Hornussen
Zuchwil auf der Zielgeraden gestürzt

Recherswil-Kriegstetten gewinnt etwas überraschend das Nationalliga-A-Derby. Für die Zuchwiler bedeutet die Niederlage: Adieu Meistertitel und jede Menge Frust über ein Malheur.

Michael Lüthi
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Der Recherswiler Roger Witschi holt aus und hämmert den Nouss in den Himmel. Die Zuchwiler schreien und dann plötzlich – Panik. Der schwarze Kobold fällt ins Ries. Nur knapp zehn Zentimeter, und er wäre ausserhalb des Spielfelds gelandet. Nicht einmal mehr zehn Streiche hätten die Zuchwiler abtun müssen. Und so kassieren sie als letzte Mannschaft der Liga, im zweitletzten Spiel der Saison die erste Nummer überhaupt. Aus der Traum vom ersten Meistertitel seit 1996. «Er ist bei unseren besten Abtuern runtergefallen. Wir haben den Nouss einfach nicht gesehen. Leider kann das passieren», sagt der Zuchwiler Spielführer Jürg Eggimann.

Recherswil-Kriegstetten bleibt im Ries sauber und schlägt am Ende sogar 18 Punkte mehr. So müssen die Zuchwiler mit null Punkten im Gepäck nach Hause fahren. «Die Enttäuschung ist so gross. Wir wären wieder einmal ganz nahe am Meistertitel drangewesen», sagt Eggimann. Das Ganze ist für den Dominator der 1990er-Jahre doppelt bitter: Denn in den letzten Jahren haben die Solothurner meist schon zu Saisonbeginn im Ries gepatzt und den Meistertitel schon früh verspielt. Und nun werden sie in Recherswil auf der Zielgeraden gebremst. Nach einer bislang so überzeugenden Arbeit beim Abtun. «Es ist wie wenn der führende Läufer durch das Zielband rennen will und wenige Meter davor stürzt», sucht Eggimann einen Vergleich.

Der frühere Glanz verblasst

Das Resultat des verlorenen Derbys: Zuchwil fällt vom dritten auf den sechsten Rang zurück. «Jetzt liegt nicht einmal mehr ein Podestplatz drin. Das schlägt schon auf die Moral. Aber wir müssen es akzeptieren. So ist halt Hornussen», sagt der Zuchwiler Spielführer. Das Nummero bricht den Gästen das Genick – sie kommen danach nicht mehr auf ihre gewohnte Schlagleistung. Der Nuller ist nicht mehr abzuwenden und der frühere Glanz verblasst wieder ein bisschen mehr.

Jubel und Freudengesänge auf der anderen Seite. Recherswil-Kriegstetten macht dank dem grossen Derbysieg einen Sprung vom fünften auf den vierten Rang. Nun kommt es in der letzten Runde auswärts beim punktgleichen Bern-Beundenfeld zum Direktduell um den dritten Schlussrang. Die beiden Teams dürfen sogar noch ein ganz kleines bisschen vom Meistertitel träumen. Aber, dass Richigen und Wäseli gleich beide patzen, würde doch an ein Wunder grenzen. «Für uns ist das ein schöner Erfolg. Wir hätten nicht gedacht, dass wir gleich alle Punkte holen würden», sagt Samuel Krebs, Spielführer von Recherswil-Kriegstetten, mit einem Lächeln. Verkehrte Hornusserwelt in Recherswil.

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