Laufsport
Martina Strähl in Zürich, aber nicht zum Shoppen

«Laufwunder Martina Strähl», «Martina Strähl sorgt für Überraschung», «Martina Strähl schafft die EM-Limite». In der Schweizer Mediendatenbank erschien der Name Martina Strähl in diesem Jahr häufiger als jener einer anderen Martina Hingis.

Daniel Weissenbrunner
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Cooles Jahr: Martina Strähl im Ziel des Murtenlaufs mit «Cooly», dem Maskottchen der EM in Zürich. key

Cooles Jahr: Martina Strähl im Ziel des Murtenlaufs mit «Cooly», dem Maskottchen der EM in Zürich. key

KEYSTONE

Während die ehemalige Weltnummer 1 im Tennis durch private Ausrutscher von sich reden machte, holte Martina Strähl ihrerseits zum grossen sportlichen Schlag aus. Sie gewann als erste Schweizerin nach Franziska Rochat-Moser vor 15 Jahren den Murtenlauf.

Sie lief bei ihrem Jungfrau-Marathon-Debüt auf den dritten Rang und sie deklassierte beim Sieg am Luzern-Marathon die Konkurrenz, was ihr die Limite für die Europameisterschaften im kommenden Juni in Zürich eintrug.

«Eines meiner erfolgreichsten Jahre»

Martina Strähl lacht. «Ja, es war eines meiner erfolgreichsten Jahre. Ich bin überglücklich, dass es so herausgekommen ist.» Die 26-jährige Oekingerin weiss sehr wohl, dass Erfolg und Misserfolg, Glück und Pech sehr nahe beieinanderliegen können.

Zu Jahresbeginn stoppte ein Ermüdungsbruch ihren Bewegungsdrang. Es war nicht die erste Verletzung dieser Art. Sie weiss, dass ihr Bewegungsapparat anfällig ist. Daraus hat sie ein Körpergefühl entwickelt, welches ihr die richtigen Signale aussendet.

In diesem Fall hiess das: Drei Monate Pause. Genauer: Laufpause. Wo andere Athleten in ein Loch fallen, horchte die Psychologiestudentin auf ihre innere Stimme, schöpfte Kraft und begann mit alternativen Übungen, zum Beispiel auf einem gelenkschonenden Velo.

Kaum eine Leichtathletin trainiert so unorthodox, stelle die «Neue Zürcher Zeitung» einst fest. Tatsächlich: Martina Strähl besitzt keinen Trainingsplan, sie hat keine festen Trainer, sondern mit dem ehemaligen Waffenläufer Fritz Hänni einen sportlichen Berater.

«Ich vertraue meinem Körper. Er sendet mir die Zeichen, wann es genug ist.» Was auch im Reich der Esoterik problemlos Platz hätte, ist bei Martina Strähl viel profaner. Es ist die Freude an der Bewegung, die Freude an der Natur, an den Bergen, die Freude am Leben generell.

«Ich bin ein glücklicher Mensch, der beim Sport abschalten kann», sagt sie mit Überzeugung. Für ihren Zustand hat sie – ungewollt – eine eigene Wortkreation geschaffen, «Wohlfühligkeit».

In Zürich, aber nicht zum Shoppen

Bei aller Wohlfühligkeit: Auf Martina Strähl wartet im nächsten halben Jahr harte Arbeit. In den kommenden Monaten will sie die Basis für ihren Karrierehöhepunkt legen. An den Europameisterschaften im eigenen Land möchte sie ein Ausrufezeichen setzen.

«Einen solchen Anlass erlebt man einmal in seinem Sportlerleben.» Deshalb lässt sie nichts unversucht, um am 15. Juni körperlich und im Kopf bereit zu sein. Mental erhält sie Unterstützung von einer Bekannten, die sie bei Bedarf unterstützt.

Vor einigen Wochen war sie in Zürich. Nicht in der Bahnhofstrasse zum Shoppen, was sie, wie sie zugibt, leidenschaftlich gerne macht. Martina Strähl rekognoszierte die Marathon-Strecke. Was sie sah, gefiel ihr. Das Profil ist auf die ausgewiesene Bergläuferin zugeschnitten. «Es ist eine schwierige Strecke mit einem ständigen Auf und Ab.»

Topografisch eher monoton ist Martina Strähls heutige Strecke am Basler Stadtlauf. Umso abwechslungsreicher ist die Konkurrenz. Sie trifft auf starke afrikanische Läuferinnen sowie auf Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig.

Die Vorjahresdritte lässt sich deswegen nicht unter Druck setzen. Weshalb auch? Mit ihrer unorthodoxen Methode ist Martina Strähl 2013 bestens gefahren respektive gelaufen.

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