Nach 20 Minuten, da war die Stimmung bei den über 4000 Zuschauern im Kleinholz ausgezeichnet. 3:1 führte der EHC Olten zu diesem Zeitpunkt. Ein Doppelschlag in der 12. Minute durch Daniel Eigenmann und Tim Grossniklaus – die beiden neuen EHCO-Verteidiger trafen innerhalb von 29 Sekunden zweimal - und ein weiterer Treffer eines Neuzugangs – Roland Gerber (20.) – sorgten für eine positive Bilanz. Langenthals Trainer Per Hanberg sah sich schon nach dem 2:0 für die Oltner genötigt, sein Timeout zu nehmen. Nicht, dass die Oberaargauer bis zu jenem Zeitpunkt desolat aufgetreten wären. Es ging dem Schweden mehr darum, den Rhythmus der euphorisierten Powermäuse zu brechen.

Hanbergs Plan ging auf

Der Plan ging auf. Mika Henauer, die Leihgabe des SC Bern (er war im Sommer auch in Olten ein Thema gewesen), erzielte kurz nach dem Timeout den Langenthaler Anschlusstreffer. Womit auch klar war, dass dem EHC Olten an diesem Abend nichts geschenkt würde. Das kristallisierte sich gleich zu Beginn des zweiten Drittels heraus, als der SC Langenthal die Fehler in der Oltner Hintermannschaft brutal bestrafte.

Das Team von Headcoach Chris Bartolone hatte den Faden komplett verloren. Erst konnte Tim Grossniklaus den enteilten Schweden Kim Karlsson nur regelwidrig stoppen. Den fälligen Penalty versenkte SCL-Captain Stefan Tschannen im Stile eines Routiniers. Vier Minuten später patzerte dann EHCO-Schlussmann Matthias Mischler, als er einen recht harmlosen Schuss von Tom Gerber passieren liess. Der Fehler Mischlers war auf eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, weil auf der anderen Seite Marco Mathis beim dritten Oltner Treffer nicht gut ausgesehen hatte.

Die beiden Goalies steigerten sich im Verlauf dieses spektakulären und sehr unterhaltsamen Spiels sowieso enorm. Und sie standen immer wieder im Brennpunkt des Geschehens, weil es beide Mannschaften mit der Defensivarbeit im ersten Meisterschaftsspiel nicht so genau nahmen. Doch am Ende wurde der EHC Olten für eine dieser Nachlässigkeiten in der eigenen Zone doch noch auf bittere Art und Weis bestraft. Giacomo Dal Pian stand nach einer schönen Kombination plötzlich alleine vor Mischler und liess sich nicht zweimal bitten. In der 57. Minute gingen die Langenthaler erstmals in Führung und liessen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

Doppelte Überzahl ohne Ertrag

Die Oltner haben sich diese Niederlage im ersten Derby der neuen Saison selber zuzuschreiben. Sie verspielten nicht nur 2:0- und 3:1-Führungen auf leichtsinnige Art und Weise. Sie schafften es auch nicht, beim Stand von 3:3 im letzten Drittel eine zweiminütige, doppelte Überzahl auszunützen. Das wäre die goldene Gelegenheit gewesen, die Weichen wieder auf Sieg zu stellen.

Was bleibt von diesem ersten Saisonspiel? Der EHC Olten ist mit dieser talentierten Mannschaft in der Lage, ein offensives Spektakel abzuliefern. Punkto Defensive bestehen aber noch grosse Fragezeichen. Die Zuordnung passte oft nicht, dazu kam man mit dem bisweilen unglaublich aggressiven Forechecking der Langenthaler überhaupt nicht zurecht. Von den neuen Spielern gefielen vor allem Tim Grossniklaus und Roland Gerber mit ihrer körperlichen Robustheit. Eine Eigenschaft, die vielen Oltnern ein wenig abgeht, was gegen eine physisch präsente Mannschaft wie Langenthal selbstredend kein Vorteil ist.

Noch ein Wort zu den beiden neuen Ausländern: Cason Hohmann ist ein unglaublich wendiger und schneller Spieler, der für magische Momente auf dem Eis sorgen kann. Aber er neigte - zumindest im ersten Meisterschaftsspiel - etwas zu Eigensinn und ist, auch durch seine Körpergrösse (1,72m) bedingt, natürlich nicht der Spieler, der jeden Zweikampf gewinnt. Diskret unterwegs war Bryce Gervais. Er fand im Block mit Hohmann und Devin Muller noch nicht so recht die Bindung zum Spiel. Aber eben: Die Meisterschaft ist noch jung und die Ansätze durchaus vielversprechend. Langweilig wird es im Kleinholz in dieser Saison kaum einmal.

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