Mountainbike
Mit Reto Burki kehrt ein alter Haudegen auf die nationale Bühne zurück

Reto Burki wagt sich mit seinem Langendörfer Team an die Ausrichtung der Schweizer Meisterschaften im Moutainbike. Nach 16-jähriger Durststrecke kehrt der 55-Jährige so auf die nationale Bühne zurück.

Michael Forster
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Hat sowohl als Geschäftsführer des Tropical Solothurn als auch als SM-OK-Präsident den Durchblick: Reto Burki. mf

Hat sowohl als Geschäftsführer des Tropical Solothurn als auch als SM-OK-Präsident den Durchblick: Reto Burki. mf

Michael Forster

Das waren noch Zeiten in den Neunzigerjahren, als das nationale Rennen in Selzach mehr als 1300 Fahrerinnen und Fahrer anlockte. Eine Teilnehmerzahl, welche, abgesehen von den immer noch sehr gut besetzten Bike-Marathons, in der Schweiz im neuen Jahrtausend nie mehr erreicht wurde. Damals schon dabei, und auch heute in der regionalen und nationalen Bike-Szene noch immer fest verankert, ist Reto Burki (55). Der zweifache Familienvater aus Derendingen trug während zehn Jahren als OK-Präsident zum Gelingen in Selzach bei und erinnert sich noch gut an den stimmungsvollen Anlass im oberen Dorfteil. «In einem so grossen Rahmen zu ‹geschäften›, und dies erst noch als ‹Hobby-Funktionär›, das war schon krass. Das konnte und wollte ich mit der Zeit nicht mehr.» Mit dem Rückzug Burkis und dem gleichzeitigen Ende des Rennens in Bellach verschwand auch die Region Solothurn für ein paar Jahre von der Bikekarte.

Übernahme in letzter Minute

Es war dann 2008, als Reto Burki in Langendorf ein nächstes Rennprojekt in Angriff nahm. Mit seinem Team Tropical Solothurn schon seit ein paar Jahren in der ganzen Schweiz unterwegs, liess er sich, vom Veranstalter des Argovia Cups mehrfach angefragt, zu einem Comeback als Veranstalter hinreissen. «Wir hatten zuerst vor, das Rennen in Bellach fortzusetzen, fanden dann aber in Langendorf optimale Voraussetzungen.» Einerseits bildet die Infrastruktur einen perfekten Rahmen für ein gemütliches Bikefest in einem überschaubaren Rahmen, andererseits ist der Aufwand mit einem Argovia-Cup-Rennen überschaubar. So reichten dem OK vor den bisherigen Austragungen ein paar Sitzungen, um den Renntag aufzugleisen und alles Nötige zu organisieren.

In diesem Jahr ist dies ein wenig anders. 16 Jahre nach dem Abschied aus Selzach betritt Reto Burki mit seinem neunköpfigen OK wieder die nationale Bühne als Organisator. Vom 17. bis 19. Juli werden in Langendorf die Meistertitel vergeben und zwar in den beiden Disziplinen Sprint und Cross Country. «Eigentlich hatten wir keine Ambitionen, wieder etwas Grösseres durchzuführen», schmunzelt Burki, «aber jetzt ist es halt doch passiert.» Als Mitglied der Fachkommission Mountainbike bei Swiss Cycling sagte er im November spontan zu, als noch immer kein Ausrichter für die SM 2015 feststand. «Die Meisterschaften hätten abgesagt werden müssen», bot der erfahrene Veranstalter Hand – und dann sei alles Schlag auf Schlag gegangen. «Manchmal hintersinne ich mich schon», verzieht er das Gesicht, «alleine schon die ganze Arbeit mit der Sponsorensuche. Wir spüren zwar überall Goodwill mit vielen kleineren Beträgen, fast alle sind bereit etwas beizusteuern. Gleichzeitig fehlen uns die grossen Brocken, welche uns die Arbeit doch ziemlich erleichtern würden.»

Mit der Übernahme der SM verfolgt Burki mit seinem Team ein klares Ziel: «Wir wollen den Fahrern einen guten Anlass bieten. Sie sollen sagen können, dass sie in Langendorf ein gutes Wochenende verbracht haben.» Nebenbei will man versuchen, den Zuschauern möglichst viel zu bieten und dem MTB-Sport einen Schub zu geben. «Trotz der grossen Erfolge der Schweizer Fahrer braucht es genau das. Noch immer können in der Schweiz keine zehn Fahrer von ihrem Sport leben. Die anderen halten sich mit grossem Aufwand über Wasser. Wenn man denkt, was diese Fahrer alles investieren, um es an die Spitze zu schaffen, so ist dies in keinem Verhältnis zu anderen Sportarten.»

Gute Stimmung auf engem Raum

Burki spricht aus eigener Erfahrung, hat er doch im Hinblick auf diese Saison das Bike Team Solothurn gegründet. «Wenn ich sehe, wie schwierig es ist, selbst mit den ersten drei der U17-EM ein Team zu finanzieren – das kann es doch nicht sein.» Der OK-Präsident hofft deshalb, dass sich besonders die Teams präsentieren können. «Wir stellen uns eine Art Boxengasse vor. Es ist zwar ein bisschen eng auf dem Platz, gleichzeitig ist das aber sicher gut für die Ambiance.» Die Streckenführung wurde im Start-/Zielbereich leicht angepasst, zudem sind auch im hinteren Teil noch Änderungen geplant, damit die SM 2015 zusätzlich attraktiv und in jeder Beziehung meisterhaft wird.

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