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«Wir haben das Unmögliche möglich gemacht»: Martina Strähls steiniger Weg zu den Olympischen Spielen

Trotz erfolgreicher Olympiaqualifikation hat Martina Strähl lange um ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen bangen müssen. Die Solothurnerin spricht über ihre bewegten vergangenen Monate.

Nicolas Blust
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Martina Strähl darf nun doch noch an den Olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen.

Martina Strähl darf nun doch noch an den Olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen.

Alexander Wagner

Martina Strähls Weg zur Selektion für die Olympischen Sommerspiele in Tokio gleicht dem Drehbuch eines packenden Thrillers. Angefangen mit der vorzeitigen Olympiaqualifikation, der Absage der Spiele im Sommer 2020, bis hin zum Verletzungsschock Anfang Jahr und der Last-Minute-Selektion Ende Mai. Die vergangenen Monate waren für die 34-jährige Solothurnerin aus Horriwil ein Wechselbad der Gefühle.

Der Olympiafahrplan für Martina Strähl stand. Mit ihrem 9. Platz am Marathon in Berlin qualifizierte sich die 34-Jährige für Olympia 2020 in Tokio. Nach der coronabedingten Absage und der Verschiebung auf den Sommer 21 waren jedoch alle Pläne hinfällig. Erneut musste sich Strähl mit einem Topergebnis für die Sommerspiele qualifizieren.

Der Weg zu den Olympischen Spielen war für Martina Strähl steinig und von vielen Rückschlägen geprägt.

Der Weg zu den Olympischen Spielen war für Martina Strähl steinig und von vielen Rückschlägen geprägt.

Privat

Verletzungsrückschlag drohte die Olympiahoffnungen zu begraben

Anfang Jahr folgte dann aber der Schock. Eine Muskelverletzung im Oberschenkel zwang Strähl zu einer mehrwöchigen Trainings- und Wettkampfpause. Damit verpasste sie den Selektionsmarathon im März in Bern, der für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen existenziell war. Strähl über die Enttäuschung im Frühjahr:

«Ich habe die Olympischen Spiele im Frühjahr bereits abgeschrieben.»

Kurz darauf folgte aber doch noch ein Hoffnungsschimmer: «Nach dem verpassten Marathon in Bern Belp bekam ich die Meldung, dass ich über meine Klassierung im Weltcup doch an Olympia teilnehmen könne. Nach internationalem Standard von World Athletics sei ich dank meinem Resultat in Berlin teilnahmeberechtigt. Ich bräuchte lediglich noch einen Leistungsnachweis bis Ende Mai.» Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn es standen keine Rennen mehr auf dem Programm.

Halbmarathon in Österreich als letzte Chance

Kurzfristig wurde dann aber in Wien der S7 Halb- und Marathon von Run2gether auf die Beine gestellt. Ein Wettkampf für Elite-Athleten, die sich noch für Olympia qualifizieren wollten. «Ich wusste, dass das meine letzte Chance für einen Leistungsnachweis vor Ablauf des Qualifikationsfenster Ende Mai ist. Innerhalb von sieben Wochen musste ich also einen Formaufbau machen, um für den Halbmarathon in Form zu kommen», sagt Strähl.

Martina Strähl (in der Mitte mit Startnummer 301) beim S7 Halbmarathon.

Martina Strähl (in der Mitte mit Startnummer 301) beim S7 Halbmarathon.

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Der Aufbau gelang ohne grössere Probleme und die Läuferin aus Horriwil konnte am 23. Mai planmässig an den Start gehen, und wie. Mit einer Zeit von 1:13:50 erreichte die 34-Jährige den zweiten Platz bei den Frauen und erbrachte somit den geforderten Leistungsnachweis vor Ablauf der Frist Ende Mai.

Am 3. Juni folgt die grosse Erleichterung

Am 3. Juni folgte dann die frohe Botschaft. Swiss Olympic selektioniert Martina Strähl für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio. Ein unbeschreibliches Gefühl für die Solothurnerin: «Das hat mich fest berührt und es war für eine Riesenfreude. Es ist eine grosse Genugtuung und der Lohn für die harte Arbeit der letzten Jahre», sagt Strähl.

Nun gilt es also, den Fokus erneut auf die Olympischen Spiele zu legen. Zur Vorbereitung möchte Martina Strähl noch ein bis zwei kürzere Rennen laufen, um sich optimal auf das Highlight im Sommer vorzubereiten. Es liegen harte Wochen vor der Spitzenläuferin aus Horriwil. Doch ungeachtet des Resultats in Tokio ist die 34-Jährige bereits jetzt eine Gewinnerin.

«Wir haben das Unmögliche möglich gemacht.»

Noch vor drei Monaten sprach nichts für eine Teilnahme an Olympia, nun ist diese Tatsache. Der Dank geht dabei vor allem an Strähls Umfeld: «Die letzten acht Monate waren ein Auf und Ab. Mein Trainer Fritz Häni, mein Ärzte- und Physioteam, meine Eltern, mein Bruder und mein Arbeitgeber haben mich auf diesem Weg die ganze Zeit unterstützt. Ohne sie wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.»

Martina Strähl mit ihrem Trainer Fritz Häni.

Martina Strähl mit ihrem Trainer Fritz Häni.

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An den Olympischen Spielen gehört Martina Strähl nicht zu den Favoritinnen. Trotzdem ist ein Topresultat möglich. Ein Happy End würde die unglaubliche Geschichte der Solothurnerin auf jeden Fall würdig abschliessen.

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