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Sonderzüge, Floskeln und Formkurve - das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen vor dem Cupfinal

Das Cupfinal-Fieber im Tessin und in St. Gallen steigt. Wir beantworten sieben Fragen zum Spiel.

Ralf Streule, Dominic Wirth
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Das letzte Aufeinandertreffen der Cupfinal-Teams, hier mit Lukas Görtler und Jonathan Sabbatini, gewann St. Gallen 3:0.

Das letzte Aufeinandertreffen der Cupfinal-Teams, hier mit Lukas Görtler und Jonathan Sabbatini, gewann St. Gallen 3:0.

1. Spricht die Cup-Historie für Lugano oder St. Gallen?

Der St. Galler Goalie Lawrence Ati Zigi nach der Niederlage im letztjährigen Cupfinal gegen Luzern.

Der St. Galler Goalie Lawrence Ati Zigi nach der Niederlage im letztjährigen Cupfinal gegen Luzern.

Keystone

Als grosse Cupmannschaft ist weder St. Gallen noch Lugano bekannt. Die Tessiner standen achtmal im Final, gewannen dreimal (1931, 1968, 1993). Die St. Galler siegten in fünf Anläufen einmal (1969 gegen Bellinzona).

Das Sehnen nach dem Cuptitel dauert in der Ostschweiz also schon länger an als im Tessin. Vor allem die verspielte 2:0-Führung 1998 gegen Lausanne schmerzt Grün-Weiss bis heute. Beide Finalisten haben ihre letzten Cupfinals verloren. Lugano 2016 gegen Zürich, St. Gallen 2021 gegen Luzern.

2. Wie gut sind die beiden Kontrahenten in Fahrt?

Der FC St. Gallen zuletzt nicht so richtig, es gab Niederlagen in Bern (1:4) und gegen Zürich (1:2). Das hat die Rückrundenbilanz zwar getrübt, und doch ist St. Gallen immer noch das zweitbeste Team. Lugano liegt in dieser Wertung auf Platz sechs. Zuletzt holten die Tessiner fünf Punkte aus drei Spielen, besiegten unter anderem YB mit 3:1.

Für beide Teams gilt, dass der nahende Cupfinal schon eine Rolle gespielt haben dürfte. Der Cup hat auch den letzten Vergleich der beiden beeinflusst: Damals gewann St.Gallen mit 3:0, mit einem dominanten Auftritt, aber eben auch einem Gegner, der die Mühen des hart erkämpften Halbfinalsiegs gegen Luzern noch in den Knochen hatte. Bereits im Februar hatten die St.Galler das Direktduell gewonnen. Zuvor waren sie aber sieben Spiele sieglos geblieben.

3. Was sagen die Trainer vor dem grossen Spiel?

Lugano-Trainer Mattia Croci-Torti nach dem Halbfinalsieg gegen Luzern.

Lugano-Trainer Mattia Croci-Torti nach dem Halbfinalsieg gegen Luzern.

Keystone

Was man halt so sagt. Mattia Croci-Torti, der Trainer der Luganesi, dass es eine Top-Leistung seines Teams brauche. Dass man bereit sein werde. Und dass es darum gehe, in jeder Situation positiv zu sein. Peter Zeidler sprach von grosser Freude, die gerade die Tage präge. Zudem will er seinem Team vermittelt haben, dass es am Sonntag «nur etwas zu gewinnen» gebe, man schon ein Sieger sei, weil man es in den Cupfinal geschafft hat.

4. Wird das Stadion am Sonntag ausverkauft sein?

Ja, sagt der Schweizerische Fussballverband. Die Gesamtkapazität beträgt 28500 Plätze. Beide Vereine erhielten 12500 Tickets. 3500 weitere hat der SFV an Mitarbeiter, Sponsoren und Gäste abgegeben. Was auf der Gegen- und Haupttribüne übrig blieb, ging in den freien Verkauf.

Insgesamt setzte Lugano bis gestern 9400 seiner Tickets selbst ab, St.Gallen das gesamte Kontingent. In Sachen Zug-Angebot halten die Tessiner fast mit: Vier Sonderzüge bringen Lugano-Fans nach Bern, aus der Ostschweiz sind fünf Extrazüge geplant.

5. Welche Goalies spielen nun eigentlich?

Darf nur im Cup ran - und das auch im Final: Lukas Watkowiak, St. Galler Ersatzgoalie.

Darf nur im Cup ran - und das auch im Final: Lukas Watkowiak, St. Galler Ersatzgoalie.

Keystone

Diese Frage stand bei beiden Teams im Raum, in der Ostschweiz flammte sie zumindest kurz wieder auf. Von Beginn weg setzte Zeidler im Cup auf die Nummer zwei Lukas Watkowiak. Daran hält er fest, auch wenn einige lieber Lawrence Ati Zigi sähen, der sich in Topform befindet.

Eine Goaliefrage stellte sich unverhofft auch in Lugano. Amir Saipi, der gegen Luzern zwei Penaltys hielt und so am Finaleinzug grossen Anteil hat, erlaubte sich im Spiel gegen YB eine Tätlichkeit – und wäre damit gesperrt. Da Lugano aber rekurrierte und der Fall hängig ist, ist er wohl spielberechtigt.

6. Auf welche Schlüsselspieler bauen die Teams?

Der Mittelfeldmotor von Lugano: Sandi Lovric.

Der Mittelfeldmotor von Lugano: Sandi Lovric.

Keystone

St. Gallen lebt vom Tempo von Verteidiger Leonidas Stergiou, das es für den riskanten Pressingfussball braucht. Von Jordi Quintillà, der das Spiel lenkt, und von Lukas Görtler, als Kämpfer und Ideengeber gleichermassen. Bei Lugano verteilt Sandi Lovric im Mittelfeld die Bälle. Hat Mattia Bottani die Ideen. Hinten stehen die Routiniers Reto Ziegler und Mijat Maric, 36 und 38 Jahre alt, wobei der Einsatz von letzterem fraglich ist.

7. Mit welcher Taktik gehen die Teams in den Cupfinal?

Taktisch prallen Welten aufeinander. Die Luganesi stehen für pragmatischen, eher defensiv ausgerichteten Fussball. Sie darauf zu reduzieren, wäre aber falsch. Die Tessiner sind sehr flexibel, was das Spielsystem und dessen Interpretation angeht. Mit Lavanchy, Bottani oder Lovric verfügen sie zudem über schnelle Spieler für Konter.

Dieses Grundstabile trifft nun also auf Zeidlers Red-Bull-Pressing-Maschine – die manchmal ins Stocken kommt, wenn sich der Gegner stark zurückzieht. Interessant wird das dennoch – sofern die Ostschweizer nicht wie vor einem Jahr gegen Luzern vergessen, welchen Fussball sie eigentlich spielen wollen.

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