Fussball
Marco Wölfli: «Ich spüre bei YB eine Aufbruchstimmung»

Goalie Marco Wölfli startet mit grossen Zielen in die neue Saison – auch, weil er sich mit dem Status als zweiter Torhüter nie abgefunden hat. Deshalb hat er ein klares Ziel: Er will in Bern wieder die Nummer eins zwischen den Pfosten werden.

Hans Peter Schläfli
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Marco Wölfli will sich bei YB den Stammplatz im Tor zurück holen.

Marco Wölfli will sich bei YB den Stammplatz im Tor zurück holen.

Hans Peter Schläfli

Die Nummer 2 der Nummer 2 will die Nummer 1 der Nummer 1 sein: Marco Wölfli (32) möchte mit YB endlich das Image des ewigen Zweiten ablegen und Schweizer Meister werden. Obwohl dem früheren YB-Captain in der vergangenen Saison Yvon Mvogo vor der Sonne stand, hat der 32-jährige Grenchner soeben einen neuen Vierjahresvertrag unterschrieben. «Ich will mit vollem Einsatz dem Trainer die Entscheidung, welchen Torhüter er aufstellen will, so schwer wie möglich machen», umschreibt Wölfli seine Einstellung beim Trainingsstart.

«Würde ich mit einem falschen Stolz reagieren, dann wäre es kompliziert», beschreibt Wölfli seine Gefühle, wenn er auf der Ersatzbank Platz nehmen muss. «Goalie ist eben eine besondere Position, auf der man nicht für 15 Minuten eingewechselt wird. Es war sicher speziell. Nachdem ich 15 Jahre fast jeden Match gespielt hatte, bin ich plötzlich nur noch selten zum Einsatz gekommen.» Abgefunden habe er sich damit nicht. «Für mich ist es ganz klar das Ziel, mir meinen Platz in der Startformation zurückzuholen. Dafür gebe ich alles.»

In vier Wochen beginnt bereits die Meisterschaft. Beim Goalietraining mit Paolo Collaviti fehlte ausgerechnet Yvon Mvogo. Wegen des Aufgebots für die Nationalmannschaft gegen Litauen habe dieser etwas länger freibekommen, hiess es. «Das ist nicht ideal für die Vorbereitung», sagte Collaviti.

«Zeit für einen Titel»

Sorgen braucht ihm das nicht zu bereiten, denn schliesslich hat er mit Wölfli eine Nummer 2, die als Torhüter in fast jedem anderen Schweizer Team gesetzt wäre. «Das stimmt nicht ganz», meint dazu Collaviti mit einem Schmunzeln, «Wölfli behält weiterhin die Nummer 1, Mvogo trägt die Nummer 18.» Ob diese Bemerkung des Goalietrainers etwas zu bedeuten hat?

Mehr als sein halbes Leben spielt Marco Wölfli, der vor kurzem zum zweiten Mal Vater wurde, nun schon für die Young Boys. Damals, als er 1998 seinen ersten Profivertrag unterschrieb, gehörte YB noch zu den finanziell angeschlagenen Sorgenkindern im Schweizer Fussball.

«Einerseits entspricht das meinem Charakter, andererseits waren es sportlich immer gute Phasen, wenn es darum ging, den Vertrag zu verlängern», erklärt Wölfli seine Treue. «Auch jetzt stimmt es bei YB, ich spüre eine Aufbruchstimmung. Es geht in die richtige Richtung vorwärts, das sieht man auch am hochkarätigen Transfer von Sulejmani. Jetzt ist es Zeit für einen Titel. Sechsmal war Basel hintereinander Meister, das ist genug.»

Viele neue Gesichter

Auch die Champions League ist für Wölfli ein grosser Traum, der mit der Qualifikation Ende Juli beginnen soll. Die guten Resultate in der Europa League letzte Saison stimmen Wölfli optimistisch: «Es wird schwierig, weil wir nicht gesetzt sind. Aber wir haben eine gute Mannschaft und können es schaffen.»

Miralem Sulejmani (Benfica Lissabon), Dario Marzino (eigener Nachwuchs), Moreno Costanzo (zurück von Aarau), Haris Tabakovic (zurück von Wil), Gregory Wüthrich (zurück von Grasshoppers), Miguel Castroman (eigener Nachwuchs) und Alexander Gonzalez (zurück von Thun): Bei den Young Boys gab es zum Trainingsstart gleich sieben neue Gesichter.

Über Rückkehrer Gonzalez meint YB-Trainer Uli Forte: «Ein technisch sensationeller und torgefährlicher Spieler.» Gleich begeistert spricht er über den neu verpflichteten Sulejmani: «Ich bin sehr glücklich, dass es gelungen ist, diesen tollen Fussballer zu YB zu lotsen.» Nur bei Moreno Costanzo klingt er nicht sonderlich begeistert. «So ange er bei uns ist, muss er zeigen, dass er will. Sobald sich eine andere Tür auftut, muss man weitersehen.»