Derby
Ihr Zuschauer kommet: Weshalb der EHC Olten am Montagabend ein volles Stadion verdient

Es gibt gute Gründe, sich am Montagabend (19.45 Uhr) das Derby zwischen dem EHC Olten und dem SC Langenthal live im Stadion Kleinholz anzusehen. Die Mannschaft von Headcoach Fredrik Söderström zeigt derzeit begeisterndes Eishockey. Zuletzt beim 5:1-Sieg in Visp.

Marcel Kuchta
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Es herrscht Freude bei den Powermäusen: Der EHCO besiegt Gastgeber Visp dank einem starken ersten Drittel gleich mit 5:1.
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Somit sichert sich die starke Mannschaft nicht nur den sechsten Sieg in Folge, sondern nebenbei auch weiterhin den zweiten Tabellenplatz.
In diesem Zweikampf geht es hoch zu und her: Jens Nater (l.) fliegt durch die Luft, EHCO-Spieler Lukas Haas (r.) sieht nur staunend zu.
In der 50. Minute erzielt der vor Glück strahlende Dion Knelsen das 5:1 für den erneut erstarkten EHC Olten.
Der Oltner Keijo Weibel (r.) kommt hier klar und deutlich zu spät. EHCV-Spieler Fabian Haberstich (l.) hat in diesem Duell die Nase vorne.
Chaos vor dem EHCO-Kasten: Torhüter Simon Rytz und sein Mitspieler Philipp Rytz haben alle Hände voll zu tun, als Andy Ritz (v.l.n.r.) angreift.
Nach dem eher zähen Mitteldrittel steht es 4:1 für den EHCO. Derweil liefern sich Visp-Spieler Fadri Riatsch (l.) und der Oltner Michael Rudolf (r.) ein Höhenduell.
Visp-Spieler Andy Ritz (l.) hat das Nachsehen, Garry Nunn (r.) zieht nach diesem Zweikampf glücklich mit dem Puck davon.
In der 29. Minute muss EHCO-Torhüter Simon Rytz zum ersten Mal an diesem Abend hinter sich greifen. Sein Team kassiert im Mitteldrittel das 4:1.
Garry Nunn (l.) und Mitspieler Dion Knelsen (r.) setzen Visp-Torhüter Reto Lory und Marc Steiner (2.v.r.) einmal mehr mächtig unter Druck.
Wer schnappt sich den Puck? Visp-Spieler und Gastgeber Mark van Guilder (l.) und Dion Knelse beweisen beide Biss.
Auch im Mitteldrittel legt der EHCO rasant los. Nach 25 Minuten erzielt Philipp Rytz den vierten Treffer des Tages für die Powermäuse.
Brisanter Zweikampf im Mitteldrittel: Michael Rudolf (l.) und Visp-Spieler Andy Furrer schenken sich in diesem Duell nichts.
Der EHCO und Stanislav Horansky (r.) haben alles im Griff. Bereits nach dem ersten Drittel führen die Gäste 3:0 gegen Mark van Guilder (l.) und seine Kollegen.
Für die vielen mitgereisten EHCO-Fans verläuft der Abend bisher ganz nach Plan. Auf den Rängen feiern sie den souveränen Auftritt ihrer Mannschaft.
In der 19. Minute fällt kurz vor der Pause das 3:0. Über den Treffer von Garry Nunn freut sich gleich die ganze Mannschaft.
Gekonnt hängt EHCO-Spieler Daniel Eigenmann (M.) alle ab. Anton Ranov (l.) hat gegen das Mitglied der Powermäuse keine Chance.
Nach elf Minuten fällt schon das Tor zum 2:0. Riccardo Sartori kennt keine Gnade und lässt die Visper auf dem Eis alt aussehen.
Dominic Weder (r.) versucht im Duell gegen Visp-Goalie Reto Lory (l.) sein Glück. Doch noch mag ihm kein Treffer gelingen.
Swiss League, 29. Runde, EHC Visp - EHC Olten (21.12.2019)
Wer hier wohl die Nase vorn hat? Der Visper Andy Ritz (l.) und Oltens Evgueni Chiriayev (M.) kämpfen um den Puck.
Das letzte Aufeinandertreffen mit Visp konnte der EHCO mit 3:1 für sich entscheiden. Gewinnt Garry Nunn (l.) mit seiner Truppe auch heute gegen David Zeiter und seine Kollegen?

Es herrscht Freude bei den Powermäusen: Der EHCO besiegt Gastgeber Visp dank einem starken ersten Drittel gleich mit 5:1.

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Es gibt Momente während einer Saison, da fühlt man sich sogar als neutraler Beobachter eines Eishockey-Klubs verpflichtet, kurz mal die Werbetrommel zu rühren. Wenn es also in der laufenden Saison einen Moment gegeben hat, um dem Kleinholz-Stadion mal wieder einen Besuch abzustatten, dann ist es der heutige Montagabend.
Einen Tag vor der Weihnachtspause kommt ausgerechnet der SC Langenthal zum Derby nach Olten. Diese Affiche alleine ist schon verlockend genug. Und noch viel besser und wichtiger: Der EHC Olten bietet derzeit Eishockey vom Feinsten. Es ist ein Genuss, der Mannschaft zuzuschauen. Sie hat 14 ihrer letzten 16 Spiele auf teils spektakuläre Art und Weise gewonnen, ist in der Tabelle auf Platz 2 klassiert. Wann, also, gäbe es eine bessere Gelegenheit, dieser Mannschaft bei der vorweihnachtlichen Arbeit auf dem Eis zuzusehen? Ihr Zuschauer kommet!

Ein erstes Drittel nahe an der Perfektion

Als hätte es eines weiteren Beweises bedurft, lieferte das Team von Headcoach Fredrik Söderström am Samstag in Visp erneut eine eindrückliche Kostprobe ihres derzeitigen Könnens ab. Das erste Drittel war nahe an der Perfektion. «Es gehört sicher zum Besten, was wir in dieser Saison bisher gezeigt haben», bestätigte auch Söderström den äusseren Eindruck nach dem Spiel.

3:0 führten die Oltner nach 20 Minuten und hatten sich dabei wie auf Schienen auf dem Rink in der modernen Lonza-Arena bewegt. Jeder Laufweg stimmte, die Pässe fanden fast allesamt ihren Adressaten. Hinten liess man kaum gegnerische Chancen zu. Und vorne nutzte man die Gelegenheiten kaltblütig aus. So wie zum Beispiel Diego Schwarzenbach, der sich für einen gegnerischen Horrorpass nach 44 Sekunden bedankte und die frühe Führung für den EHCO erzielte. «Dieses schnelle Tor hat uns natürlich geholfen», konstatierte Fredrik Söderström. Doch selbst ohne Geschenke waren die Oltner schlicht eine Klasse besser als die oft heillos überforderten Visper.

Durch Strafen kurz in Verlegenheit

Das war die eigentlich erstaunlichste Erkenntnis des Abends. Der EHC Olten hatte eine Mannschaft, die zwar derzeit über Verletzungspech klagt, aber immer noch gehobene Swiss-League-Klasse darstellt, in deren Stadion völlig unter Kontrolle. Es waren die Oltner selber, die sich im Mitteldrittel kurzzeitig in Verlegenheit brachten, als gleich vier Spieler in Serie auf die Strafbank wanderten. Dolana verwertete die erste Visper Überzahl zum 1:4. Danach hatten die Walliser zweimal die Chance, während einer Minute mit zwei Mann mehr auf dem Eis zu agieren.

Doch selbst in diesen kritischen Momenten verloren die Powermäuse nie den Überblick. Im Gegenteil: Der unglaublich quirlige Garry Nunn kreierte sogar in doppelter Unterzahl Torchancen. «Unser Penalty-Killing hat sehr gut funktioniert», freute sich auch Fredrik Söderström, der seiner Mannschaft im letzten Drittel dabei zusehen konnte, wie sie die drei Punkte souverän nach Hause brachte. Es gab nie einen Zweifel, wer das Eis als Sieger verlassen würde. Daran hatten auch die gut 400 mitgereisten Olten-Fans ihre helle Freude. Sie feierten die EHCO-Spieler nach der Schlusssirene ausgiebig.

Nur fünf Verteidiger? Kein Problem!

Einziger Wermutstropfen des Abends war die Personal-Situation in der Verteidigung, die sich im Verlauf des Spiels zuspitzte. Erst musste Dan Weisskopf, nachdem er vom Stock eines Mitspielers im Gesicht getroffen worden war, ins Spital zur Untersuchung. Glücklicherweise konnte er unmittelbar nach dem Spiel wieder Entwarnung geben. Gebrochen ist nichts. Bleibt abzuwarten, ob nicht plötzlich noch Symptome einer Gehirnerschütterung auftauchen. Der zweite Ausfall betraf Riccardo Sartori, der sich im zweiten Drittel einen klassischen Faustkampf mit Fadri Riatsch lieferte – und nach Punkten gewann. Der Tessiner wurde, wie auch sein Kontrahent, korrekterweise unter die Dusche geschickt. Was bedeutete, dass der EHCO das Spiel mit fünf Verteidigern beenden musste.

«Es war kein Problem», bemerkte Fredrik Söderström. «Im Gegenteil: Die Jungs haben gelacht, weil sie plötzlich so viel Eiszeit erhielten.» So ist es eben: Wenn es läuft, dann steht man gerne auf dem Eis. Und wenn es läuft, dann sollte man sich das auch unbedingt live im Stadion ansehen. Ihr Zuschauer kommet!

Nachgefragt bei Captain Philipp Rytz

Von aussen machte die Vorstellung der Mannschaft in Visp einen sehr guten Eindruck. Wie war Ihre Wahrnehmung auf dem Eis?
Philipp Rytz: Wir kamen sehr gut ins Spiel. Das frühe Tor hat uns dabei natürlich geholfen. Danach lief es einfacher. Aber genau das wollten wir erreichen. Wir wollten dem Spiel den Stempel aufdrücken und unseren Rhythmus spielen. Und das ist uns über die ganze Spielzeit recht gut gelungen.

Auffällig war auch, wie wenig Fehler die Mannschaft gemacht hat. Woran liegt das?
Ich denke, es sind verschiedene Faktoren, die da zusammenkommen. Wir haben ja bekanntlich schon schwierigere Zeiten hinter uns. Aber in der Zwischenzeit haben wir viel gelernt. Wir wissen auch, dass wir uns kein Nachlassen erlauben dürfen. In Visp ist uns das fast über die ganzen 60 Minuten gelungen. Inzwischen weiss jeder Spieler in unserer Mannschaft, dass wir gute Chancen haben, zu gewinnen, wenn alle ihren Job konzentriert erledigen.

Die einzige, kritische Phase hatte der EHC Olten im zweiten Drittel zu überstehen, als sie vier Strafen in Serie kassiert haben.
Ja, dort haben wir etwas nachgelassen. Umso wichtiger war es, dass wir diese Situationen dann gut überstanden haben. Das bringt einem das Vertrauen schnell wieder zurück. Und man weiss auch, dass man wieder härter arbeiten muss.

Am Montagabend steht noch ein Highlight auf dem Programm: Das Derby gegen Langenthal. Extramotivation braucht es da wohl nicht...
Nein, sicher nicht. Der Rahmen stimmt. Ich hoffe, dass viele Leute ins Stadion kommen. Für uns ist es aber extrem wichtig, dass wir am Boden bleiben. Selbst wenn es derzeit sehr gut läuft, müssen wir zuallererst unsere Aufgaben erledigen. Wenn man das nicht macht, dann kann es schnell nicht mehr aufgehen.

Was können Sie als Captain tun, damit die gute Einstellung der Mannschaft bestehen bleibt?
Ich erinnere meine Mitspieler immer wieder daran, dass das, was wir in den letzten Wochen erreicht haben, nicht aus dem Nichts kommt, sondern dass wir uns das hart erarbeitet haben. Das war ein Aufbau, bei dem alle mitgeholfen haben. Wir sind auch dann nicht auseinander gefallen, als es nicht so gut gelaufen ist. Darum ist es eben so enorm wichtig, dass man nie vergisst, weshalb es so gut läuft. Auch im Wissen, dass vielleicht auch mal wieder schlechtere Zeiten kommen.

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