Kanu
Kraft, Geschicklichkeit und Eleganz

Nach dem internationalen Auftakt in Neuseeland triumphiert Mike Kurt auch im ersten Schweizer Kanu-Wettkampf der Saison. Für den Solothurner ist das erst der Anfang.

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Mike Kurt, ihre letztjährige Saison verlief durchzogen. Sie wurden ausgezeichneter Zweiter im Gesamtweltcup, holten aber keine Medaillen an EM und WM. Wie wollen Sie Ihre Ziele in diesem Jahr erreichen?

Mike Kurt: Im vergangenen Jahr ging es für mich primär darum, wieder in die Top 10 der Welt vorzustossen. Wegen einer langwierigen Erkrankung verpasste ich vor zwei Jahren viele Wettkämpfe und bin bis auf Platz 40 der Weltrangliste abgerutscht. Dass ich mich dann im letzten Frühling innerhalb kurzer Zeit wieder unter die besten zehn Athleten der Welt zurückkämpfen konnte, war für mich ein riesiger Erfolg. Dementsprechend lag mein Fokus 2010 nicht unbedingt auf der EM und WM, sondern auf der gesamten Saison. In diesem Jahr hingegen richtet sich meine Saisonplanung vielmehr auf die EM und WM aus.

Die Olympischen Spiele 2012 in London sollen zu Ihrem Karrierehöhepunkt werden, gekrönt mit Edelmetall. Ein realistisches Unterfangen?

Natürlich, ich glaube an mein Potenzial und daran, dass ich es schaffe, 2012 in London bei meiner dritten Olympiateilnahme ein Spitzenresultat zu erzielen. Sonst würde ich aktuell auch nicht so viel in den Sport investieren.

Kanufahren zählt in der Schweiz zu den Randsportarten. Wieso machen Sie trotzdem diesen Sport?

Wildwasser-Kanuslalom ist ein wunderbarer Sport. Kaum eine andere Disziplin bietet so viel Abwechslung und macht so viel Freude im täglichen Training. Ich liebe es, auf dem Wildwasser zu sein, mit dem Element Wasser zu spielen und gleichzeitig hart zu trainieren. Es erfordert die perfekte Kombination aus Kraft, Geschicklichkeit und Eleganz. Und die Reisen rund um die Welt sind natürlich eine positive Begleiterscheinung.

Kanu ist zwar sehr Zeit aufwändig, aber wenig lukrativ. Wie gehen Sie damit um?

Im Kanuslalom haben wir ein ähnliches Problem wie in vielen olympischen Randsportarten in der Schweiz. Wir sind hier primär nur eine Randsport, was es schwierig macht, mit der Weltspitze mitzuhalten. Als Schweizer Kanute hat man im internationalen Vergleich eine der schlechtesten Rahmenbedingungen überhaupt und kämpft gegen ausländische Nationalmannschaften mit Millionen-Budgets. Das macht es sicherlich nicht einfach und ist mit ein Grund, wieso ich seit einem Jahr einen eigenen Weg ausserhalb der Nationalmannschaft gehe.

Sie arbeiten nebenbei noch im Marketingbereich. Ein gewollter Nebenjob oder nötig, um die Saison zu finanzieren?

Ich bin wohl der einzige Slalomkanute in den Top 30 der Welt, welcher nicht Vollprofi ist. Da ich aktuell auf dem Weg nach London 2012 ein eigenes kleines Team mit Privattrainer unterhalte, bin ich sicherlich auf diesen zusätzlichen finanziellen Beitrag angewiesen. Gleichzeitig wollte ich aber neben meinem Sport auch meinen beruflichen Ambitionen gerecht werden. Ich finde es wichtig, neben meinem Sport noch eine zweite Herausforderung zu haben. Meine Arbeit ist für mich ein Glücksfall, da ich zu sehr flexiblen Konditionen einer sehr spannenden und lehrreichen Tätigkeit im Marketing nachgehen kann.

Sie fahren jetzt fast einem Jahrzehnt an der Weltspitze mit – noch nicht genug?

Solange ich spüre, dass ich mich noch verbessere, ein klares Ziel vor Augen habe, mache ich weiter. Nach den Erfolgen in den letzten Monaten und so kurz vor Olympia wäre es komisch, wenn ich nicht motiviert wäre (PD)

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