Daniel Bühlmann, wie geht es dem spanischen Diagonalangreifer Daniel Rocamora?

Daniel Bühlmann: Er muss sich diese Woche am Meniskus operieren lassen und fällt für den Rest der Saison aus. Damit er den Draht zum Team nicht verliert, unterstützt Rocamora die Trainer während der Spiele auch auf der Bank. Zudem ist er Coach unseres Frauen-NLB-Teams. Dieses Engagement sorgt sicher auch dafür, dass er nicht zu weit abdriftet.

Wann war klar, dass Handlungsbedarf besteht wegen des Ausfalls?

Die Verletzung ereignete sich Anfang Februar im Training. Es folgte die in solchen Fällen übliche Prozedur mit einer ersten Diagnose und einer Zweitmeinung, bis feststand, dass ein Eingriff unumgänglich ist. Dann aktivierten wir unser Netzwerk und sondierten den Markt. Schliesslich hatten wir drei mögliche Kandidaten. Meine erste Frage lautet jeweils: Wieso hat der Spieler keinen laufenden Vertrag? Bei Milos Culafic leuchtete die Antwort ein: Um bei seiner schwangeren Frau zu sein, löste er seinen Vertrag mit einem italienischen Klub Anfang Saison auf.

Der Montenegriner hat gleich eingeschlagen. Bei seinem Debüt am Samstag gewann Schönenwerd gegen den NLA-Spitzenreiter Amriswil mit 3:0.

Wir kannten nur seine Statistiken und hatten Videomaterial zur Verfügung. Deshalb wollten wir ihn zuerst mit der Mannschaft trainieren sehen, bevor wir ihn verpflichten. Natürlich kann man in den wenigen Trainings die Leistungen nicht hundertprozentig beurteilen. Es geht eher darum, ob der Spieler fit ist. Und ob er ins Team passt. Culafic ist topfit und verstand sich auf Anhieb sehr gut mit der Mannschaft. Sein erster Auftritt gegen Amriswil war überzeugend. Mal schauen, ob es auch weiterhin so gut funktioniert.

Bleiben wir beim Thema Ausländer: Bei den Verpflichtungen von Passeur Scott Fifer sowie des Aussenangreifers Marcin Ernastowicz hat «Schöni» ein glückliches Händchen bewiesen.

Sie machten ihre Sache in der Quali sehr gut. Obwohl beide noch sehr jung sind. Für Ernastowicz ist Schönenwerd sogar die erste Karrierestation im Ausland. Das ist sicher auch eine spezielle Situation, die er aber problemlos meistert. Er ist ein unbekümmerter Typ, der sich schnell integrieren konnte, was nicht selbstverständlich ist. Auch Passeur Scott Fifer passt perfekt ins Team. Er ist von der Einstellung her ein Amerikaner durch und durch. Seine Winner-Mentalität tut uns gut.

Über weite Strecken der Qualifikation waren Ernastowicz und Luca Ulrich, der neu von Luzern kam und bereits der Topskorer der Schönenwerder ist, auf der Aussenposition gesetzt. Wegen der kurzzeitigen Verletzung von Ernastowicz sprang Leandro Gerber in die Bresche und trumpfte zuletzt ganz gross auf. Hat der Trainer ein Luxus-Problem auf der Aussenposition?

Es ist eine super Situation für den Trainer. Die Spieler müssen in jedem Training für ihren Platz im Team kämpfen und pushen sich gegenseitig. Leandro Gerber hat seine Chance gepackt und sensationell aufgespielt. Im Moment ist er in meinen Augen gesetzt. Weil man ihn auch in der Annahme nicht mehr aus der Ruhe bringt, was früher noch seine grosse Schwäche war. Grundsätzlich ist es wichtig, dass wir drei gleichwertige Kandidaten und Varianten auf der Aussenposition haben.

Auch der neue Captain Samuel Ehrat – der Mittelblocker kam von Näfels – konnte in der Quali überzeugen.

Absolut. Er hat bis jetzt hervorragend gespielt. Als Typ passt er einfach in die Story von Volley Schönenwerd rein. Es war sicher der richtige Entscheid, ihn gleich zum Captain zu ernennen. Nicht zu vergessen gilt es aber auch Spieler wie Libero Julian Fischer, der ebenfalls ein wichtiges Puzzlestück ist. Für einen Libero ist es oft schwierig, aus dem Kollektiv herauszustechen. Seine Leistungen waren durchgehend gut. Auch die Mittelblocker Chris Frame und Mischa von Burg machen im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen guten Job. Heute ist es schwierig als Mitte-Spieler, wenn du nicht zwei Meter gross bist.

Schönenwerd liegt hinter Amriswil auf dem zweiten Platz. Daran sollten auch die beiden letzten Spiele gegen Jona und Luzern nichts mehr ändern. Wie fällt das Fazit aus?

Das Ziel war der dritte Platz, also sind wir zufrieden. Wir haben uns eine gute Ausgangslage erarbeitet und auch die Formkurve stimmt. Doch auch der zweite Platz bedeutet noch nicht viel, ausser dass wir in einem allfälligen Halbfinal Heimvorteil hätten. So weit sind wir aber noch lange nicht. Die Karten werden in den Playoffs neu gemischt, mit den Punkten aus der Quali kannst du dir nichts mehr kaufen.

Gegen die Klubs auf den Plätzen vier bis acht konnte «Schöni» alle Duelle gewinnen. Gegen Amriswil und das drittplatzierte Lausanne ist die Bilanz aus drei Spielen negativ. Wer von den Top 3 ist aktuell am besten in Form?

Den Sieg vom Samstag in Amriswil klammere ich mal aus. Daher stehen die Thurgauer in meinen Augen immer noch ganz oben, auch wenn sie zuletzt geschwächelt haben. Dahinter folgen Lausanne und wir. Grundsätzlich sind die Top-3-Teams im Verlauf der Saison näher zusammengerückt.

Wer wäre der Wunschgegner für die Viertelfinals?

Es sieht danach aus, dass wir auf Uni Bern treffen. Die Berner sind keine schlechte Mannschaft, man kann sie aber sehr gut einschätzen. Man weiss, was einem erwartet. Chênois oder auch Näfels wären da schon unberechenbarer.

Auf dem Papier sieht es so aus, als wären die Chancen auf den Titelgewinn noch nie so gut gewesen für Schönenwerd wie diese Saison.

Daran sollten wir jetzt nicht denken, sonst bekommen wir womöglich zittrige Knie. Von aussen sieht es vielleicht so aus, aber das bringt uns nichts. Wenn wir es schaffen, eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen, kann es weit gehen diese Saison. Aber wenn wir während der Viertelfinals schon an das mögliche Halbfinale gegen Lausanne oder noch weiter vorausschauen, können wir es vergessen. Jetzt sind die erfahrenen Spieler gefordert, den Fokus richtig zu setzen. Zuerst gilt es, die letzten zwei Qualispiele zu gewinnen. Das ist der erste Meilenstein, dann konzentrieren wir uns auf die Viertelfinals.