Fussball
Vier Anwärter auf den Aufstieg in die 2. Liga – und keiner will der Favorit sein

Der FC Riedholz, GS Italgrenchen, der FC Hägendorf und der FC Trimbach streiten sich ab Freitag um die beiden freien Plätze in der Solothurner 2. Liga. Welcher Klub konnte seine Form während des langen Unterbruchs am besten konservieren?

Raphael Wermelinger
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Der Solothurner Cup ist für die Drittligisten eine gute Chance, sich mit den Klubs aus der 2. Liga zu messen. Szene aus dem Sechzehntelfinal zwischen dem FC Trimbach und dem FC Wangen bei Olten (1:5).

Der Solothurner Cup ist für die Drittligisten eine gute Chance, sich mit den Klubs aus der 2. Liga zu messen. Szene aus dem Sechzehntelfinal zwischen dem FC Trimbach und dem FC Wangen bei Olten (1:5).

Markus Müller

Die Saison in der 2. Liga ist vorbei. Der FC Lommiswil ist Solothurner Meister, verzichtet aber auf den Aufstieg in die 2. Liga inter. Nutzniesser ist der Tabellenzweite FC Wangen bei Olten, der nachrückt. Der einzige Absteiger in die 3. Liga heisst FC Oensingen.

Eine 2:6-Klatsche am Samstag beim FC Subingen besiegelte das Schicksal des FC Oensingen – der SC Fulenbach, der Tabellenvorletzte, konnte aufatmen. Somit sind zwei Plätze frei in der höchsten Regionalliga. Um diese bewerben sich Riedholz, Italgrenchen, Hägendorf und Trimbach.

Die besten zwei Klubs der beiden 3.-Liga-Gruppen dürfen an den Aufstiegsspielen teilnehmen. In der Gruppe 1 war es eine äusserst knappe Angelegenheit: Riedholz, Italgrenchen und Gerlafingen sammelten in der Vorrunde je 23 Punkte. Rüttenen und Zuchwil dahinter ebenfalls nur drei weniger.

Die Strafpunkte entschieden über den Einzug in die Aufstiegsspiele. Und da hat der FC Gerlafingen mit deren 142 (!) klar das Nachsehen. Zum Vergleich: Riedholz handelte sich nur 11 Strafpunkte ein, Italgrenchen deren 19.

Riedholz innert einem Jahr von Platz neun auf Platz eins

2016 stieg der FC Riedholz aus der 2. Liga ab. Schafft das Team von Trainer Remo von Flüe heuer die Rückkehr ins Oberhaus?

2016 stieg der FC Riedholz aus der 2. Liga ab. Schafft das Team von Trainer Remo von Flüe heuer die Rückkehr ins Oberhaus?

zvg

Der FC Riedholz spielte letztmals 2015/16 in der 2. Liga, stieg nach nur einer Saison wieder ab. Die beste Platzierung seither ist ein vierter Rang im 2017. Im vergangenen Jahr belegte Riedholz nur Platz neun, als die Saison abgebrochen wurde.

«Wir haben einen riesigen Schritt nach vorne gemacht», kommentiert Trainer Remo von Flüe die Steigerung. «Unsere Stärke ist das Team. Wir sind eine hungrige, motivierte Truppe, die nicht von Einzelspielern abhängig ist.»

Wer sind in seinen Augen die beiden Favoriten auf den Aufstieg in die 2. Liga? «Das kann ich nicht sagen. Denn ich kenne Trimbach und Hägendorf aus der anderen Gruppe zu wenig», antwortet er. Das Vorrundenspiel gegen Italgrenchen endete torlos.

«Sie spielten stark. Wir waren glücklich mit dem einen Punkt», blickt er zurück. Entscheidend wird laut von Flüe sein, wie gut die Teams den ungewohnten Rhythmus verkraften: Es warten drei Spiele innert Wochenfrist nach einer mehr als halbjährigen Zwangspause.

«Wir haben zum Glück ein breites und ausgeglichenes Kader, das wird uns sicher helfen», sagt von Flüe. Druck habe der FC Riedholz nicht: «Ob wir in der 2.- oder der 3. Liga spielen, ist für uns momentan nicht so ausschlaggebend. Dennoch wollen wir natürlich jedes Spiel gewinnen, das ist klar. Und dann werden wir sehen, was am Schluss herausschaut. Für unsere jungen Spieler im Team werden die Aufstiegsspiele definitiv ein sehr spezielles Erlebnis.»

Italgrenchen spielt seit dem freiwilligen Abstieg 2015 in der 3. Liga

Italgrenchen spielt seit dem freiwilligen Abstieg 2015 in der 3. Liga

zvg

Italgrenchens Trainer Perparim Redzepi steigt am Freitag mit einem guten Gefühl in die Promotionsrunde: «Wir sind seit Januar am Trainieren und hatten zwei sehr positive Testspiele.» Auch was das Kader angeht, hat er keine Sorgen: «Der eine oder andere ist ein bisschen angeschlagen, aber das ist normal. Am Freitag sollten eigentlich alle wieder dabei sein.»

Auch Redzepi fällt es schwer, zu prognostizieren, welche beiden Teams das Rennen in den Aufstiegsspielen machen werden. «Den FC Riedholz sehe ich eher nicht als Favoriten. Doch es ist eine junge Mannschaft, die völlig unbeschwert aufspielt. Und das macht sie gefährlich», wägt er ab.

Den FC Trimbach kenne er ein bisschen, Hägendorf dagegen gar nicht. «Für die Trimbacher spricht ihre Routine», sagt er. «Und Hägendorf ist wohl nicht umsonst das Spitzenteam der Gruppe 2. Wir werden es erfahren, wie bereit sie sind.»

Und was spricht für Italgrenchen? «Wir sind eine junge, wilde Mannschaft, die ums Verrecken gewinnen will. Wir haben sicher die Qualität, um den Aufstieg zu schaffen», antwortet er. Der käme dann allerdings etwas früher als erwartet. 2019 hat Redzepi das Team übernommen. «Mit sechs Nasen im Training», wie er sagt. «Unser Plan war eigentlich, in der nächsten Saison aufzusteigen. Wenn wir es jetzt schon packen, passt das natürlich auch für mich.»

Hägendorf souverän, Trimbach rutschte nach

Hägendorf sammelte in der Vorrunde von allen Teams der 3. Liga am meisten Punkte.

Hägendorf sammelte in der Vorrunde von allen Teams der 3. Liga am meisten Punkte.

zvg

Der FC Hägendorf, der Leader der Gruppe 2, holte in der Vorrunde von allen Klubs am meisten Punkte – 28 aus 12 Spielen. Der Auftakt in die Saison war etwas holprig. Am Ende reihte das Team von Trainer René Scherz aber sechs Siege aneinander und stürmte an die Tabellenspitze. Das Direktduell gegen den FC Trimbach gewannen die Hägendörfer auswärts mit 2:0.

Konnte die Form über die letzten Monate konserviert werden? «Es sieht gut aus. Wir haben sicher genug gemacht, alle Spieler sind da und unsere beiden Testspiele stimmen mich sehr zuversichtlich», sagt René Scherz. Gegen den Zweitligisten Härkingen unterlag Hägendorf im Testspiel mit 1:3. «Die erste Halbzeit war gut und intensiv, nach der Pause haben wir dann ein paar Wechsel vorgenommen.» Gegen den FC Triengen aus der Innerschweizer 4. Liga setzten sich die Hägendörfer locker mit 6:2 durch. «Kein richtiger Gradmesser», wie er sagt.

Der FC Hägendorf, den er seit der Saison 2018/19 trainiert, ist laut Scherz auf einem guten Weg. In den letzten Jahren konnten viele eigene Junioren in die erste Mannschaft integriert werden. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Klub in die 2. Liga aufsteigt. «Wir werden alles probieren. Wenn es nicht reicht dieses Jahr, ist es aber auch kein Beinbruch», sagt er.

Über die Gegner und die Ausgangslage kann er nicht viel sagen. Auch für ihn sind die Konkurrenten aus der anderen Gruppe die grossen Unbekannten: «Ich kenne Riedholz und Italgrenchen nicht. Trimbach ist ein sehr aufsässiger Gegner, den man nie abschreiben sollte.»Und die eigenen Stärken? «Wir haben in der Vorrunde am meisten Tore geschossen und am wenigsten kassiert. Das beweist, dass wir einiges draufhaben.»

Der FC Trimbach spielte bis vor zwei Jahren noch in der 2. Liga.

Der FC Trimbach spielte bis vor zwei Jahren noch in der 2. Liga.

zvg

Der FC Trimbach profitiert als Tabellendritter der Gruppe 2 davon, dass Subingens «Zwöi» nicht für die Aufstiegsspiele berechtigt ist. Der FC Deitingen liegt nur ein Punkt dahinter und guckt in die Röhre.

«Wir sind noch nicht ganz dort, wo wir eigentlich sein wollen», sagt Trimbachs Trainer Hasan Osaj über den Formstand seiner Spieler. Ganz bewusst habe er lediglich ein Testspiel organisiert. «Mehr Spiele sind in meinen Augen kontraproduktiv», erklärt er. «Es warten schliesslich drei Spiele innert einer Woche. Ich muss auf die Gesundheit meiner Spieler achten.»

2014 war der FC Trimbach Vize-Meister hinter dem FC Olten in der 2. Liga. Vor zwei Jahren stieg die Leinfeld-Elf aus der 2. Liga ab. Im vergangenen Jahr schaute bis zum Saisonabbruch der sechste Platz heraus. «Wir müssen dieses Jahr nicht unbedingt rauf. Wir sind immer noch dran, ein Team mit eigenen Junioren aufzubauen», sieht Osaj die anderen Klubs in der Favoritenrolle, fügt aber an: «Wir haben eine gute Mannschaft, die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern stimmt. Und wie gesagt, für uns spricht, dass wir ohne Druck in diese Aufstiegsspiele steigen können.»

Von den vier Klubs, welche ab Freitag die Aufstiegsspiele bestreiten, hat der FC Trimbach die mit Abstand besten Scorer in seinen Reihen. Luca Schifferle ist mit 14 Toren hinter Gerlafingens Philipp Breu (19 Tore) der zweitbeste Torschütze der Drittliga. Daniel Bärtschi erzielte 11 Treffer. Damit zeichnet das Duo für fast drei Viertel aller Trimbacher Tore verantwortlich. Die treffsichersten Spieler der drei Konkurrenten sind: Klevis Haziri (Italgrenchen, 9 Tore), Benjamin Huber und Sandro Schalt (beide Hägendorf, je 9) sowie Henry Horn (Riedholz, 8).

Aufstiegsspiele 3.-/2. Liga

Spielplan

Freitag, 11. Juni: Italgrenchen - Trimbach. Hägendorf - Riedholz (beide 20.00).

Dienstag, 15. Juni: Riedholz - Italgrenchen. Trimbach - Hägendorf (beide 20.00).

Freitag, 18. Juni: Hägendorf - Italgrenchen. Riedholz - Trimbach (beide 20.00).