Eishockey

Die Mannschaft des EHC Olten gibt Rätsel auf, aber es bleibt noch Zeit für eine Steigerung

Sierre jubelt, Olten hadert.

Sierre jubelt, Olten hadert.

Wie gut ist dieser EHC Olten wirklich? Gehört er wirklich noch zu den Spitzenteams der Swiss League? Die 1:5-Niederlage gegen Sierre weckt Zweifel: Eine Bestandesaufnahme der grössten Baustellen.

Die Garderobentüre blieb eine Weile zu nach der 1:5-Schlappe des EHC Olten gegen den HC Sierre. Während draussen vor der Tür VR-Präsident Marc Thommen den Kopf schüttelte, geigte in der Kabine Headcoach Fredrik Söderström seinen Spielern die Meinung. Dass, was der Schwede und die Zuschauer zuvor gesehen hatte, hinterliess alle Beobachter ratlos. «Es war eine inakzeptable Leistung. Wir sollten uns schämen», sagte Söderström später. Eben dachte man noch, die Mannschaft habe sich nach einem holprigen Saisonstart gefangen. Doch nach einem guten ersten Drittel krachte das fragile Gebilde gegen Sierre wieder zusammen. Weshalb das so ist? Der Versuch einer Auslegeordnung.

Einstellung: Mehr Arbeiter-Overall als Anzug

Die Oltner hörten nach einem guten Beginn sprichwörtlich auf, Eishockey zu spielen, schauten dem Gegner nur noch zu. Das stiess Söderström besonders sauer auf: «Wir haben mit dem Anzug Eishockey gespielt statt mit dem Arbeiter-Overall. Wir können unsere Gegner nicht mehr mit spielerischen Mitteln schlagen. Wir müssen bereit sein, einen höheren Preis zu bezahlen.»

Führungsspieler: Wer geht mit gutem Beispiel voran?

In diesem Zusammenhang bemängelte der Headcoach, dass keiner seiner Spieler in den schwierigen Momenten das Heft in die Hand nahm. In der Tat fragt man sich: Wo sind die Leader in dieser Mannschaft? Wer geht mit gutem Beispiel voran? Wer versucht, mit allen Mitteln den Karren aus dem Dreck zu ziehen? Söderström: «Wir brauchen jemanden, der auf dem Eis mal ein Zeichen setzt, ohne aber eine dumme Strafe zu nehmen. Unser Job ist es jetzt, herauszufinden, wer diese Spieler sind. Ein gut funktionierendes Hockeyteam hat solche Spieler. Als Coach kann man bis zu einem gewissen Punkt Einfluss nehmen. Auf dem Eis müssen es aber die Spieler tun. Mit Power, mit Leidenschaft, mit Stolz», sagt Söderström eindringlich und fordert: «Wir müssen untereinander viel härter ins Gericht gehen. Wir sind zwar eine Familie. Aber eine Familie darf nicht immer nur glücklich sein. Das geht im Sport nicht. Wir müssen einander mehr pushen. Aber momentan verstecken sich alle. Wir sind zu lieb untereinander.»

Disziplin: Dumme Strafen, miese Special Teams

Einmal mehr augenfällig: Die Mannschaft hat immer wieder die Tendenz, dumme Strafen zu nehmen. Gegen Sierre kassierte man drei Strafen in der offensiven Zone. Auch deshalb gerieten die Oltner nach gutem Beginn aus dem Rhythmus. Zumal die Special Teams ein grosses Sorgenkind bleiben. Das Penalty Killing ist mit einer Erfolgsquote von 70 Prozent (Platz 10 in der Swiss League) ein Sicherheitsrisiko. Ganz zu schweigen vom Powerplay, welches mit einer Erfolgsquote von 8 Prozent das schlechteste der ganzen Liga ist. Und dann kommt noch die Causa Philipp Rytz dazu: Der Captain sollte nicht nur ein Führungsspieler sein, sondern eben auch diszipliniert. Beides bietet er momentan nicht – im Gegenteil: Die Form stimmt nicht. Und wenn man im siebten Ernstkampf der neuen Saison bereits seine dritte (!) Zehnminutenstrafe wegen Disziplinlosigkeiten (diesmal den Puck in die Zuschauer schlagen) kassiert, dann ist das mehr als bedenklich: «Wir brauchen Phippu auf dem Eis. Diese vielen Strafen sind inakzeptabel, das habe ich ihm auch klar gesagt», unterstreicht Söderström.

Verteidigung: Zwischen fehlender Form und Überforderung

Im Zusammenhang mit Philipp Rytz offenbart sich ein weiteres Dilemma. Die Oltner Verteidigung bewegt sich auf dünnem Eis. Der designierte Verteidigungsminister Rytz ist in dieser Verfassung ein Ärgernis und erhält entsprechend nur noch beschränkt Eiszeit. Dahinter ist keiner in der Lage, die Verantwortung zu übernehmen. Oder muss in einer Rolle spielen, der er eigentlich nicht gewachsen ist. Zum Beispiel Dan Weisskopf. Er war bisher der beste EHCO-Verteidiger der neuen Saison. Gegen Sierre war er aber überfordert. Sein Lapsus im Powerplay vor dem 4:1 für Sierre war sinnbildlich für diesen schwarzen Oltner Abend.

Fazit: Es hat noch viel Raum und Zeit für eine Steigerung

Die Saison ist noch jung. Sofern sie angesichts der jüngsten Corona-Entwicklungen fortgesetzt werden kann, bietet sich noch viel Raum für Steigerungen in allen Belangen. Aber da ist eben auch die Erkenntnis, dass dieser EHCO kein Spitzenteam mehr ist und jeden Abend um seine Punkte kämpfen muss. Sonst gibts ein böses Erwachen.

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