SC Langenthal

Weshalb ein Derby-Sieg gegen den EHC Olten eine Vertragsverlängerung lancieren könnte

Eero Elo bezwingt im Cup-Duell EHC-Olten-Goalie Simon Rytz.

Eero Elo bezwingt im Cup-Duell EHC-Olten-Goalie Simon Rytz.

Mit den billigsten Ausländern der Klubgeschichte fordert der SC Langenthal den EHC Olten in der laufenden Saison etwas überraschend auf Augenhöhe heraus. Eine wichtige Rolle spielt dabei Billiglösung Eero Elo. Der Finne spielt für ein Butterbrot für den SCL - und könnte noch länger bleiben.

Eigentlich sollte der SC Langenthal diese Saison für die Oltner kein Rivale auf Augenhöhe sein. Die Langenthaler leisten sich in diesen schwierigen Zeiten nur noch eine «billige» Mannschaft. Aber «billig» in der Buchhaltung heisst nicht automatisch «billig» auf dem Eis. Inzwischen zeigt sich: noch nie seit dem Wiederaufstieg von 2002 war das Preis/Leistungsverhältnis so gut wie im Spätherbst 2020. Präsident Gian Kämpf sagt, zum ersten Mal seit dem Titelgewinn von 2012 sei es gelungen, diese Saison das Budget unter die 3-Millionen-Grenze zu drücken.

Mit einem «Billig-Finnen» und einem «Gratis-Amerikaner» und nur noch einem Spieler, der mehr als
100 000 Franken brutto verdient (Kult-Captain Stefan Tschannen) ist Olten im Cup und in der Meisterschaft besiegt und auch noch Zug aus dem Cup gekippt worden. Und dieser eine Ausländer – Eero Elo – kostet den Klub nichts. Er wird von einer Männerrunde mit abgeschlossener Vermögensbildung finanziert und kostet im Monat 5000 Franken. Nicht mehr als der Eismeister.

Wie lange dauert das Wunder an?

Die bange Frage ist natürlich: Dauert dieses kleine Sportwunder im Oberaargau an? Wird es weiterhin möglich sein, Olten erfolgreich herauszufordern? Einiges hängt davon ab, ob es gelingt Eero Elo (30) zu halten. Der freundliche Titan ist mit seinem Talent, seiner NHL- Postur (193 cm/92 kg)und seiner Erfahrung ja eigentlich eine Nummer zu gross für die Swiss League. Aber weil ihm der «Biss» für die Rückkehr in die höchste Liga zu fehlen scheint, stürmt er nach wie vor für Langenthal. Sportchef Kevin Schläpfer ist überaus zufrieden mit ihm. «Er hat sich sehr gut in die Mannschaft integriert, er ist ein angenehmer Typ und er macht seine Punkte.» Nach acht Spielen waren es mit vier Toren und vier Assists exakt acht Punkte. Ein guter Schnitt.

Nach den ersten Partien in der zweithöchsten Liga ist Eero Elo vom Niveau überrascht. Oder besser: fast ein wenig verwirrt. Er sei sich an gut organisiertes Hockey gewohnt und müsse sich erst zurechtfinden. Aber das Leben im beschaulichen Langenthal gefüllt ihm und seiner Familie gut. Er spielt für so wenig Lohn in der Swiss League, weil das die einzige Möglichkeit ist, wieder in der Schweiz zu leben.

Rückkehr nach Langnau unwahrscheinlich

Einerseits wäre Kevin Schläpfer glücklich, wenn der Finne noch produktiver wäre, aber andererseits weiss er auch, dass zu gute Statistiken die Begehrlichkeiten in der National League wecken könnten. Der umtriebige Baselbieter bestätigt: «Wenn er ein Angebot aus der höchsten Liga bekommt, darf er sofort gehen.» Bis jetzt hat sich noch niemand für Langenthals finnische «Geheimwaffe» interessiert. Eero Elos Traum ist die Rückkehr nach oben, am liebsten nach Langnau. Aber dort hat Sportchef Marc Eichmann kein Musikgehör. Und so beginnt Kevin Schläpfer, die Finanzierung einer Vertragsverlängerung bis Ende Saison zu organisieren. «Er darf den SC Langenthal nichts kosten und sein Vertrag läuft Ende November aus. Wir müssen neue Gönner finden.»

Eine Verlängerung dürfte nicht viel mehr kosten als die bisherigen 5000 Franken im Monat und es dürfte dem charismatischen Sportchef auch in Zeiten der Krise nicht allzu schwer fallen, dieses Geld aufzutreiben. So gesehen ist das Derby wichtiger denn je: Siege gegen Olten bringen nicht nur Punkte. Sie wärmen die Hockey-Herzen und öffnen die Portemonnaies für eine «Elo-Spende».

Für seinen zweiten Ausländer braucht Kevin Schläpfer keine Spendengelder. Jack Walker (24) ist der billigste ausländische Spieler der Klubgeschichte: sein Vertrag bis Ende Dezember sichert ihm nur Kost und Logis und ein Taschengeld zu. Der Amerikaner ist froh, dass er überhaupt eine Spielgelegenheit auf ansprechendem Niveau erhalten hat.

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