJ einen Sturm der Begeisterung aus.

Mit ihren "Spins" (Drehungen) und "Flips" (Salti), teils in komplizierten Variationen vorgeführt, demonstrierten die Riderinnen praktisch in jedem Run ihre bewundernswerte Risikobereitschaft.

Der erste Lauf von Howell war qualitativ dermassen hochstehend, dass die Punktzahl in der Folge von niemandem mehr überboten wurde. Die 19-jährige WM-Zweite des Vorjahres konnte sich einen "Showrun" erlauben.

Eine entzückte die Freestyle-Anhänger aber besonders: Camillia Berra. Die 19-Jährige punktete mit einem "Double Front Flip" in jeder Beziehung.

Der Trick ist im Tableau der Frauen eine absolute Rarität. "Ich kenne keine andere Fahrerin, die ihn je in einem Contest gezeigt hat", meldete die Romande nach ihrem Coup des Tages. Sie habe nach dem Training kurzerhand entschieden, den erst im Sommer auf einem einzelnen Kicker einstudierten Vorwärtssalto zweimal zu drehen.

Der Coach habe zwar gestaunt, aber natürlich grünes Licht gegeben, meinte Berra. Sie zählt im Zirkus zu jenen, welche die Grenzen immer mal wieder ausloten.

"Manchmal muss man sie mit Blick auf ihre Gesundheit fast ein bisschen bremsen", sagt der Freestyle-Chef Christoph Perreten über eines der grössten Talente der Swiss-Ski-Equipe.

Berra selber denkt, "dass ich 2018 bereit bin für eine Medaille". In Rosa Chutor sorgte die frühere Alpin-Spezialistin und passionierte Basketballerin für einen ersten Vorgeschmack.

Dass Stürze "Teil des Spiels "(Zitat Berra) sind, erlebte die Unterwalliserin im Final. Bevor sie dazu kam, den zweifachen Salto nochmals zu zeigen, fiel sie schon aus der Entscheidung.

Zwei misslungene Landungen im oberen Teil mit den Geländer-Elementen sorgten für das Out. Entsprechend enttäuscht zeigte sich Berra darüber. Sie weiss aber, dass ihre Zeit noch kommen wird.

Bhends Genugtuung

"Dass wir jetzt auch mal von einer grösseren Öffentlichkeit wahrgenommen werden, ist der Lohn für die jahrelange Arbeit, die hinter solchen Tricks steht", freute sich Eveline Bhend.

Die frühere Gymnastiksportlerin erfüllte mit ihrem Vorstoss unter die Top 12 die Vorgaben ihres Coachs Misra Noto nahezu problemlos. Mit ihrer Qualität, sich ziemlich schnell den Temperatur- und Kursänderungen anpassen zu können, ist sie wie geschaffen für den Slopestyle-Sport.

Bhend, 32-jährig und damit die älteste Finalistin, hielt dem Druck bei der Olympia-Premiere dank ihrer technischen Finessen und Nervenstärke und trotz gesundheitlichen Handicaps (Rippenquetschung, blaues linkes Auge) stand - anders etwa als die kanadische Top-Favoritin Kaya Turski.

Die Nordamerikanerin, innerhalb der letzten vier Jahre mit drei Topklassierungen an den X-Games die unumstrittene Nummer 1 der Szene, stürzte zweimal und scheiterte völlig überraschend bereits im Vorprogramm.

Das Out der kanadischen Hoffnungsträgerin verdeutlicht, dass eine Finalqualifikation inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Neben Turski scheiterte auch die hochbegabte Deutsche Lisa Zimmermann vorzeitig. Entsprechend überschwänglich fiel der Jubel in der Schweizer Box aus - einer hüpfte speziell hoch: Nils Lauper, Bhends Ehemann und Halfpipe-Starter mit stylischem "Movember-Schnauz".