Motocross
«Die Jungs fahren manchmal, als ginge es um Leben und Tod»

Nach sieben Jahren Unterbruch ist im «Reckenkien» wieder Motocross angesagt. Der Motoclub Passzwang feiert – etwas verspätet zwar – sein 30-Jahr-Jubiläum. Mit von der «Party» sind auch die Frauen.

Michael Schenk
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Rennleiter Stephan Vetter bereitet den Start am internationalen Motocross in Mümliswil vor.

Rennleiter Stephan Vetter bereitet den Start am internationalen Motocross in Mümliswil vor.

Marcel Bieri

«Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr wieder ein Rennen durchführen», erzählt Stephan Vetter. Im Rahmen des 30-Jahr-Jubiläums des Moto Moto Club Passwang nämlich. «Leider», so der Rennleiter aus Grenchen, der in Oberbipp lebt, «dauert das mit Bewilligungen von Motorsportveranstaltungen manchmal etwas lange bei uns.» Inzwischen freilich liegt die Genehmigung der zuständigen Behörde vor und die Schlammschlachten der Jugend, Elite und Frauen können an diesem Wochenende im «Reckenkien» plangemäss ausgetragen werden.

Apropos Behörden und Genehmigungen – mit dem motorsportafinen Solothurner Nationalrat Walter Wobmann, der den nationalen Verband Motorradfahrer (FMS) präsidiert, haben die «Töffrennfahrerinnen und -fahrer» einen prominenten Vorkämpfer. «Er ist wirklich ein sehr guter Präsident», räumt Vetter ein. Keiner, der nur als Galionsfigur hinstehe – eben einer von Ihnen mit dem Töffvirus im Blut.

Vetter ist selbst Präsident der Zeitmess-Kommission des FMS und insofern fast Wochenende für Wochenende in Sachen Töffrennen unterwegs. Wenn er nicht auf oder im Auftrag von zwei Rädern durch die Landschaft tourt, dann tut er dies in der Regel auf anderen Rädern. Beruflich ist er nämlich als Chauffeur für die Transportfirma Ackermann auf Achse. Durch seinen Chef, der in Mümliswil notabene das OK präsidiert, kam der Routinier punkto Motorradrennsport und Zeitmessung zu seinem Rennleiter-Job in Mümliswil.

Die Inter MX 250 und 450-Kategorie, die höchsten und schnellsten Kategorien, sind im Solothurnischen zwar nicht am Start. «Das wäre nach so vielen Jahren Pause etwas zu viel auf einmal gewesen», sagt Vetter. Abgesehen davon, dass das Budget durch das Mitwirken dieser Top-Klassen allein gut 20 000 Franken höher ausfiele, «wollen wir zuerst wieder etwas Erfahrung sammeln.» Nichtsdestotrotz darf sich das Starterfeld im Thal am Sonntag absolut sehen lassen. Das Publikum wird auf seine Kosten kommen. So geben heute unter anderem auch die seit letztem Jahr ihren eigenen «Ladies Cup» ausfahrenden Frauen mächtig Gas.

Eine von ihnen ist die 24-jährige Ramona Schwitz. Die 24-Jährige aus Murten, die auch EM-Läufe bestreitet, gehört zu den Besten ihrer Gilde und hat, wie ihr Vater sagt, schon seit Kindsbeinen an lieber «Motoriges» als «Bäbiges». «Töffahren ist einfach ihre riesige Leidenschaft», sagt der Vater und Mechaniker und Chauffeur und Betreuer und, und... Einen Enthusiasmus, den sie, die sie zum Moto Mader Racing Team gehört, und ihre Kolleginnen nicht minder ausleben als ihre männlichen Kollegen. Den Unterschied von Männer- und Frauenmotocross beschreibt eine Lady-Crosserin so: «Die Jungs fahren manchmal, als ginge es um Leben und Tod. Sie wollen nur gewinnen. Das wollen wir auch – nur wir überlegen dabei.» Ganz nach dem Motto also: «Denken beim Lenken statt Lenken ohne Denken.»

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