Kunstturn-EM
Benjamin Gischard: Mit einer fast perfekten Übung zum historischen Erfolg

Am Wochenende zeigt Benjamin Gischard von den Solothurner Kunstturnern am Boden eine beinahe fehlerfreie Übung und sichert sich damit die Silbermedaille. Er ist erst der dritte Schweizer, der am Boden aufs Podest turnt.

Nicolas Blust
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Benjamin Gischard zeigt stolz seine Silbermedaille.

Benjamin Gischard zeigt stolz seine Silbermedaille.

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Der 25-jährige Benjamin Gischard aus Herzogenbuchsee erlebte am vergangenen Wochenende eine Achterbahn der Gefühle. Der Traum von einer EM-Medaille drohte bereits nach dem Podiumstraining zu platzen: «Am Boden hat es mir in den Rücken gehauen. Ich war megaenttäuscht und hatte Angst, dass ich am Wochenende vielleicht nicht turnen kann.» Zwischenzeitlich konnte Gischard nicht mehr beschwerdefrei schlafen und hatte selbst beim Laufen Schmerzen.

Nach dem Verletzungsschock arbeitete Gischard jedoch akribisch mit seinen Physiotherapeuten zusammen, um pünktlich für die Qualifikation am Donnerstag und für den Final am Samstag wieder fit und einsatzbereit zu sein.

Spitzenleistung trotz Schmerzen

Diese Arbeit zahlte sich letztlich aus und Gischard konnte am Gerätefinal teilnehmen. Am Finaltag half dann auch der Adrenalinkick, dass der 25-Jährige seine Schmerzen kurzzeitig ausblenden konnte. «Die einzigen schmerzfreien Minuten hatte ich während des Wettkampfs», sagt Gischard. Am Ende hat sich das Leiden aber ausgezahlt.

Dem 25-Jährigen aus Herzogenbuchsee gelang eine beinahe fehlerfreie Übung, für die er die beste Ausführungsnote erhielt.

Dem 25-Jährigen aus Herzogenbuchsee gelang eine beinahe fehlerfreie Übung, für die er die beste Ausführungsnote erhielt.

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Pünktlich auf den Tag X gelang Gischard im Final eine fast perfekte Übung. «Ich konnte mich im Vergleich zum Training noch einmal steigern», sagt der Sprung- und Bodenspezialist. «Es ist mir wirklich perfekt gelungen, dann abzuliefern, wenn es zählt.»

Die Finalübung von Benjamin Gischard im Video.

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Der Oberaargauer zeigt eine sensationelle Leistung und holt sich mit einem Gesamtwert von 14,996 Punkten den zweiten Platz hinter dem Russen Nikita Nagorni, der einen Skore von 15,166 erreichte. Bemerkenswert ist dabei, dass Gischards Darbietung mit der bestmöglichen Ausführungsnote belohnt wurde. Im Vergleich zur Qualifikation steigerte sich der Mann aus Herzogenbuchsee noch einmal um ganze drei Zehntel.

Gischard musste sich lediglich dem russischen Dominator Nikita Nagorny geschlagen geben.

Gischard musste sich lediglich dem russischen Dominator Nikita Nagorny geschlagen geben.

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Die Vorbereitung war bereits von Verletzungen geprägt

Gischard hatte bereits vor den Titelkämpfen in Basel einen steinigen Weg hinter sich. Seit Jahresbeginn plagten den 25-Jährigen immer wieder Verletzungssorgen. Trotzdem gab er nie auf: «Ich habe täglich hart gearbeitet und war mehr als zufrieden, dass ich überhaupt an der Europameisterschaft mitmachen konnte.»

Nach dem letzten Sprung in der Finalübung kamen dann all diese Emotionen hoch. «Es war eine Mischung zwischen Erleichterung und Freude», beschreibt Gischard seine Emotionen unmittelbar nach dem Final. Dass die gezeigte Übung für eine Medaille reichen würde, hat der Oberaargauer gleich gespürt: «Die Übung ist mir so gut gelungen, dass ich mir gleich dachte, dass es reichen muss.» Als dann die Punktzahl aufleuchtete realisiert Gischard seine Leistung.

Mit der Silbermedaille gelang ihm ein historischer Erfolg. Als erst dritter Schweizer überhaupt steht er auf dem Podest bei einer Europameisterschaft am Boden. «Es ist ein wunderschönes Gefühl», sagt Gischard angesprochen auf die historische Leistung und fügt an: «Das zeigt noch einmal, dass ein solcher Erfolg nicht selbstverständlich ist.» Erst recht, wenn man die Vorgeschichte mit den Verletzungen kennt.