Volleyball
Lucian Jachowicz vom TV Schönenwerd wurde in der Schweiz spiessiger

Seit Anfang Saison ist Lucian Jachowicz, der drei Jahre in der ersten deutschen Bundesliga spielte, beim TV Schönenwerd Passeur. Der 26-Jährige arbeitet neben den sechs Trainings pro Woche in Trimbach als Sekundarlehrer.

Raphael Wermelinger
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Lucian Jachowicz ist seit Anfang dieser Saison Passeur beim TV Schönenwerd.

Lucian Jachowicz ist seit Anfang dieser Saison Passeur beim TV Schönenwerd.

Bruno Kissling

Lucian Jachowicz lanciert beim TV Schönenwerd seine Karriere noch einmal neu. «Entweder höre ich auf oder ich spiele noch einmal auf höchstem Niveau», habe er sich vorgenommen, nachdem er zuletzt drei Jahre beim ASV Dachau in der 2. Bundesliga gespielt hatte. Über seine Freundin Laura Sirucek, ehemalige TVS-Juniorin und aktuelle Nationalspielerin, kam der Kontakt zum TVS zustande. Als sich abzeichnete, dass Passeur Denis Milanez den TVS verlassen würde, lud der Klub Jachowicz zum Probetraining ein.

Dieses fand am 7. Juni, einen Tag nach seinem 26. Geburtstag, statt. Ob er dort gleich sportlich überzeugt habe, wisse er nicht und darum gehe es bei einem Probetraining auch nicht: «Wichtig ist, dass der Draht zur Mannschaft stimmt – das hat von der ersten Minute an gegenseitig gepasst – und dass man nicht zwanzig Kilo schwerer ist als auf den Videos.»

Sekundarlehrer in Trimbach

Die «finanziellen Geschichten» habe er seinem holländischen Spielervermittler überlassen. Ein Leben als Volleyball-Profi wollte er aber nicht mehr führen. Dank der Hilfe von Mitspieler Florian Lier fand er in Trimbach eine Stelle als Sekundarlehrer. «Obwohl ich mit 29 Schülern eine eher grosse Klasse habe, fühle ich mich sehr wohl; es sind die angenehmsten Stunden der Woche», zeigte sich Schönenwerds Nummer 17 glücklich. Viel Freizeit bleibe neben Beruf und Sport – sechs Trainings pro Woche plus individuelles Krafttraining – nicht mehr.

Erst an Weihnachten wieder nach Deutschland

«In München genoss ich mein Studentenleben, aber in letzter Zeit führe ich ein spiessigeres Leben», lacht Jachowicz. Seit Ende Juli wohnt er in der Schweiz und seither sei er erst einmal in einer Bar gewesen. Schule, Training, Essen, Kraftraum, Freundin – für mehr bleibt kaum Platz. Auch Familienbesuche in Deutschland kommen momentan nicht infrage. In den letzten drei Monaten war er lediglich zweimal in Deutschland. «Der nächste Termin ist Weihnachen», so Jachowicz, «vorher liegt es nicht drin.» Schmunzelnd fügt er an: «Aber keine Angst, es geht mir gut mit meinem Leben. Schliesslich gibt es Skype und durch meinen Beruf und den Sport bin ich ständig in Kontakt mit Menschen.»

Ansprechendes Niveau in der Schweiz

Das Niveau im Schweizer Volleyball kannte Jachowicz, dessen Eltern als Handball-Profis von Polen nach Deutschland zogen, bereits vor seinem Transfer zum TVS: «Während meiner Zeit bei Unterhaching haben wir einige Male gegen Näfels und Amriswil getestet. Zudem habe ich den letztjährigen Cupfinal zwischen Lugano und Amriswil gesehen.» Seiner Meinung nach würden Teams wie Näfels, Amriswil oder auch Schönenwerd in der 1. Bundesliga auf den Plätzen fünf bis neun mitspielen, Deutschlands Top 4 seien aber doch noch eine Klasse besser.

Studium beendet 1.-Bundesliga-Laufbahn

Er spricht aus Erfahrung, schliesslich spielte Jachowicz, der im Alter von zwölf Jahren mit Volleyball begann, drei Saisons in der höchsten Liga, bis er sich intensiver seinem Studium widmete und deshalb in die zweithöchste Liga zum ASV Dachau wechselte.

Am Dienstag gelang Schönenwerd die Europacup-Premiere beim 3:1-Erfolg in Zypern nach Mass. Für Jachowicz und sein Team folgt morgen Samstag das NLA-Heimspiel (17.30, Däniken, Erlimatt) gegen Schlusslicht Einsiedeln

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