Swiss League

Wenn die ganze Familie anpackt: Wie der EHC Olten in zwei Tagen 2000 Sitzplätze im Kleinholz einbaute

2897 Sitzplätze: Das Kleinholz ist gerüstet für die Coronasaison ohne Stehplätze

2897 Sitzplätze: Das Kleinholz ist gerüstet für die Coronasaison ohne Stehplätze

CEO, Donatoren, Sponsoren, Rentner, Fans und auch die Mannschaft: Der EHC Olten rief das Umrüsten des Kleinholz-Stadions auf 2897 Sitz­plätze zum Gemeinschaftsprojekt aus – und erlebte viel Solidarität. Die Umsetzung der Coronaregeln kostet den Klub zwischen 120000 und 140000 Franken.

Das Kleinholz hat sich herausgeputzt. Wer auf der Haupttribüne das Stadion betritt und in das weite Rund blickt, realisiert kaum, dass es sich hierbei um das Kleinholz handelt. Mit dem modernisierten Touch muss sich das Kleinholz derzeit vor keinem National-League-Stadion verstecken.

Rund 2000 Sitze wurden zusätzlich zu den 890 Sitzplätzen auf der Haupttribüne temporär verbaut, damit man gerüstet ist für die am 2. Oktober startende Corona-Saison, in welcher nur Sitzplatzfans zugelassen sein werden.

Schutzkonzept EHC Olten

Die EHCO-Spieler helfen mit beim Einbau von 2000 Sitzplätzen

Dass das Stadion innert weniger als 48 Stunden diesen Wandel erleben konnte, dafür brauchte es zahlreiche Helfer.

Den Anfang machten nebst einer Handvoll Arbeiter der zuständigen Gerüstebaufirma Nüssli am Montagmorgen Donatoren, Sponsorenvertreter und auch dem EHCO nahestehende Rentner. Es wurde gehämmert und geschraubt, während die erste Mannschaft ihr Morgentraining absolvierte.

Das Team von Trainer Fredrik Söderström wiederum zog die Arbeiterhandschuhe am Nachmittag an. Geplant war nach dem Mittagessen einen Einsatz von 90 Minuten, es wurde schliesslich die doppelte Zeit daraus. Das Team hatte sich aufgeteilt in Gruppen. Die einen schraubten Sitze fest, während andere diese durch das gesamte Stadion an den korrekten Platz transportierten.

«Es war mal etwas anderes. Ich glaube, es hat allen Spass gemacht», sagt der derzeit angeschlagene Verteidiger Nico Gurtner. Und Verteidiger Dan Weisskopf gefiel den Zusammenhalt: «Solche Sachen gehen nur gemeinsam. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Es war ein langer Tag, aber es hat sich gelohnt. Es sieht jetzt schön aus, die Vorfreude auf die Saison steigt.»

Schliesslich hatten auch noch Fans und Funktionäre mitgeholfen, die Umrüstung auf Sitzplätze erfolgreich zu gestalten. Mittendrin während des Aufbaus stand vor allem auch einer: Geschäftsführer Patrick Reber. So genoss er es einerseits, den Büroalltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen und sich handwerklich zu beteiligen, andererseits wollte er umgehend eingreifen können, sollte etwas von der Planung in der Praxis nicht umsetzbar sein. «Es ist ein wichtiges Projekt für uns. Ich wollte sicherstellen, dass der Saalplan auch so aufgeht, wie wir es angedacht haben.»

Am Dienstag dreht dann CEO Reber noch auf dem Putzwagen seine Runden und zeigt sich zufrieden: «Die eine oder andere Korrektur wird in den nächsten Tagen noch vollzogen. Dann sind wir bereit für den Saisonstart.»

Er ist überwältigt: «Wir durften auf viel Unterstützung zählen. Solche Projekte zeigen immer auf, wie sehr ein Klub lebt. Wir spüren ungemein viel Solidarität, die in unserem Klub herrscht. Das ist schön.» Die ganze EHCO-Familie hat angepackt.

Wird die Sitzplatzkapazität sogar längerfristig erhöht?

Auf diese Unterstützung war der Klub in schwierigen finanziellen Zeiten angewiesen. Denn der finanzielle Aufwand für die temporären Sitzplätze ist beträchtlich hoch: 120000 bis 140000 Franken muss der EHC Olten für die temporären Sitzplätze hinblättern. Immerhin: Mit 40000 Franken wird sich die Stadt Olten daran beteiligen.

«Wir sind natürlich sehr glücklich darüber. Dennoch war der Zusatzaufwand bei uns nicht budgetiert und nicht geplant. Aber wir sind froh, dass wir es nun so umsetzen können und die Meisterschaft mit Zuschauern beginnen kann», sagt Reber.

Bleibt nur noch die eine grosse Frage, die vielen Fans auf dem Herzen liegt und kontrovers diskutiert wird: Strebt der EHC Olten sogar längerfristig – über die Coronasaison hinaus – eine Erhöhung der Sitzplatzkapazität an?

«Um dies beantworten zu können, müssen wir erst mal Erfahrungen sammeln. Vielleicht ist es dann aber in der Tat eine mögliche Lösung, die Sitzplatzkapazität für die Saison 21/22 zu erhöhen», sagt Reber.

Klar ist auch: Sollten Stehplatzfans wieder zugelassen werden, so will der Klub auch Stehplätze wieder anbieten. Doch daran ist nicht zu denken. Reber: «Wir gehen davon aus, dass wir diese Konstruktion die gesamte Saison brauchen.»

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