Swiss-League-Playoffs

Fünf Gründe für die erstaunliche Wandlung des EHC Olten

Die EHCO-Spieler bedanken sich nach dem ersten Halbfinalspiel in Langenthal bei ihren Supportern.

Die EHCO-Spieler bedanken sich nach dem ersten Halbfinalspiel in Langenthal bei ihren Supportern.

Der EHC Olten ist optimal in die Halbfinal-Serie gegen den SC Langenthal gestartet. Beim 4:3-Sieg nach Verlängerung zeigte das Team Qualitäten, die man bei ihm während der laufenden Saison lange vermisst hatte. Aber das hat fünf gute Gründe.

Bei aller Euphorie muss man es an dieser Stelle noch einmal GANZ DEUTLICH betonen: Der EHC Olten hat in dieser Halbfinalserie ein Spiel gewonnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es fehlen immer noch drei Siege für grössere Glücksgefühle. Sich also allzu sehr auf die Schulter zu klopfen ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig fehl am Platz. Der SC Langenthal ist und bleibt ein ungemein starker Gegner, der nichts mehr möchte, als sich am Freitag vor der zu erwartenden Rekordkulisse im Kleinholz für die Auftaktniederlage zu revanchieren.

Trotzdem darf man nach dem ersten Halbfinal-Derby in Langenthal und der erfolgreichen Viertelfinal-Serie gegen den HC Thurgau mal einen Moment innehalten und ein wenig über die erstaunliche Wandlung des EHC Olten nachdenken. Wie ist es möglich, dass aus einem Haufen verunsicherter Einzelspieler innert weniger Wochen eine solidarische Einheit geworden ist? Es gibt dazu fünf Anhaltspunkte:

Der Trainer

Impulse für verunsicherte Spieler: Trainer Chris Bartolone lässt mit einem Timeout nichts unversucht. Marc Schumacher/Freshfocus

Impulse für verunsicherte Spieler: Trainer Chris Bartolone lässt mit einem Timeout nichts unversucht. Marc Schumacher/Freshfocus

Chris Bartolone und sein neuer Assistent Michael Tobler übernahmen anfangs Februar, als Headcoach Bengt-Ake Gustafsson auf einer Skipiste in Österreich freigestellt wurde, eigentlich ein Himmelfahrtskommando. Eine Mannschaft, die völlig verunsichert war, ohne Selbstvertrauen und vor allem ohne System vor sich hin dümpelte. Der Italo-Amerikaner hat es geschafft, seinen Spielern innert kürzester Frist ein Korsett zu verpassen, an welchem sie sich festhalten können. Gleichzeitig ist es ihm gelungen, dass die Spieler wieder an ihre Fähigkeiten glauben. Anders ausgedrückt: Wäre der EHCO ein Wecker, hat Bartolone den Schlummer-Modus ausgeschaltet. Jetzt darf er wieder richtig giftig klingeln.

Die Leader

Einer der Leader: Silvan Wyss.

Einer der Leader: Silvan Wyss.

Eine Mannschaft ist wie eine Maschine. Greifen die Rädchen nicht ineinander, dann geht sie laufend kaputt oder leidet an Funktionsstörungen. Ein Phänomen, welches beim EHCO während der Qualifikation (und temporär auch in den Playoffs) oft zu beobachten war. Ein Drittel lief es wie geschmiert. Dann ging plötzlich nichts mehr, weil eines oder mehrere Rädchen nicht mehr funktionierten. In diesen Momenten fehlten in der Mannschaft die Leader, die die Fehlfunktionen der Maschine reparieren konnten. Diese Chefmechaniker sind jetzt da und helfen, wenn es kritisch wird. Gut auch: Die Verantwortung ist auf vielen Schultern verteilt, die qualitative Kaderbreite ein grosser Vorteil. Und nicht vergessen darf man an dieser Stelle natürlich auch die Tatsache, dass die unzähligen Verletzungen während der Qualifikation wenig hilfreich waren, damit das Team zu einer Einheit zusammenwachsen konnte.

Die Verstärkungen

Der Augenblick, in welchem MacGregor Sharp, umringt von Gegenspielern, das Siegtor in der Verlängerung erzielte.Freshfocus

Der Augenblick, in welchem MacGregor Sharp, umringt von Gegenspielern, das Siegtor in der Verlängerung erzielte.Freshfocus

Die Sportkommission des EHC Olten hat vor den Playoffs nichts unversucht gelassen, dem Team noch einmal neue Impulse zu geben – auch auf personeller Ebene. Und siehe da: Alban Rexha, der vom 1.-Ligisten Chur kam (und bereits einen Vertrag beim EHCO für die kommende Saison besitzt) sowie der als dritter Ausländer geholte MacGregor Sharp erwiesen sich als absolute Glücksgriffe. Mit ihrer Spielweise brachten sie das so dringend gesuchte, kämpferische Element in die Mannschaft. Kein Zufall, waren die beiden massgeblich am Halbfinal-Auftaktsieg in Langenthal beteiligt.

Die Goalies

Ein starker Rückhalt: Matthias Mischler.

Ein starker Rückhalt: Matthias Mischler.

Ohne gute Goalies ist selbst die perfekt organisierte und talentierteste Mannschaft verloren. Der EHCO mogelte sich in der Qualifikation trotz mehrheitlich ungenügender Leistungen vor allem deshalb auf Platz drei, weil Matthias Mischler und Simon Rytz ihre desorientierten Vorderleute immer wieder aus dem „Seich“ retteten. Jetzt funktioniert das Team der Oltner wieder. Und dann fällt es auch den Goalies leichter, in den entscheidenden Momenten zu glänzen. So, wie Matthias Mischler in der Verlängerung des ersten Playoff-Halbfinals

Die Stimmung

Eishockey Swiss League Playoffs EHC Olten - HC Thurgau: Zu Beginn schwˆrt sich der EHCO ein und die Fans jubeln noch. Eishockey Swiss League Playoffs EHC Olten

Die Fans des EHCO stehen hinter ihrer Mannschaft.

Eishockey Swiss League Playoffs EHC Olten - HC Thurgau: Zu Beginn schwˆrt sich der EHCO ein und die Fans jubeln noch. Eishockey Swiss League Playoffs EHC Olten

Olten kann ein schwieriges Pflaster sein. Der EHCO ist in der Stadt und der Region sehr populär. 3500 Zuschauer kamen im Schnitt an die Quali-Spiele. In den Playoffs kamen in drei Heimspielen gegen Thurgau über 4600 im Schnitt. Am Freitag dürfte gegen Langenthal die 6000er-Marke in Reichweite kommen. Wer so populär und ambitioniert ist, der setzt sich einer grossen Erwartungshaltung aus. Und wenn dann die Qualifikation so harzig läuft, wie jene der aktuellen Saison, dann kann die Stimmung schnell ins Negative kippen. Aber genau so kritisch, wie die EHCO-Fans sein können, so schnell können sie euphorisch werden. Adieu Tristesse, Bonjour Hexenkessel. Das Kleinholz ist ein Ort geworden, an dem der Heimvorteil wirklich wieder ein Vorteil ist.

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