Talentförderklasse
Im Zimmer 009 lernen die Olympiasieger von morgen

Seit August bilden 14 Jungs und 6 Mädchen die Talentförderklasse in Solothurn. Alle gelten sie in ihren Sportarten gemäss den Richtlinien von Swiss Olympic mindestens als regionale Talente.

Fabio Baranzini
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Es herrscht eine spezielle Atmosphäre in der neuen Talentförderklasse im Schulhaus Schützenmatt. Baranzini

Es herrscht eine spezielle Atmosphäre in der neuen Talentförderklasse im Schulhaus Schützenmatt. Baranzini

Freitagmorgen kurz vor halb neun im Schulhaus Schützenmatt in Solothurn. Im Raum 009 findet für die Kasse E/B12t gerade eine Doppellektion im Fach Bildnerisches Gestalten statt. Die Schülerinnen und Schüler sitzen an vier grossen Tischen. Darauf stehen verschiedene Farbtuben und Paletten.

Die Stimmung ist locker, neben dem Arbeiten mit Pinsel und Stift wird gelacht und diskutiert. «Die Klasse hat viel Energie und ist bereit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Es ist eine andere Atmosphäre als mit normalen Klassen.» So beschreibt Lehrerin Gergana Mantscheva die erste Talentförderklasse, die in der Schützenmatt zur Schule geht. Projektleiter Stefan Kohler betont ebenfalls den guten «Drive» in der Klasse. Aber auch sonst ist er mit dem 1. Semester sehr zufrieden. «Das Feedback ist von allen Seiten mehrheitlich positiv ausgefallen. Es läuft im Moment so, wie wir uns das vorgestellt haben.»

Weniger Lektionen, gleiche Dauer

Seit August bilden 14 Jungs und 6 Mädchen die Talentförderklasse. Alle gelten sie in ihren Sportarten gemäss den Richtlinien von Swiss Olympic mindestens als regionale Talente. Das ist die Grundvoraussetzung für die Aufnahme. Die 20 Nachwuchsathleten, die aus den Sportarten Fussball (12 Schüler), Mountainbike (3), Kunstturnen (2), Volleyball, Tanzen und Leichtathletik (je 1) kommen, profitieren von einem reduzierten Unterrichtsvolumen. «Die Talente haben 25 Pflichtlektionen pro Woche, das sind rund acht bis zehn Stunden weniger als in einer normalen Klasse», erklärt Kohler.

Trotzdem verlängert sich die Schulzeit im Vergleich mit normalen Schülern nicht. Um zu gewährleisten, dass die schulischen Leistungen unter der Stundenreduktion nicht leiden, wurde der sogenannte bedarfsorientierte Stütz- und Förderunterricht (BSF) eingeführt. «Wenn die Leistungen nicht gut genug sind oder Defizite in der selbstständigen Arbeit vorhanden sind, kommen die BSF-Stunden zum Einsatz. Dort erhalten die Talente individuelle Betreuung im entsprechenden Fach», so der Projektleiter. Bis zu acht BSF-Stunden können pro Woche in Anspruch genommen werden.

Über der Referenzklasse

Dieses Konzept scheint zu funktionieren, denn in den Vergleichstests, die Ende Semester durchgeführt wurden, schnitt die Talentförderklasse gut ab. «Es liegen noch nicht alle Resultate vor, aber bis jetzt sind die Sportler im Durchschnitt gar leicht über der Referenzklasse», freut sich Kohler, der grossen Wert auf die schulischen Leistungen der Talente legt.

Fortsetzung scheint gesichert

Trotz des vorwiegend positiven Feedbacks gibt es beim Projekt «Talentförderklasse» noch einiges zu verbessern. Das dringendste Problem stellen die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Talente dar. «Wir haben in einer Klasse Sek-E- und Sek-B-Schüler. Hinzu kommen noch diejenigen aus dem Kanton Bern, die beispielsweise im Französisch ein höheres Niveau aufweisen. So wird die Unterrichtsgestaltung für die Lehrkräfte deutlich aufwendiger», erklärt Kohler. Die Verantwortlichen möchten deshalb bereits im nächsten Schuljahr je eine Sek-E- und Sek-B-Klasse für Sporttalente einführen. Zurzeit laufen entsprechende Abklärungen beim Kanton. Weiter sollen flexiblere und individuellere Trainingszeiten angeboten und die Kompetenzbereiche zwischen den schulischen und sportlichen Betreuern der Talente klarer geregelt werden.

Die Fortsetzung des Projekts scheint aber bereits gesichert. Bereits zwei Monate vor Anmeldeschluss sind 12 Anmeldungen und 47 Interessenbekundungen eingegangen. Darunter auch drei Musiker, die ebenfalls die Möglichkeit haben, die Talentförderklasse zu besuchen.

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