Droht Amateursportlern Saisonabbruch?
«Sind überrascht, dass wir spielen dürfen»: So geht es in den verschiedenen Hallensportarten weiter

Die einzelnen Sportverbände haben ganz unterschiedlich auf die verschärften Massnahmen des Bundesrats zur Bekämpfung der Coronapandemie reagiert. Das führt dazu, dass die Saison für einige Klubs normal weitergeht, andere müssen pausieren und wieder andere verzichten freiwillig auf die Fortsetzung der Meisterschaft.

Raphael Wermelinger
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Headcoach Bruno Hebeisen und dem EHC Zuchwil Regio droht wie schon 2020/21 der Saisonabbruch.

Headcoach Bruno Hebeisen und dem EHC Zuchwil Regio droht wie schon 2020/21 der Saisonabbruch.

Carole Lauener

Am 17. Dezember verschärfte der Bundesrat die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf den Spielbetrieb in den verschiedenen Hallensportarten. Eine Übersicht, welche Klubs von den neuen Regeln betroffen sind und wie die Protagonisten auf die Entscheide ihres jeweiligen Verbandes reagieren.

Eishockey: Saisonunterbruch von der 1. Liga an abwärts

«Aufgrund der neuen Massnahmen hat die Covid-Taskforce der Regio League den Unterbruch diverser Meisterschaften beschlossen», informierte die Swiss Ice Hockey Federation seine Mitglieder am 20. Dezember. In den drei höchsten Ligen – National League, Swiss League und MySports League – wird die Saison fortgesetzt. In der Regio League (1.- bis 4. Liga) ruht der Spielbetrieb dagegen mindestens bis Anfang Februar. «Teams aus diesen Ligen dürfen nach wie vor entsprechend der nationalen und kantonalen Richtlinien trainieren und Freundschaftsspiele organisieren», schreibt der Eishockeyverband.

Bruno Hebeisen, Trainer des Zweitligisten EHC Zuchwil Regio, zeigt sich enttäuscht vom Vorgehen der Verantwortlichen: «Ich kann diesen Entscheid nicht ganz nachvollziehen. Es ist verrückt, dass in den höheren Ligen gespielt wird und wir in der Regio League wieder einmal verschaukelt werden. Klar können die Profivereine mehr testen, aber auch wir müssen uns ja an die 2G-plus-Regel halten. Deshalb verstehe ich diesen Entscheid nicht.» Sein Team hätte am Wochenende das drittletzte Spiel der Qualifikation ausgetragen. «Ich hoffe, dass die Saison im Februar weitergeht und wir dann halt direkt mit den Playoffs starten werden», sagt Hebeisen. Er befürchte aber, dass es wie 2020/21 zum Abbruch der Saison kommt.

Auch Peter Zimmermann ist skeptisch. «Es wäre schön, wenn wir im Februar die Playoffs spielen dürften», sagt der Präsident des Zweitligisten EHC Bucheggberg. «Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich nicht daran, dass die Saison weitergeht. Es wäre schade, wenn es zum Abbruch kommt, aber der Sport ist nicht das Wichtigste im Moment.» Zimmermann bezeichnet es als paradox, dass in den höheren Ligen «gespielt wird, wie wenn nichts wäre». Das sei nicht konsequent. Er stellt aber klar: «Ich verstehe den Entscheid des Verbandes. Für die Verantwortlichen ist es eine Gratwanderung und die Gesundheit hat ganz klar Priorität.»

Faustball: Der TV Olten zieht sich freiwillig zurück

Die Hallensaison in der NLA, NLB und der 1. Liga wird fortgesetzt. Dies hat der Faustballverband Ende Dezember mitgeteilt: «Die überwältigende Mehrheit der Vereine hat sich für die Fortsetzung unter den neuen Bedingungen ausgesprochen. Swiss Faustball entscheidet deshalb im Sinne der Vereine und des Sports und führt die Wettbewerbe weiter. Die Sieger der Finalrunden der NLA erhalten den Schweizer Meistertitel, Auf- und Absteiger gibt es keine in dieser Saison.» Für die Neuendörferinnen geht die Vorrunde in der NLA somit wie geplant am 23. Januar mit dem Spieltag in Kreuzlingen weiter.

In der NLB Westgruppe der Männer trifft Neuendorf am 15. Januar in der abschliessenden Runde der Qualifikation auf Tecknau, Oberentfelden und Vordemwald. Zwei Klubs haben sich freiwillig zurückgezogen: Staffelbach und Olten. «Wir haben Spieler, die sich erst spät geimpft haben oder dies noch tun werden. Sie konnten bis Ende Dezember mit einem negativen Test trotzdem spielen, das ist jetzt nicht mehr möglich», erklärt Marco Campigotto, Vizepräsident des TV Olten und Spieler der ersten Mannschaft. «Mit diesen Absenzen wäre es schwierig geworden, anzutreten. Und weil es keine Auf- und Absteiger gibt, fehlt auch etwas der sportliche Anreiz. Wir mussten Aufwand und Ertrag abwägen und haben entschieden, dass es so wenig Sinn macht, weiterzuspielen.» Dass der Faustballverband die Meisterschaften nicht abbricht, erachtet Campigotto grundsätzlich als «schönes Zeichen an die Vereine».

Handball: NLA und NLB spielen, ab 1. Liga wird pausiert

Der Schweizerische Handballverband hat wie folgt auf die verschärften Massnahmen reagiert: «In Ligen, die der 2G-Regel unterliegen, beginnt die Rückrunde frühestens am 5. Februar. Erlässt der Bundesrat am 24. Januar mildere Massnahmen, erhalten die Teams somit zwei Wochen Trainings- und Vorbereitungszeit, um wieder in den Spielbetrieb einsteigen zu können. In den semiprofessionellen Ligen, die nicht von der 2G-Regel betroffen sind, beginnt die Rückrunde wie geplant am 8. Januar.»

Die NLB der Handballerinnen wird als semiprofessionell eingestuft. Deshalb dürfen die Oltnerinnen weiter vom Aufstieg träumen.

Die NLB der Handballerinnen wird als semiprofessionell eingestuft. Deshalb dürfen die Oltnerinnen weiter vom Aufstieg träumen.

Markus Müller

Bei den Männern ist im Januar in den höchsten beiden Ligen jeweils Nati-Pause. Der TV Solothurn bestreitet sein nächstes Spiel in der NLB daher erst am 29. Januar – der TV Möhlin gastiert im CIS. Für den HV Olten geht es in der Nationalliga B der Frauen am Samstag, 8. Januar, weiter. Die Oltnerinnen, die bereits für die Aufstiegsrunde qualifiziert sind, gastieren bei der HSG Aargau Ost. Noch etwas gedulden müssen sich dagegen die HVO-Männer. Der Start der Abstiegsrunde in der 1. Liga wurde auf Anfang Februar verschoben. Die Oltner empfangen am 13. den BSV Bern.

Unihockey: Im Februar soll es weitergehen

«Die semiprofessionellen Ligen NLA und NLB sowie die Nachwuchsligen sind von den neuen Massnahmen nicht betroffen. In gewissen Ligen im Breitensport wird die Meisterschaft jedoch aufgrund der 2G-Regel mit Maskenpflicht oder 2G-plus-Regel bis zum 24. Januar unterbrochen», teilte der Unihockeyverband am 21. Dezember mit. Der SV Wiler-Ersigen steht in der NLA am Sonntag, 9. Januar, erstmals im neuen Kalenderjahr im Einsatz: Das Gastspiel beim Tabellenletzten Sarnen steht an. Vier der restlichen fünf Partien des 15. Spieltags sind indes wegen Coronafällen bei diversen Mannschaften abgesagt. Wie auch bereits Wiler-Ersigens Heimspiel in der 16. Runde gegen Alligator Malans.

In der 1. Liga wurden die letzten vier Qualirunden abgesagt. Deitingen und Unihockey Mittelland stehen aktuell auf einem Playoff-Platz. «Ob die Spiele nachgeholt werden, wird noch geklärt. Die Meisterschaften von der 1. Liga abwärts sollen im Februar wieder aufgenommen werden, weshalb der Verband empfiehlt, weiterhin zu trainieren – mit den Regeln 2G mit Maskenpflicht oder 2G-plus» schreibt Swiss Unihockey.

Volleyball: In den höchsten drei Ligen wird gespielt

In der NLA und der NLB gilt weiterhin die 3G-Regel für Trainings und Spiele. Nur die Ersatzspieler müssen während der Spiele eine Maske tragen. Die Spieler auf dem Feld, die Trainer und die Schiedsrichter sind davon ausgenommen. Das NLA-Team von Volley Schönenwerd ist an diesem Wochenende spielfrei. Der erste Einsatz im neuen Kalenderjahr ist am 15. Januar auswärts in Lausanne. Am nächsten Dienstag und Mittwoch stehen für die Schönenwerder die beiden Duelle gegen Tallinn im Europacup-Achtelfinal in der heimischen Betoncoupe Arena an.

In der 1. Liga gilt für den Meisterschaftsbetrieb grundsätzlich die Regel 2G mit Maske. Das heisst, alle Personen müssen stets eine Maske tragen – auch während des Spiels. «2G-plus ist möglich, sofern sich die beiden Teams und die Schiedsrichter darauf einigen», informiert Swiss Volley. «Kann oder will ein Team nicht nach 2G mit Maske antreten, hat es bis zum 4. Januar 2022 die Möglichkeit, sich aus der Meisterschaft zurückzuziehen.» Dies haben lediglich vier von 88 Erstligisten getan: Biasca, Martigny, Muristalden und Näfels. Volley Schönenwerd II spielt am 8. Januar gegen Wyna. Die Schönenwerderinnen empfangen am Tag darauf Lugano II. Und auch die Frauen des VBC Gerlafingen (am 8. Januar in Köniz) und Volley Solothurn (am 8. Januar in Nidau) setzen die Meisterschaft an diesem Wochenende fort.

Der TV Grenchen steht am 15. Januar erstmals wieder im Einsatz. Der Tabellendritte der Gruppe B lädt den VBC Gerlafingen zum Kantonalderby. «Wir sind etwas überrascht, dass wir – Stand jetzt – weiterspielen dürfen», sagt Lea Cermusoni, Captain des Erstligisten. Ein freiwilliger Rückzug sei nie ein Thema gewesen bei den Grenchnerinnen. Das Team habe sich intern darauf geeinigt, wenn möglich, fortan auf 2G-plus zu setzen, denn mit Maske zu spielen, erschwere das Sporttreiben ungemein. «Der Grossteil der Spielerinnen ist bereits geboostert oder genesen; zwei, drei lassen sich noch testen, bis sie es auch sind», sagt Cermusoni. Sie zeigt sich skeptisch, dass der Spielbetrieb in der 1. Liga tatsächlich noch lange aufrechterhalten werden kann. «Wir spielen mal weiter, solange es möglich ist, gehen aber davon aus, dass die Saison jederzeit vorbei sein könnte», sagt sie mit gemischten Gefühlen. «Wir freuen uns natürlich grundsätzlich, Volleyball zu spielen, in Anbetracht der momentanen Coronalage ist es aber schon eine Gratwanderung.»

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